Ärzte Zeitung online, 22.10.2013

Psychotherapeuten

Düstere Blicke in die Zukunft

Niedergelassene Psychotherapeuten sind sehr zufrieden - und sorgen sich dennoch um ihre Altersvorsorge. Auch das Einkommen ist zu niedrig und die Bürokratie eine zu hohe Belastung.

Von Sunna Gieseke

Hohe Zufriedenheit mit dem Beruf, düsterer Blick in die Zukunft

Traurig: Die Psychotherapeuten sorgen sich um ihre Zukunft.

© Stephan Drescher / iStockphoto

BERLIN. Zufrieden im Beruf, aber Sorge um die Zukunft: Mehr als 80 Prozent der niedergelassenen Psychotherapeuten gehen davon aus, dass sie länger als bis zum 66. Lebensjahr abreiten müssen, um ihre Altersvorsorge zu sichern, 30 Prozent sogar über 70 Jahre hinaus.

Das hat eine Umfrage der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) unter 2972 niedergelassenen und angestellten Psychotherapeuten ergeben, die von Februar bis April 2013 bundesweit durchgeführt wurde.

Demnach gehen lediglich fünf Prozent der Umfragenteilnehmer davon aus, dass sie im Alter sehr gut zurechtkommen und Rücklagen bilden können, 24 Prozent kommen "gut zurecht - für Rücklagen reicht es so gerade".

Die Hälfte aller Niedergelassenen (51 Prozent) kommt nur "mittelmäßig zurecht - es reicht so gerade". Fünf Prozent der teilnehmenden Psychotherapeuten gaben an, sie kämen "schlecht zurecht" und hätten Schulden.

Hohe Unzufriedenheit mit dem Einkommen

Auch mit dem derzeitigen Einkommen sind viele niedergelassenen Psychotherapeuten unzufrieden. Mit ihrem Einkommen aus der Praxis sind nur vier Prozent der Niedergelassenen sehr zufrieden. 26 Prozent äußerten sich "eher zufrieden".

42 Prozent sind mit dem Einkommen unzufrieden (29 Prozent eher unzufrieden, 13 Prozent sehr unzufrieden). Der Umfrage zufolge sehen sich 86 Prozent der niedergelassenen Psychotherapeuten gegenüber den niedergelassenen Ärzten der somatischen Medizin mit ihrem Praxiseinkommen benachteiligt.

"Dies ist im wahrsten Sinne ein Armutszeugnis für die Selbstverwaltung aus Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenkassen, die für eine gerechte Honorarverteilung zuständig ist", sagte Dieter Best, Bundesvorsitzender der DPtV. Die Rahmenbedingungen seien für Psychotherapeuten nach wie vor schwierig.

Die große Mehrheit der niedergelassenen Umfrageteilnehmer zeigte sich jedoch insgesamt zufrieden mit ihrer psychotherapeutischen Tätigkeit. 32 Prozent äußerten sich insgesamt "sehr zufrieden", 52 Prozent "eher zufrieden". Lediglich drei Prozent gaben an, sie seien "unzufrieden" mit der Praxistätigkeit.

Zu viel Bürokratie

Eine deutliche Unzufriedenheit besteht offenbar bei dem Verhältnis von Verwaltungsarbeit (Dokumentation, Leistungsabrechnung, Anträge) und psychotherapeutischer Tätigkeit: Mehr als 60 Prozent der Niedergelassenen empfinden dies als Belastung.

Selbstständig tätig zu sein, ist für 89 Prozent der Befragten von großer Bedeutung, zwei Prozent gaben an, dieser Punkt sei unwichtig.

Fast 60 Prozent empfinden die vielen Anfragen nach einem Therapieplatz, die nicht befriedigt werden können, als belastend. Zum Hintergrund: In den meisten Fällen beantworten niedergelassene Psychotherapeuten solche Anfragen selbst, da sie kein entsprechendes Personal beschäftigen.

Die Befragung wurde online unter den Mitgliedern der DPtV durchgeführt. Die Rücklaufquote betrug 41 Prozent. "Die Ergebnisse sind für uns in der Tendenz nicht überraschend", so Best.

Einer sehr hohen Berufszufriedenheit stehe eine sehr große Unzufriedenheit mit Rahmenbedingungen gegenüber, unter denen psychotherapeutisch gearbeitet werde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Diabetes-Risiken sind alarmierend häufig

Mehr als 21.000 Passanten in Einkaufszentren haben in den vergangenen zehn Jahren bei der Aktion "Gesünder unter 7" ihr Diabetes-Risiko abklären lassen. Die Ergebnisse sind dramatisch. mehr »

"Man schafft viel"

Anja Junker ist "Ärztin ohne Grenzen": Vier Einsätze in Afrika und Südamerika hat die 43-Jährige für die Organisation absolviert. Manche brachten sie an die Grenze der Erschöpfung. mehr »

Lösung für Hygienemuffel

Ärzte in Kliniken sind anscheinend oft größere Hygienemuffel als ihre Patienten. Denn sie desinfizieren sich seltener die Hände – gerade in sensiblen Bereichen. mehr »