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Ärzte-Videochat

Kassenangebot treibt Pädiater auf Barrikaden

In einem offenen Brief kritisiert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte den neuen Videochat für Versicherte der DAK-Gesundheit.

Veröffentlicht:

BERLIN/KÖLN. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) übt massive Kritik an der virtuellen Sprechstunde, die die DAK-Gesundheit ihren Versicherten über alle Facharztgruppen und Diagnosegebiete hinweg kostenlos anbietet. Der Service ist für die DAK-Mitglieder über die Website der Kasse erreichbar.

"Unser Ärzte-Videochat bietet eine sehr persönliche Beratung ohne langes Warten auf einen Termin", dieses Zitat von DAK-Vorstandschef Herbert Rebscher nimmt BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach zum Anlass, seine Sicht der Dinge darzustellen. Eltern brächten ihre Kinder häufig mit sehr komplexen Fragen in die Kinder- und Jugendarztpraxen, so der Pädiater.

"Viele dieser Fragen gehen weit über die Medizin hinaus und berühren ganz allgemein das Handling von Kindern. Als Vertrauensperson können wir Kinder- und Jugendärzte Eltern hier häufig raten und sie in ihrer Elternkompetenz nachhaltig stärken. Mit Billigmedizin per Videochat geht das mit Sicherheit nicht", empört sich Fischbach im offenen Brief an Rebscher.

In seiner Kritik berücksichtigt Fischbach allerdings nicht, dass die Kasse bei der Vorstellung des Konzepts der Videosprechstunde klargestellt hatte, dass der Videochat nicht den Arzt vor Ort ersetze. Die Ärzte im Videochat würden weder eine Behandlung anbieten noch Diagnosen stellen, hieß es. Es gehe lediglich um eine Beratung oder das Einholen einer Zweitmeinung.

Des Weiteren stößt beim BVKJ auf Unverständnis, dass die Kasse darauf hinweise, die elektronische Beratung verhindere auch die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer. Vor allem für Eltern kleiner Kinder sei dies eine große Entlastung. "Ja, wirklich eine feine Idee. Was kommt als Nächstes? Wollen Sie Eltern jetzt auch davon abraten, ihre Kinder in die Kita oder auf den Spielplatz zu lassen?", so die provokante Frage Fischbachs.

Statt einen Videochat anzubieten, hätten sich die Kinder- und Jugendärzte von der DAK "qualifizierteren Rat" erhofft. So hätte die Kasse zum Beispiel Eltern raten können, ihre Kinder impfen zu lassen, um so die Prävention zu fördern. Zuletzt weist Fischbach darauf hin, dass Kinder- und Jugendärzte in der Regel kein Wartezeitenproblem hätten. (maw)

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Kommentare
Matthias Männel 05.04.201616:19 Uhr

Honorar ?

Wäre noch interessant, wie der Kollege in der virtuellen Sprechstunde honoriert wird von der DAK.
Sehr wahrscheinlich besser als der Kollege, der eine reale Sprechstunde abhält......................
m.m.

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