Ärzte Zeitung, 05.04.2012

Standpunkt zu Gemeinschaftspraxen

Ohne Investition kein Gewinnplus

Das ZI hat es schwarz auf weiß geliefert: Gemeinschaftspraxen sind lukrativer als Einzelpraxen. Doch das ist kein Selbstläufer, meint Rebekka Höhl. Entscheidend sind die Investitionen - eine Lehre auch für Einzelpraxen.

Ohne Investition kein Gewinnplus

Rebekka Höhl ist stellv. Ressortleiterin im Ressort Wirtschaft. Schreiben Sie ihr: rebekka.hoehl@ springer.com

Nun ist es sozusagen amtlich: Gemeinschaftspraxen sind lukrativer als Einzelpraxen. Das hat das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung - kurz ZI - in seinem Praxispanel ZIPP herausgefunden.

Doch wie so oft, hat auch diese Statistik ihre Schwachpunkte. Es stimmt: Praxisinhaber in der Kooperation erzielten über die Jahre 2006 bis 2008 - dies ist der Erhebungszeitraum - zwischen 22.000 und 35.000 Euro mehr an Überschüssen als Einzelkämpfer.

Aber: Das ZI hat Mittelwerte gebildet, das heißt, es wird immer auch Kooperationen geben, die weniger als Einzelkämpfer verdienen.

Trotzdem können Ärzte in Einzelpraxis eine wichtige Erkenntnis aus den Daten ziehen: Investitionen helfen, den Praxisgewinn zu steigern. Und das ist keine neue Weisheit: Wenn man wissen will, wie es um ein Unternehmen steht, schaut man sich in der Wirtschaft gerne Investionsdaten an.

Ein Unternehmen aus dem man nur Geld herauszieht, aber keines investiert, wird irgendwann nicht nur weniger Gewinn abwerfen, es wird schlicht nicht lange überleben.

Und auch das ZIPP zeigt: Ärzte in Gemeinschaftspraxen steigerten im Schnitt ihre Aufwendungen zwischen 2006 und 2008 um 7,5 Prozent, in Euro von 26.000 auf 38.000 Euro.

Und in diesen Aufwendungen stecken auch Investitionen in Personal und , Ausstattung. Bei den Einzelkämpfern hingegen stagnierten die Investitionen. Mit dem Ergebnis, dass auch die Überschüsse langsamer zulegten.

Wer aber mehr Umsatz und höhere Überschüsse erwirtschaften will, muss für gute Abläufe in der Praxis sorgen. Dazu braucht es nicht immer teure Medizingeräte - Investitionen in die EDV lassen bürokratische Prozesse effizienter werden, Schulungen der Mitarbeiter entlasten den Arzt und schaffen neue Leistungsbereiche, und Investitionen in Marketing und Praxisatmosphäre binden und erweitern den Patientenkreis.

In Kooperationen klappt das häufig besser, denn der Druck, sich gut aufzustellen, ist größer, auch weil noch ein Praxispartner da ist, der einem über die Schulter schaut und wirtschaftliche Entscheidungen mitträgt. Und ja, auch die Menge des verfügbaren Kapitals ist höher.

Wer aber irgendwann seine Praxis veräußern will, sollte investieren. Denn für Nachfolger sind nicht nur Praxislage und -umsatz entscheidend. Die Frage ist auch: "Wie viel muss ich zusätzlich zum Kaufpreis investieren, um künftig wirtschaftlich bestehen zu können?"

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