Ärzte Zeitung, 09.12.2015

Zahnärzte

Privateinnahmen werden immer essenzieller

Die Umsatzsituation von Zahnärzten ist in West und Ost weiter gespalten. Das geht aus dem Statistischen Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer hervor.

Von Matthias Wallenfels

Privateinnahmen werden immer essenzieller

Um kostendeckend zu arbeiten, benötigen Betreiber einer zahnärztlichen Modellpraxis derzeit einen Jahresumsatz von 392.311 Euro, zeigt eine Erhebung.

© Yantra / Fotolia.com

BERLIN. Für die niedergelassenen Zahnärzte in Deutschland werden die Einnahmen von Privatpatienten oder aus sogenannten privaten Zusatzleistungen immer wichtiger.

Waren im Jahr 2000 noch 60,8 Prozent der Gesamteinnahmen über die jeweilige Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) generiert worden, so belief sich der Anteil im Jahr 2012 auf gerade noch 48,4 Prozent.

Das geht aus dem vor Kurzem veröffentlichten Statistischen Jahrbuch 2014/2015 der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hervor.

Wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) betont, gibt es bei Zahnärzten so gut wie keine Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), da in den meisten Fällen eine Behandlungsnotwendigkeit vorliege und die Krankenkasse sich an den Kosten beteilige.

Während sich die Einnahmen über die KZV in beiden Landesteilen mit 206.735 Euro (West) und 193 837 Euro (Ost) nicht erheblich unterschieden, erzielten die in Westdeutschland niedergelassenen Zahnärzte laut BZÄK mit durchschnittlich 237.827 Euro im Jahr 2012 nahezu doppelt so hohe Einnahmen außerhalb des KZV-Bereichs als ihre im Osten niedergelassenen Kollegen mit 122.038 Euro je Praxisinhaber.

Wachsende Einnahmen-Überschüsse

Ein Blick auf die Kostenstrukturerhebung zeige, dass der Aufwärtstrend bei den Einnahmen-Überschüssen in deutschen Zahnarztpraxen auch 2012 fortgesetzt habe.

Der durchschnittliche Einnahmen-Überschuss habe demnach 138.601 Euro betragen und habe damit 6,3 Prozent über dem Vorjahreswert und 43,4 Prozent über dem Wert von 96.622 Euro des Jahres 2000 gelegen.

Aufgrund des allgemeinen Preisanstiegs - gemessen am Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes - sei der reale Einkommenszuwachs mit 18,1 Prozent gegenüber 2000 jedoch deutlich geringer ausgefallen, wie die BZÄK betont.

Personal größter Ausgabeposten

Mit Blick auf die Betriebsausgaben von Zahnarztpraxen in Deutschland ergibt sich, dass für das Jahr 2012 die Personalkosten mit 35 Prozent den größten Ausgabenbereich darstellten.

Der bundesweit für Arbeiten von Fremdlaboratorien anfallende Kostenblock belief sich auf 27,3 Prozent der Gesamtausgaben. Auf eigene Praxis- und Labormaterialien entfielen laut BZÄK rund zehn Prozent der Gesamtkosten.

Mit Verweis auf das Statistische Bundesamt beziffert die BZÄK die Zahl der niedergelassenen Zahnärzte unabhängig von ihrem Beschäftigungsverhältnis für das Jahr 2013 auf insgesamt 53.459.

Darüber hinaus seien weitere 317.000 Menschen in den Zahnarztpraxen beschäftigt gewesen. Gegenüber dem Jahr 2000 bedeute dies einen Anstieg um 14,6 Prozent.

Einen Rückgang um 0,2 Stunden auf 47,1 Stunden verzeichnet die BZÄK für das Jahr 2012 bei der Wochenarbeitszeit des ersten Inhabers von Zahnarztpraxen. Davon seien 34,6 Stunden auf behandelnde, 8,0 auf Verwaltungs- und 4,5 auf sonstige Arbeiten entfallen.

Im Vergleich zum Jahr 2000 sei die Zeit für die Praxisverwaltung um 0,6 Stunden gestiegen, die für die Behandlung dagegen um 1,2 Stunden gesunken.

Neupraxen benötigen mehr Umsatz

Basierend auf den Werten für den Zeitraum 2013 bis 2015 und unter Berücksichtigung des kalkulatorischen Unternehmerlohns benötigen Betreiber einer zahnärztlichen Modellpraxis derzeit einen Jahresumsatz von 392.311 Euro, um kostendeckend zu arbeiten - gegenüber dem Wert auf Basis der Jahre 2012 bis 2014 bedeutet dies einen Anstieg um 2,1 Prozent.

Dabei handelt es sich laut BZÄK um eine neugegründete , fremdfinanzierte Praxis mit zwei Behandlungszimmern bzw. -stühlen, ohne Praxislabor und ohne angestellten Zahnarzt.

Bei den Existenzgründungen seien - bezogen auf das Jahr 2014 - 60 Prozent auf die Übernahme einer etablierten Zahnarztpraxis entfallen. Das entspreche gegenüber dem Vorjahreswert einem Rückgang um acht Prozentpunkte.

Elf Prozent seien auf Einzelpraxisgründungen entfallen. Der Anteil der Berufsausübungsgemeinschaften (Neugründung, Beitritt oder Übernahme) habe 2014 bei 29 Prozent gelegen - im Vergleich zu 2013 eine Steigerung um fünf Prozentpunkte.

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