Ärzte Zeitung, 18.09.2009

Op gegen Spenden? Prozess gegen Broelsch beginnt

KÖLN (iss). Am Montag beginnt vor dem Landgericht Essen (LG) der Prozess gegen den Transplantationsmediziner Professor Christoph Broelsch. Dem Chirurgen werden Bestechlichkeit, Betrug im besonders schweren Fall und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Der auch als "Leibarzt" des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau bekannte Broelsch war 2007 in die Schlagzeilen geraten. Der Direktor der Klinik für Allgemein- und Transplantationschirurgie am Essener Universitätsklinikum soll über mehrere Jahre Patienten bevorzugt behandelt haben, die zu einer Geldspende für die Klinik bereit waren. Es heißt, der Chefarzt habe Kassenpatienten unter anderem angeboten, sie bei einer Zahlung selbst zu operieren. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen sind auf diesem Weg Gelder in Höhe von 219 000 Euro geflossen. Die Spanne der Spenden reichte von 1000 bis 22 000 Euro.

Die Ermittler werfen Broelsch auch räuberische Erpressung vor, weil er auch bei lebensgefährlich erkrankten Patienten die Spende zur Voraussetzung für eine zügige Behandlung gemacht haben soll. Diesen Sachverhalt ordnet das LG aber als Nötigung ein. Für die Hauptverhandlung sind 22 Verhandlungstage angesetzt. An der Uniklinik Essen ist Broelsch seit Oktober 2007 suspendiert. Ende dieses Monats geht der Arzt, der gerade 65 Jahre alt geworden ist, in den Ruhestand.

Lesen Sie dazu auch:
Verlangte Transplantationsmediziner "Spende" von todkranken Patienten?
Weitere Berichte über das Verfahren gegen den Transplantationsmediziner

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »