Ärzte Zeitung online, 11.02.2014

Polypharmazie

KKH-Chef fordert "Pillen-Checks"

Polypharmazie im Alter oder im Heim: Mit jeder Arznei steigt das Risiko für Wechsel- und Nebenwirkungen. KKH-Chef Kailuweit fordert jetzt verpflichtende "Pillen-Checks".

KKH-Chef fordert "Pillen-Checks"

Will "Pillen-Checks" bei Polypharmazie: KKH-Chef Ingo Kailuweit.

© Holger Hollemann / dpa

DÜSSELDORF. Der Vorstandsvorsitzende der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, hat verpflichtende Arzneitests für Patienten gefordert, die mehr als fünf Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Er begründete dies mit dem bekannten hohen Risiko von Wechsel- und Nebenwirkungen bei andauernder Polypharmazie.

"Für diese Risikogruppe wäre ein verpflichtender Pillen-Check hilfreich", sagte Kailuweit der "Rheinischen Post" (Dienstag). Diesen Test könnte nach seinen Worten "ein unabhängiges Institut mit pharmakologischen Experten für Arzneimittelsicherheit" übernehmen. Alle acht Sekunden sei hierzulande ein Patient von einem "Medikationsfehler" betroffen. Besonders betroffen seien Patienten in der stationären Pflege.

Kailuweit begründete seinen Vorstoß mit "Verbesserungen für die Versicherten und für die Finanzen der Krankenkassen", schreibt das Blatt. "Profitieren würden in erster Linie die Patienten, aber auch das solidarische Gesundheitswesen, wenn durch weniger Folgekrankheiten weniger Kosten entstehen", sagte er. (eb)

[17.03.2014, 08:30:24]
Hans-Juergen Beringer 
Pillen Check
Wahrhaft differenzierte und objektivierte Aussagen können nur von Experten verstanden werden. Die Reduktion auf das Wesentliche beinhaltet immer Unwahrheit und Unvollständigkeit. Trotzdem muss immer versucht werden Alles der Allgemeinheit verständlich darzulegen.
Pillencheck !
Ja, von den Ärzten, am besten von den Verordnern selbst. Nein, von den Kassen, die darin ein Einsparpotential sehen und nicht die Patienteninteressen. Nein, von den Apothekern, die Pharmazie studiert haben und nicht Medizin.
Viele Medikamente müssen trotz erhöhter Wechselwirkungsrate und erhöhter Nebenwirkungsrate eingesetzt werden, zum Wohl des Patienten. Medikamente aus bestimmten Gruppen, die weniger Wechselwirkungen haben, sind teurer, und werden deshalb unter dem Druck der Budgetierung nicht verordnet. Bsp.:

Weniger Wechselwirkung Mehr Wechselwirkung
Pantoprazol Omeprazol
AT II 1 Blocker ACE Hemmer
Fluvastatin Pravastatin, Simvastatin, Atorvastatin
Nebivolol Andere Beta Blocker
Manche Originalpräparate Manche Generika

Schmiergelder für Ärzte oder Apotheker durch die Pharmaindustrie gibt es praktisch nicht mehr.
Im Interesse der Ärzte liegt das Wohl der Patienten. Immer weitere Einschränkungen der Handlungsspielräume, z.B. Budgetierungen und Regresse, reduzieren das Interesse an diesem Beruf und fördern immer mehr den sowieso schon ausgeprägten Ärztemangel.
Es geht wie immer ums Geld. Hans-Juergen Beringer
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[12.02.2014, 12:09:43]
Dr. Christian Schulze 
gründlicher Überprüfen und streichen...
Man sollte besonders beim alternden Patienten maßvoll therapieren und ggf. auch streichen. Wieviele Patienten bekommen Magenschutz mit PPI ohne Indikation ensprechend Beipackzettel, wie oft sieht man Patienten bettlägrig mit Alendronsäure, auch Männer, für die es sowieso nicht zugelassen ist??? Jeder kann das im Notdienst beobachten. Die Polypharmakotherapie ist auch teilweise hausgemacht, weil immer nur weiter on Top geladen wird. Im Krankenhaus wird unter dem Druck der DRGs noch ne Pille dazu getan, damit der MDK den Aufenthalt bezahlt...Hier wegen hausgemachten Insuffizienzen im System (DRG, fehlende Systematik in der stationären Pflege) dem ganzen insuffizienten System noch ein Institut oben drauf zu satteln, mutet daher wahrlich grotesk an. Dieses Institut ist dann vermutlich auch wieder vollkommen realitäts- und praxisfern unterwegs und sieht so die tatsächlichen Insuffizienzen an den Schnittstellen nicht. Damit ist dann auch klar, dass sich nachhaltig und langfristig eh nichts ändert...Ergebnisse in 5-10 Jahren... zum Beitrag »
[12.02.2014, 09:54:26]
Dr. Christian Flügel-Bleienheuft 
Weltfremd
Der Vorschlag eines Institutes geht an den Realitäten der medizinischen und pflegerischen Versorgung vorbei und die resultierenden Prozessabläufe von oben herab werden ineffizient verpuffen.
Es müssen vielmehr alle Beteiligten, also Patient, betreuender Hausarzt und Pflegekräfte, Apotheke sowie eventuell Angehörige eingebunden werden. Es geht ja nicht nur um die Anzahl der Medikamente, sondern viel mehr auch um eine Priorisierung im Rahmen einer Multimedikation. Dieses setzt ein ausführliches Medikamentengespräch mit (!) dem Patienten voraus, nur so wird man der Bedürfnislage des Patienten gerecht. Darüberhinaus bedarf es der Abstimmung aller an der Versorgung teilnehmenden Ärzte. Hier können die an der Versorgung teilnehmenden Akteure gemeinsam, idealerweise in professionell aufgestellten, sektorübergreifenden Arztnetzen vor Ort agieren. Effizienz und Verbesserung der Versorgungsqualität lässt sich erreichen, wenn die Kostenträger hier mit derartigen Verbünden gemeinsam nach Lösungen suchen und diese umsetzen. zum Beitrag »
[11.02.2014, 15:04:14]
Dr. Birgit Bauer 
schon wieder neue Institute ?
Wie wäre es erstmal mit mehr Kommunikation unter der Ärzteschaft.
Außerdem kann ein Institut, das den Pat., seine Anamnese, seinen bisherigen Krankheitsverlauf und seine therapeutische Zielstellung nicht kennt gar nichts ausrichten.
Wir behandelnden Ärzte Schwestern und Pfleger brauchen endlich mehr Zeit für die pat. und nicht immer mehr "erhabene, besserwissende, nichtsahnende ,pseudowissenschaftliche Institute", die außer Kostentreiberei nichts bringen.
Wann wird es endlich begriffen, aus unserem Gesundheitswesen ist ein marktwirtschaftlich indoktriniertes, patientenfeindliches Gesundheitsunwesen geworden.
M.f.G. B.Bauer zum Beitrag »

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