Ärzte Zeitung, 05.05.2011

Deutsche Zahnärzte für Dänen attraktiv

Deutsche Zahnarztpraxen an den Grenzen stehen bei Patienten aus Nachbarländern hoch im Kurs. Grund für den Zulauf: Hohe Qualität bei vergleichsweise geringen Kosten.

Deutsche Zahnärzte für Dänen attraktiv

Auf nach Deutschland? Für Zahnbehandlungen lohnt es sich.

© Opelka / fotolia.com

KIEL (di). Patiententourismus ist in Deutschland oft negativ besetzt: Über günstige Angebote für Schönheits-Operationen am Plattensee, Zahnimplantate in Polen oder Kuren in Tschechien informieren Medien häufig nicht ohne warnende Hinweise auf die Qualität.

Günstige Angebote im europäischen Vergleich sind aber auch in Deutschland zu finden. Zahnärzte in der Grenzregion nach Dänemark etwa spüren seit Jahren eine steigende Nachfrage aus Dänemark und sind sich sicher, dass der Andrang außer mit der hochwertigen Versorgung auch etwas mit preisgünstigerer Behandlung zu tun hat.

Dies belegt nun eine Umfrage der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein, an der fast Zwei Drittel der 168 im Grenzgebiet praktizierenden Zahnärzte teilnahmen. Für weit mehr als die Hälfte dieser Praxen sind dänische Patienten wichtig. Ein weiteres Drittel behandelt gelegentlich Patienten aus dem Nachbarland.

Preisgünstigere Behandlung vermutet

Nur für rund sieben Prozent aller Praxen im Grenzgebiet haben Patienten aus Dänemark keine Bedeutung. Weitere Ergebnisse:

Die Zahnärzte führen den Andrang auf das Preis-Leistungsverhältnis zurück. Die meisten sind sicher, dass bei ihnen die Wartezeiten geringer und die Versorgung hochwertiger als im Nachbarland ist. 90 Prozent glauben, dass die preisgünstigere Behandlung die entscheidende Motivation für die Dänen für die Zahnbehandlung in Deutschland ist.

Dänische Patienten nehmen dafür auch Sprachbarrieren in Kauf. Denn in 40 Prozent der befragten Praxen sprechen weder Zahnarzt noch Mitarbeiter dänisch.

Werbemaßnahmen sind kaum nötig: Nur 15 Prozent der befragten Praxen wirbt in Dänemark gezielt um Patienten. 83 Prozent vermuten, dass die Patienten auf Empfehlung kommen.

Kammerpräsident Dr. K. Ulrich Rubehn freut sich über die hohe Akzeptanz, sieht sie aber auch kritisch: "Auch in der privaten Zahnheilkunde ist Deutschland offenbar ein Billiglohnland." Dies gelte auch für andere Grenzregionen, etwa zur Schweiz und Österreich.

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