Ärzte Zeitung, 28.04.2010

Gesucht ist ein Anwalt mit Managerqualitäten

Folge 3

Gesucht ist ein Anwalt mit Managerqualitäten

Ein Scheidungsanwalt sollte nicht nur die Rechtslage richtig einschätzen können, sondern auch die wirtschaftliche Situation des Mandanten. Informieren Sie sich daher genau über einen Anwalt, bevor Sie sich für ihn entscheiden.

Von Rudolf Haibach

Die meisten Scheidungspaare befinden sich nach der Trennung in einer sehr schwierigen Lebenssituation: Jeder Versuch, miteinander zu reden, artet in Streit aus, beide fühlen sich gestresst, überfordert und verletzt. Deshalb ist es wichtig, den richtigen Anwalt zu finden.

Wer noch nie in dieser misslichen Situation war, kennt keine Scheidungsanwälte. Zwar geben Freunde und Verwandte Ratschläge und nennen Namen - aber jeder andere.

Der Anwalt benötigt einerseits Fachkompetenz, aber ebenso Erfahrung, Führungsqualität und Fingerspitzengefühl, mithin letztlich Managerqualitäten. Er sollte nämlich nicht nur in der Lage sein, die Rechtslage zu beurteilen, sondern auch die zukünftige Wirtschaftslage des Mandanten verantwortlich einschätzen und organisieren können. In familienrechtlichen Verfahren dürfte es grundsätzlich - von Ausnahmen abgesehen - sinnvoll sein, einen Fachanwalt für Familienrecht zu beauftragen. Dies allein ist jedoch noch keine Gewähr für eine erfolgreiche Suche. Anwälte, die eine Fachanwaltsprüfung bestanden haben, bieten noch keine ausreichende Gewähr für Erfahrung, Wissen und Fingerspitzengefühl.

Der Mandant sollte sich also ein Bild über den Anwalt machen, den er beauftragen möchte. Zuerst sollte er sich auf den Internetseiten der Kanzlei informieren. Diese spiegeln erfahrungsgemäß Denken und Handeln wider, sie verraten meist mehr über den Anwalt, als diesem bewusst ist. Denn Professionalität einer Website zeigt oft Professionalität im beruflichen Denken und Handeln.

Glaubt man, den richtigen Anwalt gewählt zu haben, sollte man seine Kanzlei besuchen. Auch wenn es simpel klingen mag - aber der erste Eindruck vermittelt meist ein gutes Gefühl dafür, welche Leistungen man erwarten kann: Wie werden Besucher begrüßt? Wer beantwortet die Telefonate? Wirkt die Kanzlei aufgeräumt oder chaotisch?

Beim ersten Besuch sollte man nur um ein Beratungsgespräch bitten. Lassen Sie sich nicht drängen und erteilen Sie noch keinen verbindlichen Auftrag. Sie müssen das ganze Gespräch zu Hause auf sich wirken lassen. Sie müssen darüber nachdenken, ob der Anwalt im Gespräch die klare Struktur eines Mandates in der Sache und in der Verfahrensweise erarbeitet hat. Ansonsten endet das Ganze in einem sich selbst überlassenen Chaos.

In diesem ersten Gespräch soll der Anwalt auch von sich aus mündlich und schriftlich auf die Vergütungsmethoden (gesetzliche Vergütung / Stundenvergütung / pauschale Vergütung) hinweisen, um eine relativ verlässlich grobe Orientierung zu schaffen. Lassen Sie sich dabei nicht von Dumping-Angeboten blenden - ein qualifizierter Anwalt kennt seinen Wert, weil er schon Tausende von Verfahren für seine Mandanten bestanden hat.

Fragen Sie den Anwalt auch nach einem Zeitplan für die Abwicklung Ihrer Scheidung. Der erfahrene Anwalt kann dies ganz gut anhand vieler Kriterien abschätzen. Und vergessen Sie nicht, ihn zu fragen, wie viele Verfahren er außergerichtlich geschlossen hat. Daran erkennen Sie, ob Ihr Anwalt Sie in einen nervenaufreibenden Scheidungskrieg treiben will oder sich um das Kosten senkende Verhandeln mit der Gegenpartei bemüht. Ein Anwalt, der seinen Mandanten Zeit, Geld und Nerven sparen will und möglichst schnell die Scheidung durchzieht, sollte 80 Prozent aller Verfahren außergerichtlich abgeschlossen haben.

Man muss wissen, was man will. Verfahren, die vor Gericht entschieden werden, sind nicht nur wesentlich teurer und riskanter, sondern auch aufreibender als außergerichtlich durchgezogene Verfahren. Wenn sich aber ein Prozess nicht vermeiden lässt - oder vielleicht der Mandant genau diesen Weg einschlagen möchte - sollte der Anwalt die Prozesskosten und die Prozesskostenrisiken erfassen, erklären und schriftlich vorlegen. Wer diese Dinge verheimlicht, ist kein Profi.

Haibach, Fachanwälte für Familienrecht in Gießen und Frankfurt www.haibach.com

Glossar - Vergütung beim Rechtsanwalt
Stundenvergütung: Die anwaltliche Tätigkeit wird nach Stunden abgerechnet.

Gesetzliche Vergütung: Sie ist durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) vorgegeben. Sie gilt immer, wenn nichts anderes vereinbart ist. Die Höhe richtet sich primär nach dem sogenannten Streitwert.

Pauschalvergütung: Anwalt und Mandant vereinbaren für eine bestimmte anwaltliche Tätigkeit (beispielsweise die außergerichtliche Vertretung im Rahmen des Unterhaltsverfahrens) ein feststehendes Honorar. Das Honorar kann vor Beginn, aber auch nach Beendigung des Mandates vereinbart werden.

Erfolgsvergütung: Die Höhe des Honorars richtet sich nach dem Erfolg, der für den Mandanten erreicht worden ist. Diese Honorarform darf nur nach Abschluss des Mandates vereinbart werden.
Weitere Beiträge zur Serie:
"Ehescheidung - geordnet in die Trennung"

Folge 37

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