Ärzte Zeitung, 03.11.2011

Gericht bestätigt Verbot von Eizellspenden

Sie wollten doch so gerne Kinder: Zwei österreichische Frauen, die mit ihren Männern auf natürlichem Weg keine Babys bekommen konnten, klagten gegen das nationale Verbot von Eizell- und Samenspenden vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Sie bekamen in erster Instanz recht, doch jetzt urteilte die Große Kammer: Es gibt kein Grundrecht auf künstliche Befruchtung.

Gericht bestätigt Verbot von Eizellspenden

Künstliche Befruchtung mit gespendeten Eizellen oder Spermien bleibt in Österreich verboten - mit Billigung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte.

© Alex Mit / shutterstock.com

STRASSBURG (mwo). Unfruchtbare Paare haben kein Grundrecht auf jegliche Form der künstlichen Befruchtung.

Mit einem am Donnerstag in Straßburg verkündeten Urteil bestätigte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) das Verbot von Eizell- und Samenspenden in Österreich. Eizellspenden sind auch in Deutschland verboten.

Klage zweier Frauen abgewiesen

Damit wies der EGMR zwei österreichische Frauen ab, die mit ihren Partnern auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können.

Beide Paare wären auf eine künstliche Befruchtung angewiesen - ein Paar mit einer gespendeten Eizelle, das andere mit gespendeten Samen. Beides ist in Österreich verboten. Dies greife unzulässig in ihr Recht auf Privatleben ein, argumentierten sie.

In Österreich 1999 verboten

Der österreichische Verfassungsgerichtshof hatte 1999 die Verbote gebilligt. Sie dienten dem Zweck, die "Schaffung ungewöhnlicher persönlichen Beziehungen" zu vermeiden, insbesondere, wenn ein Kind zwei biologische Mütter hätte: eine genetische Mutter und eine, die das Kind ausgetragen hat.

In erster Instanz gab der EGMR mit einem Kammerurteil vom 1. April 2010 den Beschwerden der österreichischen Frauen statt. Die österreichische Regierung rief daraufhin die Große Kammer des EGMR an – und bekam dort nun recht.

"Heikle ethische Fragen"

In ihrer Urteilsbegründung betonten die Straßburger Richter, dass die künstliche Befruchtung „heikle ethische Fragen vor dem Hintergrund dynamischer wissenschaftlicher Entwicklungen aufwirft“.

Diese Fragen würden in Europa sehr unterschiedlich beantwortet. Österreich und ebenso andere Zeichnerstaaten der Europäischen Menschenrechtskonvention verfügten bei diesem Thema daher „notwendigerweise über einen weiten Beurteilungsspielraum“.

Az.: 57813/00

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »