Ärzte Zeitung, 19.09.2011

MFA-Prüfung aus dem Praxisalltag

Wer im Praxisalltag fit ist, braucht keine Angst vor der praktischen Prüfung für Medizinische Fachangestellte (MFA) zu haben. Selbst Fehler bedeuten nicht das Aus. Dennoch gibt es einiges zu beachten.

Von Rebekka Höhl

MFA-Prüfung: Fragen sind aus dem Praxisalltag

Auch die schriftlichen Notizen zählen in der praktischen Prüfung für Medizinische Fachangestellte.

© Lightpoet / fotolia.com

DORTMUND. 75 Minuten dauert die praktische Prüfung für angehende Medizinische Fachangestellte (MFA). Doch diese 75 Minuten gingen durch die praxisnahe Aufgabe für die Auszubildenden zur MFA schneller herum, als es auf den ersten Blick erscheine, so die Erfahrung von Brigitte März, Referatsleiterin MFA beim Verband der medizinischen Fachberufe e.V. (VmF).

Auf dem diesjährigen Bundeskongress des VmF in Dortmund gab sie Tipps für die praktische Prüfung, die auch für die Ausbilder in den Praxen interessant sind.

Dabei betonte März, die selbst seit Jahren Mitglied von Prüfungsgremien in den praktischen Prüfungen ist, dass die Prüfer generell den angehenden MFA nichts Böses wollten - Panik vor der Prüfung ist also nicht nötig. Ein bisschen Lampenfieber sei aber normal und komme bei allen Prüflingen vor.

In der Prüfung werden Situationen nachgespielt

Wichtig für die Azubis ist zunächst, dass die Prüfungsaufgabe direkt aus dem Praxisalltag stammt. Es werde eine Situation nachgespielt, in der die angehende MFA einen Patienten von der Annahme über die Behandlung bis zum Verlassen der Praxis begleite.

Doch hier ende die Aufgabe noch nicht: Zur Prüfung gehöre ebenso, welche Abläufe in der Praxis wichtig sind, nachdem der Patient die Arztpraxis wieder verlassen hat. Ganz konkret: Der Prüfling muss noch die Abrechnung der Leistungen simulieren, eventuell eine Rechnung für Privatleistungen erstellen oder ausgegangenes Verbandmaterial bestellen.

Außerdem gehöre zu der Prüfung immer noch entweder das Simulieren einer Laborleistung oder eines Präventionsgesprächs durch die Auszubildende.

Notizen zählen als Prüfdokument

Bevor es losgeht, hat jeder Prüfling laut März aber ausreichend Zeit, um sich die Prüfungsaufgabe durchzulesen. Die Prüfzeit starte dann meist ab dem Moment, ab dem sich die Azubi ihre Notizen für die Aufgabe mache.

Und die sollte kein Prüfling vernachlässigen, denn alles, was sich die Azubi notiere zähle als Prüfdokument und damit für das Ergebnis der Prüfung. Das heißt, wer in seinen Notizen Dinge notiert, die er dann in der Fallsimualtion vor Aufregung vergisst, zeigt dem Prüfungsgremium zumindest, dass er einen Ablauf eigentlich anders geplant hatte.

Fallsimulation und auch gezielte fachliche Fragen

Die reine Fallsimulation, in der vorwiegend die berufliche Handlungskompetenz der angehenden MFA geprüft wird, dauert 60 Minuten. Anschließend findet noch ein 15-minütiges Fachgespräch zu dem konkreten Fall statt. In diesem bewerte der Prüfling noch einmal kurz, wie er die Aufgabe gelöst habe, berichtete März.

Das Prüfgremium, das in der Regel aus einer MFA, einem Berufsschullehrer und einem Arzt bestehe, stelle aber auch ganz gezielte fachliche Fragen. Etwa: In welcher Einheit wird der Blutdruck gemessen? Oder: Wer muss im Impfpass unterschreiben?

Im Fachgespräch können noch Fehler ausgebügelt werden

Bei letzter Frage wies März darauf hin - das sei für die Prüfung wichtig -, dass die MFA im Impfpass nicht mit "i.A." (im Auftrag) selbst unterschreiben dürfe. Hier sei die Unterschrift des Arztes Pflicht, weil es sich um ein internationales Dokument handele.

Während des Fachgesprächs können die Azubis außerdem Fehler aus der praktischen Prüfung zum Teil noch einmal ausbügeln. Nämlich, indem sie selbst darauf hinweisen würden, dass sie einen Fehler gemacht hätten und erklärten, wie es richtig hätte laufen sollen.

Wie viel so eine Selbst-Verbesserung zähle, hänge aber vom jeweiligen Fehler ab. Punkten könnten sie aber auch, so März, indem sie im Fachgespräch mögliche Alternativen zu ihrem Vorgehen nennen würden.

Manche Kammerbezirke haben richtige Prüfpraxen

Damit die Prüfung möglichst echt wirkt, wird eine Praxis nachgestellt. In manchen Kammerbezirken gebe es richtige Prüfpraxen, in denen die praktische Prüfung durchgeführt werde, sagte März. In anderen müssten Berufsschulzimmer als Praxis umfunktioniert werden.

Wobei es immer jemanden gibt, der einen Patienten spielt. In Berlin würde man hier sogar Schauspieler einsetzen, so März. In fast jeder Prüfung kommt laut März auch eine Erste-Hilfe-Situation vor. Wenn sie nicht schon Teil der praktischen Prüfung sei, würden die Prüfer zumindest im Fachgespräch noch einmal eine Frage zu diesem Themenbereich einbauen.

Wer durch die schriftliche Prüfung gefallen ist, kann die praktische Prüfung übrigens trotzdem machen und die schriftliche Wiederholungsprüfung dann nachziehen.

Kleine Fallen in der praktischen Prüfung

Für die praktische Prüfung erhalten angehende Medizinische Fachangestellte (MFA) einen konkreten Praxisfall, den sie simulieren sollen. In diesem Fall können kleine Fallen lauern.

Brigitte März, Referatsleiterin MFA beim Verband der medizinischen Fachberufe (VmF) rät daher, auf folgendes zu achten:

Beim Lesen des Praxisfalls sollten die Prüflinge genau hinschauen, ob der Patient etwa an einem Samstag in die Praxis kommt, das kann Auswirkungen auf die Abrechnung haben.

Hatte der Patient im Praxisfall einen Unfall, muss geklärt werden, welcher Kostenträger für die Behandlung einspringt (evtl. BG-Fall).

Die Prüfer achten genau darauf, dass die notwendigen, aber nicht überflüssige Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Zu viel ist nicht immer gut.

Während der Prüfung aufgerissene Verbandpackungen etc. sollten - hat der Patient die Praxis verlassen - wieder weggeräumt werden.

Bei Verbandmaterial, Impfstoffen etc. sollte die angehenden MFA unbedingt auf das Verfallsdatum achten.

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