Ärzte Zeitung, 05.09.2014

Qualitätsvergleiche bei Kliniken

Transparenz und Dokumentation spornt Ärzte an

Qualitätsoffensive bei Kliniken: Einige Krankenhäuser setzen auf spezielle Indikatoren, um ihre Qualität zu dokumentieren. Das soll nicht zuletzt auch der Orientierung ihrer Einweiser dienen.

Von Dirk Schnack

Transparenz und Dokumentation spornt Ärzte an

Op-Qualität in Kliniken unter der Lupe: Die Arbeit von Klinikärzten wird unter immer mehr Kriterien bewertet und in Indikatoren abgebildet.

© VRD/fotolia.com

HAMBURG. Bundesweit verbindliche Qualitätsstandards, Konsequenzen für schlechte Qualität und Mindestmengen nicht nur für Einrichtungen, sondern auch für die einzelnen Operateure. Die Liste, die Hamburgs Barmer-Chef Frank Liedtke bei einem Pressegespräch zum Thema Qualität im Krankenhaus präsentierte, ließe sich fortsetzen.

 Sie macht deutlich, dass deutsche Krankenhäuser derzeit unter stärkster Beobachtung stehen. Nicht nur Krankenkassen, auch die Politik und die Patienten selbst suchen und fordern Qualitätsvergleiche. "Patienten haben ein Bedürfnis nach umfassender Information", sagte Liedtke in Hamburg.

Dabei reichen vielen die vom Gesetzgeber geforderten Daten, die von allen Krankenhäusern offengelegt werden müssen, schon längst nicht mehr aus.

Doch wer mehr präsentieren und sich damit für Patienten, einweisende Ärzte und die Konkurrenz transparent machen will, muss zunächst Daten sammeln und analysieren. Und das ist komplexer, als es die Öffentlichkeit annimmt.

Schon seit Jahrzehnten beschäftigt sich Professor Hartwig Huland mit Qualitätsvergleichen. Für das UKE und die auf Prostata-Eingriffe spezialisierte Martini-Klinik sammelt er bereits seit 1992 Daten über die vorgenommenen Eingriffe.

Mittlerweile sind in der Datenbank jährliche Verlaufsinformationen von über 20.000 Patienten enthalten. Huland nutzt die stetig wachsende Sammlung nicht nur für wissenschaftliche Zwecke, sondern auch zur Qualitätsbewertung der Operateure. Er ist überzeugt: "Dadurch konnten wir die Ergebnisse aller Operateure immer weiter verbessern."

Neben der Dokumentation halten Klinikärzte Transparenz für einen weiteren entscheidenden Erfolgsfaktor, um die Qualität zu verbessern.

Denn nach Beobachtung von Dr. Ulrich Knopp, Geschäftsführer der Schön-Klinik in Hamburg Eilbek, erhöht dies die Motivation für jeden Arzt, bessere Ergebnisse zu erzielen.

Patientennutzen rückt in den Fokus

Knopp will medizinische Qualität aber nicht allein an Fallzahlen und Komplikationsraten festmachen. "Fluggäste bewerten eine Fluglinie ja auch nicht nur danach, ob sie den Flug überlebt haben", sagte Knopp. Stattdessen gehört nach seiner Auffassung der Patientennutzen in den Mittelpunkt.

Der private Klinikbetreiber Schön hat deshalb vor 30 Jahren begonnen, für alle relevanten Behandlungen aussagekräftige, krankheitsspezifische und wissenschaftlich relevante Qualitätsindikatoren zu definieren. "Dabei messen wir gezielt die Behandlungsergebnisse, die für den Patienten wichtig sind, weil sie seine Lebensqualität langfristig beeinflussen", so Knopp.

Orthopädie-Chefarzt Professor Frank Lampe aus dem gleichen Haus spricht in diesem Zusammenhang von "nachhaltigem Erfolg".

Mit den Ergebnissen können sich die Häuser der Klinikgruppe untereinander vergleichen. Was Lampe aber fehlt, sind sektorübergreifende Vergleiche mit dem ambulanten Bereich.

Die Frage, ob die Schön-Gruppe auch einen Vergleich mit anderen Trägern beziehungsweise direkten Konkurrenten für sinnvoll hält, stellt sich nach Beobachtung Knopps gar nicht, weil viele Kliniken derzeit kaum vergleichbare Daten über die gesetzlich geforderten hinaus erheben.

Dies bestätigte auch Huland: "Die Kriterien müssen vergleichbar sein. Und das ist ein viel komplexeres Problem, als die Öffentlichkeit glaubt. Wir stehen da noch ganz am Anfang", sagte Huland.

Zu den ungelösten Problemen zählt auch die Finanzierung. Die am UKE angesiedelte Klinik bekommt die Bemühungen um die Qualitätsmessung derzeit nicht direkt vergütet, obwohl vier Mitarbeiter mit dem komplexen Thema beschäftigt sind.

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