Ärzte Zeitung, 20.07.2010

Richter billigen telefonische Aufklärung bei "Routinefällen"

Bundesgerichtshof weist Klage von Eltern ab / Bei komplizierter Op ist Gespräch nötig

KARLSRUHE (mwo). In einfach gelagerten Fällen können Ärzte ihre Patienten auch in einem telefonischen Gespräch über die Risiken eines bevorstehenden Eingriffs aufklären. Allerdings muss der Patient damit einverstanden sein, heißt es in einem kürzlich schriftlich veröffentlichten Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe.

Richter billigen telefonische Aufklärung bei "Routinefällen"

Auch die telefonische Aufklärung durch den Arzt kann genügen - wenn der Patient zustimmt und die Eingriff nicht scherwiegend ist.

© ISO K° - photography / fotolia.com

Im Streitfall wurde ein drei Wochen altes Mädchen wegen eines Leistenbruchs operiert. Der Belegarzt hatte zuvor die Mutter in seiner Praxis aufgeklärt, während der Vater im Wartezimmer das Aufklärungsformular ausfüllte und später mit seiner Frau unterschrieb. Der Anästhesist telefonierte zwei Tage vor dem Eingriff mit dem Vater. Am Morgen vor der Operation unterzeichneten beide Eltern das Einwilligungsformular. Während der Operation kam es zu schweren atemwegsbezogenen Komplikationen, was zu bleibenden Schäden bei Motorik und Sprache führte. Mit ihrer Klage meinen die Eltern, sie seien unzureichend aufgeklärt worden und verlangen Schmerzensgeld und Schadenersatz.

Wie schon die Vorinstanzen wies der BGH die Klage ab: Auch wenn bei minderjährigen Kindern beide sorgeberechtigten Eltern dem Eingriff zustimmen müssen, sei die Aufklärung nur eines Elternteils meist ausreichend. Das gelte "jedenfalls in Routinefällen", und wenn die Eltern nichts anderes verlangen.

Nur bei schweren Eingriffen "mit nicht unbedeutenden Risiken" müsse sich der Arzt vergewissern, ob der erschienene Elternteil eine Ermächtigung des anderen hat, dürfe dann aber im Regelfall auf eine wahrheitsgemäße Auskunft vertrauen. Auch dürften sich die Ärzte darauf verlassen, dass sich die Eltern über die erhaltenen Informationen austauschen. In einfachen Fällen reiche zudem auch eine telefonische Aufklärung aus; denn wie im persönlichen Gespräch sei es auch hier möglich, persönliche Fragen zu beantworten. "Handelt es sich dagegen um komplizierte Eingriffe mit erheblichen Risiken, wird eine telefonische Aufklärung regelmäßig unzureichend sein", betonten die Karlsruher Richter.

Urteil des Bundesgerichtshofs, Az.: VI ZR 204/09

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »