Ärzte Zeitung, 11.05.2015

Familienbetrieb Hausarztpraxis

Söhne treten in Mamas Fußstapfen

Die eigenen Kinder für den Beruf als Arzt zu begeistern, das ist der Hausärztin Dr. Gitta Kudela gelungen. Sie will die Praxis an ihre Söhne abgeben. Doch die sehen sich in Sachsen-Anhalt vor großen Hürden in der Versorgung.

Von Petra Zieler

Söhne treten in Mamas Fußstapfen

Seit fünf Jahren ein Ärzteteam: Gitta Kudela und ihr ältester Sohn Torsten, der oft die anstehenden Heimbesuche übernimmt.

© Petra Zieler

MAGDEBURG. Wenn sich Dr. Gitta Kudela Ende des Jahres aus dem aktiven Berufsleben verabschiedet, hinterlässt sie keine Lücke. Die Berufeausübungsgemeinschaft der Kudelas hat Bestand.

Schon seit Jahren hatte die Magdeburger Allgemeinmedizinerin Sohn Torsten an ihrer Seite, im Herbst wird auch Holger Kudela mit in die Praxis einsteigen.

Beide Brüder sind Fachärzte für Innere Medizin, haben sich - wie die Mutter - auf den Schwerpunkt Rheumatologie spezialisiert und sind zudem Allgemeinmediziner.

Das heißt, Holger noch nicht ganz. Er bereitet sich derzeit auf seine Facharztprüfung vor, auch seine Promotion steht in diesem Jahr an.

Die heute 68-jährige Hausärztin hat ihre beiden Söhne nicht nur für die Medizin, sondern genau für das eigene Fachgebiet und auch die Spezialisierungsrichtung begeistert. "Ich habe zu Hause nicht nur über die viele Arbeit gejammert", sagt sie.

"Ich denke, meine Familie hat mir die Freude am Beruf angemerkt." Nach 44 Arbeitsjahren fasziniere sie der Beruf noch immer und selbst auf die Gefahr hin, abgedroschene Phrasen zu bedienen, sagt sie: "Ich bin Medizinerin, weil ich anderen helfen wollte."

Möglich, dass der Tod des Vaters, der an Tetanus starb, als das Mädchen sieben Jahre alt war, ein Auslöser dafür war.

Nerviges Drumherum

Und so habe sie denn auch nie der Beruf, wohl aber öfter das Drumherum genervt - Reglementierung damals, Bürokratie heute. Aber damals wie heute hat sich Gitta Kudela nie beirren lassen.

"Wir haben auch in der DDR meist einen Weg gefunden, unsere Patienten so gut zu behandeln wie es zum damaligen Zeitpunkt - in Ost und West - möglich war."

Mit ihrem Schritt von der Poliklinik zur Niederlassung ging die Hausärztin nach der Wende auch den Weg in die Berufspolitik: Kassenärztliche Vereinigung (KVSA), Landes- und Bundesärztekammer, Hausärzteverband.

In allen Gremien hat sie sich stets und vorwiegend um den Nachwuchs gekümmert, für eine vernünftige Weiterbildung in der Allgemeinmedizin gekämpft und letztlich mit durchgesetzt.

Die KOSTA (Koordinierungsstelle für die Weiterbildung von Fachärzten in der Allgemeinmedizin) war ein Resultat auf Landesebene.

Seit etwa drei Jahren steigt die Zahl der Weiterbildungsassistenten für Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt und 98 Prozent von denen, die eine Prüfung ablegen, bleiben auch im Land. Leider noch nicht genug.

"Statt 30 bräuchten wir etwa 60 pro Jahr, um bereits entstandene und kommende Lücken zu füllen."

Mutter und Sohn als Team

Als es in den 1990er Jahren für Ärzte schwierig war, eine Anstellung zu finden, ermunterte Gitta Kudela Sohn Torsten zum Medizinstudium. "Ich kannte den Altersdurchschnitt der praktizierenden Ärzte und kann rechnen. Man musste kein Prophet sein, um den derzeitigen Mangel vorauszusehen."

Nach dem Studium startete Torsten mit der Chirurgie zunächst die stationäre Laufbahn, wechselte dann zur Inneren Medizin, später zur Allgemeinmedizin.

Seit fünf Jahren arbeiten Mutter und Sohn in einer Praxis, ergänzen sich durch Erfahrung und Innovation bestens. Und die Patienten akzeptieren beide.

Entscheidend für den Junior war, dass es in der Niederlassung "keine Hierarchien gibt und ich selbstständig arbeiten kann."

Dass er, wie die Mutter, nie nein sagen kann, zeigt sich unter anderem in den vielen Heimpatienten, die er zusätzlich zu den rund 1500 Patienten im Quartal (70 Prozent davon sind Rentner) betreut.

"Wir haben uns das aufgeteilt, meine Mutter geht zu den Patienten nach Hause, ich in die Heime."

VerAH als Stütze

Der Betreuungsaufwand sei sehr hoch, aber aufgrund der Budgetierung werden rund 30 Prozent der Hausbesuche nicht bezahlt. Wichtige Stütze ist den Kudelas deshalb ihre VerAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis).

Gitta Kudela: "Sachsen-Anhalt war deutschlandweit nicht nur das erste Bundesland mit einem funktionierenden Hausarztprogramm, wir gehörten auch mit zu den ersten, die VerAH-Schulungen angestoßen haben."

Derzeit lassen sich bei der KVSA 75 Medizinische Fachangestellte zur VerAH qualifizieren. Weitere Kurse sollen aufgelegt werden.

"Die Versorgungsassistentin unter den Fittichen des Hausarztes hilft, die angespannte Versorgungssituation zu beherrschen", sind sich die Kudelas einig.

Wenn Holger Kudela im September seinen Facharzt für Allgemeinmedizin in der Tasche hat, wird auch er in die Praxis in der Kleinen Schulstraße einsteigen. "Ein paar Monate laufe ich noch mit, aber Ende des Jahres ist endgültig Schluss", sagt Gitta Kudela.

"Ich habe auch mit 70 noch viele Ansprüche ans Leben" - Reisen "in aller Herren Länder" und ihr großer Freundeskreis stehen dafür, dass es nie langweilig werden wird.

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