Ärzte Zeitung, 09.07.2010

Staatsanwalt holt für die AOK 13 Millionen Euro zurück

AOK und Staatsanwaltschaft Hessen ziehen Bilanz ihrer Betrügerjagd / 83 Ärzte waren betroffen

FRANKFURT/MAIN (ine). Fälschungen von Rezepten oder Abrechnung von nicht erbrachten Leistungen: Seit 2004 deckt ein Team von sieben Mitarbeitern der AOK Hessen Betrügereien im Gesundheitswesen auf. Dabei geht es um Summen in Höhe von 800 Euro bis hin zu einer Million Euro.

Wie die Ermittler in Frankfurt am Main mitteilten, wurden allein im Zeitraum von September 2007 bis Dezember 2009 mehr als 3,89 Millionen Euro zu Unrecht von Leistungserbringern abgerechnet.

Wie bereits kurz berichtet, deckte die AOK in dieser Zeit 279 Fälle auf, darin verwickelt waren unter anderem 83 Ärzte, 71 Heilmittelerbringer, 43 Versicherte, 20 Apotheker, 16 Krankenhäuser. Bei 100 dieser Betrugsfälle wurde die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main eingeschaltet.

"Nicht jedes Fehlverhalten ist strafbar", sagt der Staatsanwalt Alexander Badle. Er ist zusammen mit zwei weiteren Kollegen für den "Tatort Gesundheitsmarkt" in Hessen zuständig. Die Zahl der Fälle, in denen die Staatsanwälte ermitteln, variiert von Jahr zu Jahr. Mal sind es 200, mal 600 Verfahren. "Die Zahlen belegen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt", sagt Badle.

Mit der Bilanz ist er zufrieden: Seit 2005 hat sein Team insgesamt 3366 Ermittlungsverfahren abgeschlossen und 13,1 Millionen Euro aus "strafrechtlichen Ermittlungsverfahren abgeschöpft." Bei der Aufdeckung der Betrugsfälle arbeitet Badle eng mit der AOK und der KV Hessen zusammen.

Bei der Recherche sind die AOK und die Staatsanwälte in der Regel auf Hinweise von Dritten angewiesen. Viele Tipps gehen anonym per E-Mail oder über die AOK-Hotline ein. Außerdem setzt die AOK zur Überprüfung eine spezielle Analyse-Software ein.

"Mehr Transparenz im System", um Betrügereien zu erschweren fordert Dr. Wilfried Boroch von der AOK Hessen. Ein moderater Ausbau der Dokumentationspflichten wäre ebenfalls wünschenswert, so Boroch weiter. Die Krankenkasse will aber auch verstärkt ihre Versicherten aufklären - beispielsweise darüber, wie der Arzt erbrachte Leistungen abrechnet.

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