Ärzte Zeitung, 20.03.2013

Eine Kollegin plaudert

Die typischen Leiden der Doktoren

Etwa zehn Prozent der Patienten in der Hamburger Privatpraxis culminasceum sind Ärzte. Auch ihnen muss Dr. Beke Regenbogen verstärkt zu mehr körperlicher Fitness raten.

Von Dirk Schnack

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Die Arbeitsbelastung der Ärzte wird immer höher. So kommt es, dass sie kaum Zeit für ihre eigene Gesundheit aufbringen können.

© Robert Kneschke / Fotolia.com

HAMBURG. Ärzte vernachlässigen ihre Gesundheit nicht weniger stark als Menschen in anderen Berufen und sprechen auf professionelle Begleitung stark an.

Diese Erfahrung hat Internistin Dr. Beke Regenbogen gesammelt. Rund zehn Prozent der Patienten in ihrer Hamburger Privatpraxis culminasceum sind Ärzte.

"Ärzte haben immer gute Ratschläge für ihre Patienten, setzen sie selbst aber oft in ihrem Alltag nicht um", sagt Regenbogen. Zu ihr kommen Praxisinhaber und Klinikärzte oft im Alter zwischen Mitte 40 und 60 Jahren.

Für Diagnostik und Therapie muss Regenbogen bei ihnen keine Unterschiede machen zu ihren anderen Patienten, die häufig Unternehmer, leitende Angestellte oder Freiberufler sind.

Viele von ihnen stehen wie Ärzte unter großer beruflicher Anspannung und sind schon seit einigen Jahren sportlich nicht mehr aktiv.

Kaum Zeit für die eigene Gesundheit

"Die Arbeitsbelastung ist, neben den betriebswirtschaftlichen Herausforderungen, auch vonseiten der Medizin sehr hoch. Diese hohe Stressbelastung führt dazu, dass Ärzte wenig Zeit für sich selbst finden", beschreibt Regenbogen das Problem ihrer ärztlichen Patienten.

Zeit für die eigene Gesundheit opfern in dieser Situation nur wenige, Freizeit verbringen Ärzte eher mit Freunden und Familie. "Dies gilt besonders für die Ärzte. Ärztinnen liegen da eher etwas über dem Durchschnitt", sagt Regenbogen.

Sie rät Ärzten, die unter starkem beruflichen Druck stehen, zu einem sanften Wiedereinstieg in die Bewegung. Zunächst sollte jeder Arzt seinen persönlichen Fitnesszustand kennen, dies ist für Neu- und Wiedereinsteiger besonders wichtig", betont die Internistin.

Zum Einstieg reichten zehn Minuten, die aber täglich absolviert werden sollten. Als Ergänzungen schlägt sie vor, Gewohnheiten zu durchbrechen. Häufiger Treppen steigen, statt den Fahrstuhl zu nehmen oder das Auto öfter mal gegen das Fahrrad eintauschen - solche allgemeingültigen Ratschläge brauchen nach ihren Erfahrungen auch Ärzte.

Wichtig sei aber, die Ratschläge auf den individuellen beruflichen Alltag abzustimmen. "Ich kann einem Chirurgen, der den ganzen Tag im OP steht, nicht raten, sich mittags einen Salat zu machen",so Regenbogen.

Fehlende Selbstorganisation

Bei vielen ihrer ärztlichen Patienten beobachtet Regenbogen, dass sie aus Anlässen wie akuter Infekt zu ihr kommen, im Hintergrund aber der Wunsch eine Rolle spielt, am Bewegungs- und Ernährungsverhalten grundsätzlich etwas zu ändern.

Hierzu gehört auch die Burnout-Prophylaxe. Oft stelle sich erst im Gespräch heraus, dass der aktuelle Anlass bei Ärzten nur die Spitze des Eisbergs war.

Dann wird häufig deutlich, dass viel Unzufriedenheit aus der fehlenden Selbstorganisation resultiert, die wiederum zu Zeitknappheit und am Ende zu falscher Ernährung und Bewegungsmangel führt.

Noch stärker als Praxisinhaber sind nach Regenbogens Erfahrungen Klinikärzte betroffen: "Hier ist das Gefühl der Fremdbestimmung noch stärker ausgeprägt." Den meisten Patienten gelinge es, sich dauerhaft umzustellen.

Wer es als Arzt geschafft hat, die körperliche Fitness zu verbessern, dem reiche die eigene Motivation, um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Personal Trainer als Unterstützung seien vielen Ärzten willkommen.

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