Ärzte Zeitung online, 05.11.2015

Betäubungsmittel

US-Ärztin wegen Mordes verurteilt

Erstmals wurde in den USA jetzt eine Ärztin wegen Mordes verurteilt, weil Patienten an Überdosen Betäubungsmittel gestorben waren.

LOS ANGELES. Eine kalifornische Ärztin ist von einem Geschworenengericht wegen Mordes schuldig gesprochen worden, weil sie Patienten große Schmerzmittel-Mengen verschrieben hatte. Laut Staatsanwaltschaft Los Angeles waren drei junge Männer im Jahr 2009 an einer Überdosis der starken Medikamente gestorben.

Es sei der erste Fall in den USA, dass ein Arzt wegen verantwortungslosen Verschreibens von Betäubungsmitteln wegen Mordes verurteilt worden sei, heißt es. Dabei handele es sich um den Sachverhalt eines sogenannten "second degree murder".

Damit ist ein Tod gemeint, der durch gefährliches Führungsverhalten mitverursacht wurde und dadurch, dass sich der Täter um das Leben eines Menschen offensichtlich nicht gekümmert hat. Dieses Urteil sei eine "wichtige Botschaft" an Ärzte, die aus Profitsucht das Leben ihrer Patienten aufs Spiel setzen würden, so Staatsanwältin Jackie Lacey.

Die 45-jährige Medizinerin hatte laut Anklage zahlreichen Patienten große Mengen Narkotika verschrieben. Viele Rezepte seien medizinisch nicht notwendig gewesen. In knapp drei Jahren soll die Ärztin mit ihrer Praxis fünf Millionen Dollar verdient haben. Mitte Dezember will ein Richter das Strafmaß festsetzen. Der Frau droht lebenslängliche Haft.

Der Fall erinnert entfernt an den eines bayerischen Arztes, der Anfang 2014 höchstrichterlich von der Verantwortung für eine sogenannte "Take-Home-Verordnung" von Methadon entlastet wurde. Der Arzt hatte einem Patienten fünf "Take-Home-Verordnungen" hintereinander ausgestellt, ohne während dieser Zeit persönlichen Kontakt zu ihm zu haben.

Der Patient starb später an einer Überdosis. Der Bundesgerichtshof urteilte, der Patient habe sich "in Kenntnis des Risikos einer Überdosierung eigenverantwortlich selbst gefährdet". Dafür sei der Arzt strafrechtlich nicht zu belangen. (dpa/eb)

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