Ärzte Zeitung, 02.12.2010

Kommentar

Ärzte wehren sich zu Recht

Von Ilse Schlingensiepen

Es ist schon merkwürdig, auf welche Ideen manche Bürokraten kommen. An mehreren Universitäten in Nordrhein-Westfalen wollen Mitarbeiter der Prüfungsämter mit seltsamen Methoden verhindern, dass sich Studierende mit vorgetäuschten Erkrankungen um die Teilnahme an Prüfungen drücken. Sie verlangen von den Ärzten, die den Studierenden ein Attest ausstellen, die Schilderung der körperlichen oder psychischen Symptome. Anhand der Angaben machen sich die Ämter selbst ein Bild über die Prüfungsunfähigkeit.

Damit werden bei Studenten der Datenschutz und das Patientengeheimnis ausgehebelt. Es ist richtig und wichtig, dass sich viele Ärzte da nicht zu Erfüllungsgehilfen machen wollen. Zu Recht fordert die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, das Vorgehen der Unis schnellstmöglich zu beenden. Macht die Verletzung des Arzt-Patienten-Geheimnisses an Hochschulen unwidersprochen Schule, könnte es leicht auf andere Bereiche übergreifen. Der ein oder andere Arbeitgeber wüsste bei einer Krankschreibung eines Mitarbeiters sicher auch gern, was dahinter steckt. Dass er das nicht erfährt, hat gute Gründe.

Lesen Sie dazu auch:
Unis verlangen detaillierte Krankheitsinfos zu Studenten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »