Ärzte Zeitung, 09.05.2014

Schleswig-Holstein

Kliniken warnen vor Qualitätseinbußen

Die Krankenhausgesellschaft in Schleswig-Holstein schlägt Alarm: Eine steigende Arbeitsverdichtung werde irgendwann zu verminderter Qualität führen.

KIEL. Weitere Arbeitsverdichtungen in den Krankenhäusern werden nach Auffassung der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) zu Qualitätseinbußen führen. Auf einem Parlamentarischen Abend forderte der Verband vor Kurzem deshalb eine Finanzierung der Personalkostensteigerungen.

Um ihren Anspruch zu unterstreichen, verwies die KGSH-Vorsitzende Petra Thobaben auf die hohe Wirtschaftsleistung der Krankenhäuser im Norden.

Diese hätten sich als "Stabilitätsanker für den Arbeitsmarkt" erwiesen und beschäftigen rund 36.000 Mitarbeiter. Dies entspricht vier Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land.

Nach Beobachtung Thobabens entscheidet sich die Mehrzahl der Klinikmitarbeiter nicht aus finanziellen Gründen für den Beruf im Krankenhaus. Sie bescheinigte ihnen, darin eher eine Berufung, als einen Job zu sehen.

Dennoch sei klar, dass Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten müssten. Dies könne aber nur gelingen, wenn für die Personalkosten eine dauerhafte Lösung gefunden werde, betonte Thobaben.

Außerdem sieht sie eine "unhaltbare Situation" bei der Finanzierung der Investitionskosten. Mit Blick auf die schwierige Finanzlage nicht nur in Schleswig-Holstein sagte Thobaben: "Wenn die Länder hierzu nicht in der Lage sein sollten, muss es zu einer gemeinsamen Lösung mit dem Bund kommen."

Im Kieler Wirtschaftsministerium, das sich im Norden um die Gesundheitswirtschaft kümmert, betont man statt der Verpflichtungen lieber die noch ungenutzten Potenziale der Kliniken.

Staatssekretär Frank Nägele riet auf der Veranstaltung insbesondere den vielen Rehakliniken im Land dazu, Gesundheit und Tourismus besser zu verzahnen und für Urlaubsgäste leichter auffindbar zu sein. Als Zielgruppe sieht er vorwiegend Menschen, die Entspannung und "Entschleunigung" suchen.

Bei den Klinikvertretern stieß dieser Ratschlag auf wenig Begeisterung, weil sie ihr Problem damit nicht gelöst sehen. Dr. Christian Peters aus Flensburg beispielsweise sagte mit Blick auf die angespannte Personalsituation: "Wie sollen unsere Beschäftigten denn andere Leute entschleunigen, wenn sie selbst so hochtourig fahren?" (di)

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