Ärzte Zeitung, 19.12.2011

Impfstoff-Regresse rufen Berufsverband auf den Plan

Impfvorräte nicht in einem Quartal verbraucht? Ärzten in Rheinland-Pfalz droht deshalb der Regress.

MAINZ (reh). Einer ganzen Reihe von Gynäkologen, Hausärzten und Pädiatern in Rheinland-Pfalz drohen laut dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) Rheinland-Pfalz derzeit Regressforderungen von mehreren tausenden oder sogar zehntausenden Euro.

Der Grund: Sie haben Impfstoffe, die sie als Sprechstundenbedarf eingekauft haben, nicht innerhalb eines Quartals verimpfen können. Einen Übertrag ins nächste Quartal erlaube die rheinland-pfälzische Verordnung für Sprechstundenbedarf (SSBV) aber nicht.

Sprechstundenbedarf nur einmal im Quartal

Und in der Tat steht in der SSBV, dass der Sprechstundenbedarf nur einmal im Quartal verordnet werden und den Verbrauch ersetzen soll. Diese Regelung gelte gleichermaßen für den Bezug von Impfstoffen nach dem Katalog der Impfvereinbarung.

Dabei gelte das Wirtschaftlichkeitsgebot. Das heißt nach Angaben des BVF: Die verordnete Menge solle für die einzelne Praxis im angemessenen Verhältnis zu der Zahl der Behandlungsfälle und dem abgerechneten Leistungszeitraum stehen.

Und wie BVF-Pressesprecher Sean Monks erklärt, nehme die KV Rheinland-Pfalz diese Regelungen sehr genau. Das zeigten die nun bei vielen Ärzten eingegangenen Prüfbescheide für Impfstoffverordnungen aus den Jahren 2007 und 2008. Seien Impfstoffe nicht aufgebraucht worden, müssten die Ärzte nun nachzahlen.

Impfstoffe meist nur in Großpackungen lieferbar

"Die Realität sieht leider völlig anders aus", kritisiert Dr. Werner Harlfinger, Vorsitzender des BVF in Rheinland-Pfalz. "Impfstoffe sind häufig gar nicht lieferbar - und wenn, dann nur in Großpackungen. Will ich also genügend Impfstoff für meine Patientinnen bevorraten, muss ich häufig eine Menge bestellen, die höher ist als das, was ich in einem Quartal verimpfen kann."

Außerdem müssten Impfungen häufig verschoben werden, weil Mädchen und Frauen nicht zum vereinbarten Termin kämen. Eine exakt vorhersehbare Planung sei daher kaum möglich.

Neben den Gynäkologen sind -so der BVF - auch über 100 Allgemeinärzte und über 70 Pädiater betroffen.

"Sprechstundenbedarfsregelung ist für Praxis nicht tauglich"

Gerade auch bei Kleinkindern käme es immer wieder zu Terminverschiebungen: "Gerade bei den Kleinsten kommt es oft zu Infektionen - Impftermine müssen verschoben werden und finden dann zum Beispiel im darauf folgenden Quartal statt. Dafür sollen wir jetzt Strafe zahlen, ohne dass den Kassen ein wirklicher finanzieller Schaden entstanden ist?", so Dr. Jürgen Fleischmann, Vorsitzender der Kinderarztnetzwerkes ‚Pädnetz Mittelrhein‘.

Kritik kommt auch vom rheinland-pfälzischen Hausärzteverband. "Diese Sprechstundenbedarfsregelung ist für die Praxis nicht tauglich und muss daher schnellstens geändert werden", so Dr. Burkard Zwerenz, Landesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes in Rheinland-Pfalz.

[20.12.2011, 16:19:12]
Alfred Besand 
Impfstoff-Regresse rufen Berufsverband auf den Plan
Bei der Überprüfung von Impfstoffen und abgerechneten Leistungen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Rechenfehlern von Seiten der Antragsteller.

Sehr viele angedrohte und ausgesprochene Regresse mussten somit zurück genommen werden.
Jeder Betroffene sollte sich genau belegen lassen,
inwieweit die zugrunde gelegten Zahlen, auch tatsächlich korrekt sind und mit den eigenen Aufzeichnungen übereinstimmen.
Hinzu kommt das den Krankenkassen, den Apothekern und den KVen bekannt ist warum es immer wieder gerade bei Grippeimpfstoffen es zu Mehrverordnungen kommen kann.
Die Ärzte müssen sich Monate vorher schon festlegen, gegenüber den Pharmafirmen, wie hoch der Bedarf ist. Ansonsten bekäme man nicht genug
Impfstoffe geliefert und viele der Patienten könnten nicht geimpft werden.

Regelungen zwischen den Parteien blieben aus. Der schwarze Peter wurde wieder einmal der Ärzteschaft aufgebürdet.Die dann auch die Regresse zu tragen haben.

Nach Abschnitt V. Abs.4 erfolgt die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Verordnungsweise von Sprechstundenbedarf
zwischen den Verbänden der Krankenkassen und der Kassenärztlichen
Vereinigung Rheinland-Pfalz getroffenen Prüfvereinbarung. Dabei sollen die
Verordnungen von vier aufeinander folgenden Kalendervierteljahren im
Zusammenhang als Beurteilungsgrundlage herangezogen werden.
Warum soll dieser Abschnitt für die Verordnungen von Impstoffen nicht gelten!!

Nach Abschnitt 5 der SSB Vereinbarung sollen bei Anträgen im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung (hier Impfstoffe) vor der Antragstellung
zwischen den Vereinbarungspartnern oder den von ihnen Bevollmächtigten Koordinierungsgespräche mit dem Ziel statt finden,Empfehlungen
an die Prüfungsstelle zu geben, bei welchen Ärzten eine weitergehende Prüfung der Wirtschaftlichkeit der Verordnungsweise des Sprechstundenbedarfs erfolgen soll.
Hat eine solches Koordinierungsgespräch hier bei den Beanstandungen von Impfstoffen stattgefunden?

Zu prüfen wäre auch noch inwieweit der zurück gegebene Impfstoff an Hersteller/Apotheken dagegen gerechnet wurde.

Wenden Sie sich bei solchen existenzgefährdenten Regresse, sofort an Ihre KV damit, diese Ihnen weiter hilft. Ich kann mir nicht vorstellen dass man Sie
im Regen stehen lässt.Ich hoffe doch, das man in solchen Fällen, wo keinerlei Schaden den Kassen entstanden ist,der Ärzteschaft entsprechende
Unterstützung von Seiten der KV Verantwortlichen zukommen lässt, damit die angedrohten Regresse nicht vollzogen werden.

Ich wünsche, allen Beteiligten, ein besinnliches Weihnachtsfest.

Aerzteberatungrlpmainz
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