Ärzte Zeitung, 27.05.2011

Der Standpunkt

Problemfeld Praxisabgabe

Von Hauke Gerlof

Problemfeld Praxisabgabe

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Wirtschaft der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: hauke.gerlof@springer.com

© Illian

Ärzte auf dem Land, die ihre Praxis abgeben wollen, haben Probleme, Nachfolger zu finden. Dieses Faktum war schon länger bekannt. Aber welches Ausmaß dieses Problem bereits heute hat, und wie ältere Ärzte darauf reagieren - das hat die aktuelle Umfrage von SpringerMedizin mit der "Ärzte Zeitung" und Deutscher Apotheker- und Ärztebank drastisch vor Augen geführt.

Einerseits bereitet die Abgabe ihrer Praxis 75 Prozent der Ärzte auf dem Land große Sorgen. Und vier von fünf Landärzten halten laut Umfrage den Praxisverkauf für schwierig oder unmöglich. Andererseits vermitteln die Ergebnisse kein Bild der Hoffnungslosigkeit.

Denn sie zeigen, in welchem Maße die Mehrheit der freiberuflich tätigen Ärzte offenbar in der Lage ist, auf widrige Umstände zu reagieren: Jeder dritte Umfrageteilnehmer will noch in den Jahren vor der Praxisabgabe investieren, ein weiteres Drittel will Juniorpartner mit aufnehmen und jeder sechste will die Praxis in eine Kooperation überführen. Das gilt auch für die Landärzte.

Frappierend: 50 Prozent der Ärzte auf dem Land - und kaum weniger in den Ballungsräumen und Kleinstädten - wollen bis kurz vor Schluss in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter investieren.

Viele Praxisinhaber haben offenbar erkannt, dass das Team als Ganzes Garant für den Erfolg einer Praxis ist. Humankapital bringt allen Beteiligten hohe Erträge - Ärzten, Mitarbeitern und Patienten. Dahinter steckt auch, dass junge Ärzte sich eher dort engagieren werden, wo die Versorgung funktioniert, wo die Voraussetzungen, Patienten gute Medizin zu bieten, gegeben sind.

Und das ist eher dort, wo die Praxisinhaber bis zum Schluss investieren - in die Technik und eben auch in die Menschen.

Und noch etwas lehrt diese Umfrage: Ärztefunktionäre müssen aufpassen, dass sie mit ihren Klagen über schlechte Honorierung und über schlechte Versorgungsbedingungen für junge Ärzte nicht am Ende vor allem abschreckend wirken. Das wäre dann am Ende die sich selbst erfüllende Prophezeiung.

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