Ärzte Zeitung, 13.09.2011

Betrugsvorwürfe gegen Göttinger Notdienstambulanz

Der Ex-Geschäftsführer einer Notdienstambulanz steht im Verdacht, jahrelang die Praxisgebühr einbehalten zu haben. Wegen des Betrugsverdachts in den eigenen Reihen ist der Verein Notdienstambulanz Göttinger Ärzte in heftige Turbulenzen geraten.

Betrugsvorwürfe gegen Göttinger Notdienstambulanz

Schwerer Verdacht: Hat ein Arzt und Geschäftsführer in Göttingen jahrelang die Praxisgebühr "behalten"?

© Iosif Szasz-Fabian / fotolia.com

GÖTTINGEN (pid). Anfang September hat der rund 100 Mitglieder starke Verein Insolvenz beim Amtsgericht Göttingen angemeldet. Grund: Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) fordert 180.000 Euro zurück, weil die Notdienstambulanz die seit 2004 von den Patienten erhobene Praxisgebühr in Höhe von 10 Euro nicht an die KVN weitergeleitet habe.

Stattdessen soll der langjährige Geschäftsführer des 1995 gegründeten Vereins jahrelang das Geld für sich einbehalten haben. Die Staatsanwaltschaft Göttingen habe gegen den früheren Verantwortlichen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet, sagte Behördensprecher Hans Hugo Heimgärtner.

Der Ex-Geschäftsführer soll in den Jahren 2004 bis 2009 alle Einnahmen aus der Praxisgebühr unterschlagen haben. Die mutmaßlichen Betrügereien waren im vergangenen Jahr ans Licht gekommen, nachdem es einen Wechsel im Vorstand des 1995 gegründeten Vereins Notdienstambulanz gegeben hatte.

Als der Göttinger Internist und neue Vereinsvorsitzende Martin Lang einen Blick in die erste Quartalsabrechnung warf, wurde er stutzig. Ihm sei eine deutliche Diskrepanz zwischen der ausgewiesenen Praxisgebühr und den Angaben in der Bilanz aufgefallen, sagte Lang.

Eine Überprüfung durch den Steuerberater habe dann ergeben, dass die Einnahmen aus der Praxisgebühr gänzlich fehlten. Daraufhin habe man dem früheren Geschäftsführer gekündigt und Strafanzeige gegen ihn erstattet.

Bei weiteren Ermittlungen sei dann außerdem ans Licht gekommen, dass die Ehefrau des geschassten Geschäftsführers einen 400-Euro-Vertrag gehabt habe, von dem weder der alte noch der neue Vereinsvorstand etwas gewusst hätten.

Der Verein Notdienstambulanz Göttinger Ärzte informierte nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch die KV über den Betrugsfall. Diese kündigte daraufhin die Zusammenarbeit mit der zuletzt im Weender Krankenhaus betriebenen Notdienstambulanz auf und organisierte den Notdienst zunächst selbst.

Nach einer neuen Ausschreibung erhielt die Universitätsmedizin Göttingen den Zuschlag. Seit dem 1. Juli versorgt der kassenärztliche Notdienst dort jene Patienten, die nach Dienstschluss der Arztpraxen erkranken und betreut werden müssen.

Die meisten der in dem bisherigen Verein aktiven Ärzte haben sich inzwischen in einem neuen Verein organisiert.

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