Ärzte Zeitung, 11.12.2014

Tötung auf Station?

Acht Klinikmitarbeiter unter Verdacht

Im Fall des Pflegers, der Patienten in Niedersachsen umgebracht haben soll, weitet die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen aus. Acht Klinikmitarbeiter stehen unter Verdacht.

OLDENBURG / DELMENHORST. Der Mordprozess um den Pfleger Niels H., der im Verdacht steht, in Oldenburg und Delmenhorst über Jahre hinweg viele Patienten getötet zu haben, weitet sich immer stärker aus.

Jetzt ermittelt die Oldenburger Staatsanwaltschaft auch gegen Mitarbeiter der Kliniken und hat ein Ermittlungsverfahren gegen zwei ehemalige Mitarbeiter aus dem eigenen Haus wegen Strafvereitlung im Amt angestoßen. Das bestätigt Staatsanwältin Dr. Frauke Wilken der "Ärzte Zeitung".

"Ermittelt wird gegen insgesamt acht Verantwortliche beziehungsweise Mitarbeiter der Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg", teilt die Staatsanwaltschaft Oldenburg mit. "Es besteht der Anfangsverdacht des Totschlags durch Unterlassen."

Es bestünden Anhaltspunkte dafür, dass die Verantwortlichen im Klinikum Delmenhorst schon im Jahr 2004 "auf einen signifikanten Mehrverbrauch des Herzmedikaments Gilurytmal hingewiesen worden sein sollen und nicht reagiert hätten", wie es hieß. Während der Dienstzeiten H.'s sei sechs Mal so viel Gilurytmal verbraucht worden wie üblich.

Auch gegen zwei Verantwortliche aus dem Klinikum Oldenburg werde nun ermittelt, so die Staatsanwaltschaft.

"Es muss geklärt werden, ob dort erkannt worden ist, dass der ehemalige Krankenpfleger für Tötungen von Patienten verantwortlich gewesen sein könnte, und dieser Verdacht dennoch nicht öffentlich gemacht worden ist", so die Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen eigene Ex-Mitarbeiter

Unterdessen wurden die Untersuchungen auch auf das St. Willehad Krankenhaus Wilhelmshaven und Niels H.'s Tätigkeit für einen Rettungsdienst ausgeweitet.

"Wir ermitteln nicht gegen das Wilhelmshavener Krankenhaus, sondern wir untersuchen die Sterbefälle in der fraglichen Zeit", so Wilken. Dasselbe gelte für die "berufsnahe Tätigkeit beim Rettungsdienst".

Auch gegen ehemalige Mitarbeiter des eigenen Hauses hat die Oldenburger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren angestoßen, weil sie Hinweisen eines ehemaligen Arztes aus dem Klinikum Delmenhorst nicht nachgegangen seien.

Dr. Kurt Schwender hatte die Staatsanwaltschaft bereits 2005 auf einen Verdacht gegen Niels H. aufmerksam gemacht. Die Ermittlungen wurden zunächst an die Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg und dann an die Staatsanwaltschaft Osnabrück abgegeben, so Wilken.

Der Krankenpfleger Niels H. wird beschuldigt, Patienten mit Gilurytmal getötet zu haben. Er steht derzeit in Oldenburg wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuches vor dem Landgericht.

Im Zuge der Ermittlungen gegen ihn sind die Untersuchungen auf weit mehr als 100 Verdachtsfälle ausgeweitet worden. Nach Weihnachten sollen zahlreiche Tote exhumiert und die Körper untersucht werden. (cben)

Lesen Sie dazu auch:
Kommentar zu Mordvorwürfen gegen Pfleger: Mysterium Klinikroutine

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