Ärzte Zeitung, 30.06.2011

Ein Netz von Ärzten, Kassen und Kliniken

Das Ärztenetz Hamburg bietet mit seinem Terminpool Service für Patienten. Die Betriebskrankenkassen belohnen dies mit einem Vertrag zur integierten Versorgung.

Von Dirk Schnack

Ein Netz von Ärzten, Kassen und Kliniken

Dr. Ralf Oertel vom Ärztenetz Hamburg ist überzeugt vom Terminpool des Netzes.

© Dirk Schnack

HAMBURG. Unter der Marke "Gesundheit im Netz" will der BKK Landesverband Nordwest Kooperationen fördern. Erster Vertragspartner ist das Ärztenetz Hamburg, das eingeschriebenen Patienten laut Vereinbarung besondere Leistungen zur Verfügung, stellt, die andere Patienten nicht genießen. Dies sind:

  • ein erprobter Terminpool, über den Patienten schon in der Arztpraxis ihren Anschlusstermin bekommen und der ihnen damit Aufwand und Wartezeiten erspart.
  • abgestimmte Behandlungen, um die sich die Praxen kümmern, ohne dass der Patient dies organisierlen muss.
  • Reduzierung der Zuzahlung für Krankenhausbehandlungen im Rahmen ergänzender Klinikmodule um 50 Prozent (bis zu 140 Euro im Jahr).

Diese Klinikmodule umfassen derzeit Behandlungen in der Kardiologie und in der Orthopädie. Die Klinikärzte haben sich für Patienten mit entsprechender Indikation für die Zusammenarbeit mit einem Hamburger Krankenhaus ausgesprochen.

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit erbringen sie prä- und poststationäre Leistungen, die sie extrabudgetär von den beteiligten Betriebskrankenkassen vergütet werden.

Außerdem zahlen die Kassen für jeden Patienten, der diese Leistungen in Anspruch nimmt, eine Quartalspauschale an das Netz. Die Klinik profitiert, weil sie - bei weiter bestehender freier Wahl des Patienten - bei den Zuweisern für diese Indikationen als erste Wahl gilt.

Für weitere Indikationen können andere Kliniken profitieren. Derzeit verhandeln Netz und Kassenverband für HNO und Onkologie mit weiteren Häusern, auch für die Geriatrie sollen Gespräche geführt werden.

Die Kassen zahlen zwar die extrabudgetären Vergütungen für die niedergelassenen Ärzte zusätzlich, erhalten aber von den Kliniken einen Rabatt für die Patienten, die vor- und nachgelagerte Leistungen im Netz erbringen lassen. "So hat jeder Beteiligte einen Vorteil", sagt Dr. Dirk Janssen, Leiter des Geschäftsbereichs Innovationen und Beteiligungen beim BKK-Verband Nordwest.

Das vor zehn Jahren gegründete Netz gilt als eines der erfolgreichsten und am besten organisierten im Norden. Mit 213 Ärzten ist es auch eines der größten. Weil auch Krankenhäuser und andere Gesundheitsberufe im Netz vertreten sind, bietet es sich als Partner für eine sektorübergreifende Kooperation an.

"Unser Terminpool war ein entscheidendes Argument", sagt der Netzvorsitzende Dr. Hans Jürgen Juhl. Den Terminpool hat das Netz in Eigeninitiative aufgebaut und gute Erfahrungen damit gesammelt. Bislang stand er allen Patienten zur Verfügung, künftig nur noch den eingeschriebenen von "Gesundheit im Netz".

Ein Problem damit, dies den anderen Patienten zu erklären, haben die Ärzte nicht. "Das können wir vermitteln", sagt Vorstandsmitglied Dr. Ralf Oertel hält es für richtig, dass der Terminpool zunächst aufgebaut und im Praxisalltag erprobt wurde, bevor nun die ersten Krankenkassen dies honorieren: "Man muss erstmal Vertrauen schaffen."

Das versucht Netzmanagerin Gabriele Prahl künftig auch bei weiteren Kassen. Ihr Argument ist der den Bindungseffekt, den die Kassen dadurch bei ihren Versicherten erzielen. Für die ist das Modell interessant: 42 Betriebskrankenkassen hatten Ende Juni schon unterschrieben.

"Es gibt keinen ökonomischen Grund, nicht mit zu machen", sagt auch Janssen. Nach Analyse der Daten von rund 49.000 BKK-Versicherten sind für die Kassen die Leistungsausgaben derzeit höher als die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds.

Funktioniert "Gesundheit im Netz" wie geplant, kann diese Deckungslücke verringert werden, ohne dass die Kassen dafür einen Zusatzbeitrag erheben müssen. Und mit jedem weiteren Modul, das das Netz mit Krankenhäusern abschließt, wird "Gesundheit im Netz" für Ärzte und Kassen interessanter

Die Kooperation soll keine Ausnahme bleiben. Janssen kann sich vergleichbare Verträge mit anderen Netzen vorstellen, bevorzugt in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

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