Ärzte Zeitung, 27.05.2014

Ärztin vs. Arzt

Das Geschlecht bestimmt die Fallzahlen

Die Qualität ist gleich, nur die Modalitäten sind anders - das zeigt sich beim Blick auf den Versorgungsumfang von Hausärztinnen im Vergleich zu ihren männlichen Pendants.

Von Angela Mißlbeck

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Jüngere Hausärztinnen arbeiten oft in Teilzeit.

© Alexander Raths/fotolia.com

BERLIN. Hausärztinnen versorgen zwar nicht anders, aber weniger als Hausärzte. So fasst der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, Ekkehard Becker, seine Auswertung des Honorarberichts 2012 der KVSH zusammen.

"Sie machen genau das gleiche, aber insgesamt weniger", so Beckers Antwort auf die Frage, ob mehr Frauen im Arztberuf zu einem veränderten Tätigkeitsspektrum führen. Er bezieht sich dabei auf Verordnungs- und Abrechnungsdaten der KVSH aus dem Jahr 2012.

Seit die KVSH 2006 ihren ersten Versorgungsbericht vorgelegt hat, ist Becker zufolge der Anteil der Ärztinnen deutlich gestiegen. Damals habe er bei rund 20 Prozent im haus- und fachärztlichen Versorgungsbereich gelegen und bei rund 70 Prozent unter Psychotherapeuten.

2012 waren bereits 37 Prozent der Hausärzte in Schleswig-Holstein weiblich. In der Altersgruppe bis 49 Jahre wirkten beinahe gleich viele Ärztinnen und Ärzte an der hausärztlichen Versorgung mit (364 Frauen, 381 Männer). Jedoch sind Hausärztinnen in dieser Altersgruppe sehr viel häufiger in Teilzeit tätig als Hausärzte.

Das Verhältnis gibt Becker mit 54 Ärztinnen zu 18 Ärzten in Teilzeittätigkeit an. Mit fortschreitendem Alter der Hausärzte kehre es sich um. Dann seien die Männer häufiger die Teilzeit-Ärzte. Becker erklärt das mit dem "Effekt, zum Ausklang des Berufslebens etwas abzugeben."

Honorarlücke wird im Alter kleiner

Die Teilzeittätigkeit habe Auswirkungen auf das Honorar. So erwirtschafteten Männer in der hausärztlichen Versorgung ein höheres Honorar als ihre Kolleginnen.

"Das liegt nicht daran, dass Frauen eine ganz andere Medizin machen, sondern es sind letztendlich die Fallzahlen. Wer Teilzeit tätig ist, kann eben nicht so viele Patienten versorgen", sagte der KV-Geschäftsführer bei einem Kongress des Bundesverbands der Medizinischen Versorgungszentren (BMVZ).

Hausärztinnen behandeln nach Beckers Angaben im Schnitt ein Viertel weniger Fälle als ihre männlichen Kollegen "Das zieht sich durch alle Altersgruppen", so Becker weiter.

Warum das auch in den höheren Altersgruppen so ist, wenn Männer häufiger als Frauen Teilzeit arbeiten, lasse sich nur mutmaßen. Becker hält es für möglich, dass Ärztinnen dann zwar eine volle Zulassung haben, sie aber nicht bis zum Anschlag ausfüllen.

Seine Statistik zeigt, dass sich die Honorarunterschiede zwischen Frauen und Männern in der hausärztlichen Versorgung ab dem 50. Lebensjahr etwas abschwächen.

Während jüngere Hausärztinnen im Durchschnitt über 50.000 Euro weniger Jahreshonorar erzielten als ihre männlichen Kollegen, fällt die Einkommensdifferenz mit höherem Alter etwas geringer aus.

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