Ärzte Zeitung online, 25.02.2014

Fall Edathy

Pädiater fordern schärfere Strafen für Kinderpornografie

Der Handel mit Bildern von nackten Kindern soll hart bestraft werden, fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Auslöser der Diskussion ist der SPD-Politiker Sebastian Edathy.

KÖLN. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) begrüßt, dass Bundespolitiker künftig den gewerbsmäßigen Handel mit Bildern nackter Kinder unter Strafe stellen wollen. Anlass für die Gesetzesinitiative ist der Fall des SPD-Politikers Sebastian Edathy, der Bilder von nackten Jungen gekauft haben soll.

Seit nun 25 Jahren ist die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft, trotzdem habe Deutschland noch viel zu tun, um allen Kindern zu ihrem Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit zu verhelfen, schreibt der BVKJ in einer Mitteilung. Dazu gehöre auch, den Handel mit Nacktbildern von Kindern hart zu betrafen.

Zudem fordert der Verband Politiker dazu auf, die Regelungen zur Beschneidung von Jungen zu überdenken. BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann spricht von einem zwiespältigen Verhalten vieler Abgeordneter: "Bei Herrn Edathy wenden sie sich angewidert ab, aber dem Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes haben 434 Abgeordnete ohne Bedenken zugestimmt!"

Dem Verband zufolge finden Erziehungsrecht der Eltern und Religionsfreiheit ihre grenzen, wo körperliche und seelische Unversehrtheit eines Kindes nicht mehr gewahrt ist. (ras)

[04.03.2014, 18:55:40]
Edward von Roy 
Genitale Integrität achten, Kinderpornographie ächten
Ermutigend, dass der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) die grundsätzliche lebenslange Schädigung des männlichen Körpers nach einer medizinisch nicht indizierten Amputation des Präputiums auch 2014 in Erinnerung bringt.
Die Fakten beispielsweise zur physiologischen Phimose (Jakob ØSTER (1968); Hiroyuki KAYABA (1996)) sind weithin offenbar immer noch ebenso ungenau bekannt wie die sensorische Bedeutung der Vorhaut, die möglicherweise Klitoris oder kleinen Labien entspricht mithin das Zentrum des männlichen sexuellen Lusterlebens darstellt (Sorrells et al.: Fine-touch pressure thresholds in the adult penis).
Die richtigerweisene verbotene weibliche Genitalverstümmelung nach WHO-Klassifikation FGM Typ Ia ist weniger invasiv als die Jungenbeschneidung. Tastkörperchen (Meissner-, Vater-Pacini-, Ruffini-Körperchen, Merkel-Zellen) und bis zu 20000 Nervenenden gehen bei der Zirkumzision für immer verloren.
Penile Intaktheit betreffend sprichwörtlich 'sich ein Bild von einer Sache machen' (Stichwort medizinische Fotodokumentation), das darf und soll der Arzt, Gesundheitserzieher oder Erziehungsberechtigte und genau das darf der Kinder sexuell ausbeutende Erwachsene eben nicht.
BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann führt beide wichtigen Themen überzeugend zusammen.  zum Beitrag »
[04.03.2014, 17:20:16]
Dipl.-Med Matthias Junk 
Dummer Text, Frau Schuster
Dieser Beitrag ist unsachlich und falsch - und "auf dem Hof" würde ich zu jemandem, der immer noch so etwas sagt, sagen "du bist dumm".
Erstens besteht diese Dummheit im Nichtsehen des engen Zusammenhangs von Verletzung von Rechten auf Unversehrtheit bei beiden Sachen: der Kinderpornographie und der rituellen Beschneidung, da diese bei beiden Tatbeständen gegeben ist.
Zweitens besteht diese o.g. Dummheit beim Immer-Noch-Nicht-Verstanden-Haben, dass es - außer bei medizinischen NOT-wendigkeiten - keinen diskussionsfähigen "Vorteil" der Amputation der Vorhaut in unserem Kulturkreis gibt.
Immer noch (das heißt, wider besseres vorhandenes Wissen) den inakzeptablen Versuch zu unternehmen, die irreversible Verstümmelung am Jungen-Penis mit "Hygiene-Vorteilen" zu beschönigen, ist abgründig und abwegig. In gleicher Weise könnte jemand fordern, dass der Vorschlag bzw. die Denkweise ernst genommen werden soll, dass das Ziehen aller Zähne prophylaktisch gegen Karies, Zahnschmerzen, drohende Endokarditis auf der Basis hämatogener Erregerstreuung bei mangelhafter Zahnhygiene (diesen Zusammenhang gibt es zwar, aber keine irre / verrückte Forderung nach prophylaktischer Total-Extraktion des Gebisses...) usw. durchgeführt werden solle !
Wie verrückt muss denn jemend sein, der die Parallelen hier auch nicht sehen will.
Hygieneerziehung ist in beiden Fällen ganz und gar anders zu sehen: mit Wasser, Hygieneartikeln, Regelmäßigkeit und Gründlichkeit - und mit einem als eines Menschen angemessenen Denkvermögens. Wer anders redet oder denkt ist nicht nur dumm, sondern unverschämt: spräche er doch den Angehörigen der männlichen Ausprägung der Spezies Homo sapiens die Fähigkeit zu Hygiene ab - und den weiblichen Angehörigen die Fähigkeit, sich als Mutter um eine hygienische Erziehung - auch auf diesem Gebiet - ihres männlichen Nachwuchses zu kümmern.
Alle anderen medizinischen oder psychologischen "Schein-Argumente" pro religiöse oder traditionelle Beschneidung sind für unseren Kulturkreis längst hinreichend entkräftet.
Oder brauchen Sie, Frau Schuster, etwa sogar diese Nachhilfe, dass es selbst einer gehörigen Portion "pornografischen Sexismus" bedarf, um die mitunter vorgebrachten sogenannten "ästhetisch-hygienischen" Argumente für eine Penisverstümmelung (Vorhaut ist sehr sensibel und sehr Gefühls-echt!!!) anerkennenswert zu finden: mit welchen unterbewußten Sichtweisen ein beschnittener Penis als "optisch schöner" empfunden wird, dürfte ja wohl selbst pubertierenden jugendlichen klar sein. Der Ruhezustand dieses männlichsten Organs darf aber gefälligst "friedlich - asexuell" sein und auch so aussehen: ein fast lustiges, runzlig-punzliges Rüsselchen - und nicht "allzeit bereit".
Verstanden?
PS: ist Ihnen evtl. noch nicht mal aufgefallen, wieviel Realitäts-Ignoranz ("Dummheit") hinter den Bemerkungen einiger Diskussions-Beschnittener 2012/2013 steckte, wenn diese behaupteten, dass ihnen ohne Vorhaut "nix fehlen" würde? Und dem Blinden die Farben ? Die fehlen ihm nicht ? Weil er sie nicht kennt ??? Tolle Argumentation - oder ?
Also, Frau Schuster, schämen Sie sich für Ihren hier gezeigten Bildungsgrad.
M.Junk, Leipzig, Kinder-und Jugendarzt,
unbeschnitten und trotzdem sauber..
 zum Beitrag »
[25.02.2014, 11:27:02]
Silke Schuster 
Was hat die Circumcision mit Herrn Edathy zu tun?
Es ist hinreichend bekannt, dass die medizinisch korrekt durchgeführte Circumcision zu keinerlei körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen führt, wohl aber neben der Beseitigung der Vorhautenge eine wirksame hygienische Maßnahme und damit Prophylaxe des Peniskarcinomes darstellt. Ähnlich der Vorgehensweise den Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten Voraussetzungen legal unter korrekten medizinischen Bedingungen durchführen zu können um den illegalen Schwangerschaftsabbruch zu verhindern muss die medizinisch korrekt durchgeführte Circumcision legal sein um rituelle Beschneidungen von Jungen durch unqualifizierte Personen unter mangelhaften hygienischen und fehlenden analgetischen Bedingungen zu vermeiden. Ein Aufklärungsgespräch bezüglich der OP-und Anästhesie-Risiken ist in Deutschland bereits Gesetz.
Im Gegensatz zur Beschneidung von Mädchen stellt die Circumcision bei Jungen keine Operation mit folgenden obligaten funktionellen Behinderungen dar.
Und was hat diese Thematik mit dem Fall Edathy zu tun? Nichts! zum Beitrag »

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