Ärzte Zeitung, 09.11.2010

Schadenersatz nach Werdegang der Geschwister

Schadenersatz nach Werdegang der Geschwister

Eltern und Geschwister sind laut BGH ein guter Maßstab für den voraussichtlichen Werdegang eines (geschädigten) Kindes.

© Stefan Rajewski / fotolia.com

KARLSRUHE (mwo). Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat sich jetzt zum Schadenersatz nach einem ärztlichen Kunstfehler an einem Kind geäußert. Besonders schwierig ist dabei die Prognose des Verdienstausfalls noch junger Kinder. Er orientiert sich an dem vermuteten Beruf und "einem dem entsprechenden normalen beruflichen Werdegang", heißt es in dem jetzt schriftlich veröffentlichten Leitsatzurteil.

Im entschiedenen Fall erlitt der Kläger schon während der Geburt durch einen Behandlungsfehler des Gynäkologen einen schweren Hörschaden. Er erreichte später den Realschulabschluss und machte eine Ausbildung zum Tischler. Vater und Bruder haben höhere technische Berufe. Von dem Arzt verlangt der inzwischen 25-Jährige Schadenersatz für entgangenen Verdienst. Dabei behauptete er, ohne seinen Hörschaden hätte er Informationstechnologie studieren und danach entsprechend verdienen können.

Das Oberlandesgericht Braunschweig sprach Schadenersatz zu, unterstellte dabei aber einen Werdegang ähnlich dem der Eltern und des Bruders. Ein auf einem Studium fußendes Einkommen sei dagegen überzogen.

Dem ist der BGH nun gefolgt: Danach sind Eltern und Geschwister ein guter Maßstab für den voraussichtlichen Werdegang auch des Kindes. Ausreichende Anzeichen dafür, dass der Kläger ohne seinen Hörschaden studiert hätte, gebe es nicht. Im Zweifel sei von einem "voraussichtlich durchschnittlichen Erfolg des Geschädigten" und auch von dabei üblichen Phasen der Arbeitslosigkeit auszugehen.

Az.: VI ZR 186/08

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »