Ärzte Zeitung, 08.10.2012

Aus finanziellen Gründen

Immer mehr Deutsche verzichten auf Behandlungen

Aus finanziellen Gründen lehnen mehr und mehr Menschen Eingriffe beim Arzt ab. Mit dem System sind sie aber zufrieden.

KÖLN (iss). Die Zahl der Deutschen, die aus finanziellen Gründen auf medizinische Leistungen verzichten, hat sich innerhalb von einem Jahr verdoppelt.

Mit 30 Prozent liegt der Anteil der Betroffenen deutlich über dem europäischen Durchschnitt, nur in Polen ist er größer.

Das zeigt eine Erhebung des Dienstleistungsunternehmens Europ Assistance, das zur italienischen Versicherungsgruppe Generali gehört. Seit 2006 befragt das Unternehmen regelmäßig Erwachsene aus mehreren europäischen Ländern und den USA zu verschiedenen Aspekten des Gesundheitswesens.

Für die Erhebung von Mai und Juni 2012 wurden je 500 Personen aus neun EU-Ländern sowie 1000 Amerikaner befragt.

Zwischen 2011 und 2012 stieg danach der Anteil der Deutschen, die wegen Geldmangels auf medizinische oder zahnmedizinische Behandlungen, Arzneimittel oder Sehhilfen verzichtet hatten, von 15 Prozent auf 30 Prozent. Im EU-Durchschnitt waren es 22 Prozent, nach 17 Prozent.

Den niedrigsten Anteil verzeichneten Schweden mit vier Prozent (2011: fünf Prozent) und Spanien mit acht Prozent (fünf Prozent).

Gute Note für Gesundheitswesen

Auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (exzellent) gaben die Deutschen der Organisation ihres Gesundheitswesens die Note 5,5, die einem "gut" entspricht.

Nur das österreichische System schnitt mit 6,5 besser ab. Der EU-Durchschnitt betrug 4,7. Die schlechteste Note vergaben die Polen mit einer 2,6.

Die diagnostischen und therapeutischen Fähigkeiten der behandelnden Ärzte bewerteten die deutschen Befragungsteilnehmer mit einer 5,7, leicht über dem EU-Durchschnitt von 5,6.

Die höchsten Werte erzielten in den Augen ihrer Landsleute die Ärzte in den USA mit einer 7,1, gefolgt von den österreichischen mit 6,5 und den tschechischen mit 6,2.

Im EU-Durchschnitt vertrauten 57 Prozent den Kontrollmechanismen bei Medizinprodukten und 53 Prozent der Kontrolle bei Arzneimitteln. Mit 48 Prozent und 47 Prozent war das Vertrauen der Deutschen etwas geringer.

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