Ärzte Zeitung, 21.02.2014

Aut-idem

Bremen kreuzt am meisten

In Deutschland herrscht ein Nord-Süd-Gefälle beim Aut-idem-Verbot. Eine neue Analyse zeigt, dass die Ärzte in Bremen Spitzenreiter beim Kreuzen sind - ganz anders als ihre Kollegen etwa im Saarland. Das hat Auswirkungen auf die Abgabe von Rabattarzneien.

Von Florian Staeck

zur Großdarstellung klicken

Bloß nicht tauschen!

© Schilddrüsen-Initiative

FRANKFURT/MAIN. Ärzte benutzen je nach KV-Region unterschiedlich häufig das Aut-idem-Kästchen auf dem Rezept. Auffällig ist dabei ein Nord-Süd-Gefälle: Das geht aus einer Auswertung des Beratungsunternehmens IMS Health für die "Ärzte Zeitung" hervor. Das Unternehmen hat dafür mit Hilfe des IMS Contract Monitor® den generikafähigen Markt im vergangenen Jahr untersucht.

zur Großdarstellung klicken

Nord-Süd-Gefälle beim Verbot von Aut-idem.

Danach schließen Vertragsärzte in Bremen bei fast 21 Prozent aller Verordnungen die Substitution durch den Apotheker aus, verbieten also "Aut idem". Außer Bremen verzeichnen Sachsen-Anhalt (18,4 Prozent), Schleswig-Holstein und Brandenburg (jeweils 17,6 Prozent) die höchsten Quoten beim Substitutionsverbot.

Vergleichsweise am seltensten wird das Kreuz auf dem Rezept in Bayern (8,2 Prozent), Hessen (7,8 Prozent) und im Saarland (5,3 Prozent) gesetzt.

Fast spiegelbildlich zu diesen Zahlen verhält sich der Anteil der Rabattarzneimittel in den einzelnen KV-Regionen. Im Saarland verordnen Vertragsärzte rabattgeregelte Medikamente im generikafähigen Segment am häufigsten (63 Prozent). Ähnlich hoch ist der Rabattarzneimittel in Hessen (62,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (61,5 Prozent) und Niedersachsen (61 Prozent).

Bremen, wo Ärzte am häufigsten das Aut-idem-Kreuz setzen, hat auch mit 53,1 Prozent den niedrigsten Anteil verordneter Rabatt-Präparate. Etwas höher ist dieser in Sachsen (53,6 Prozent) und Baden-Württemberg (56,7 Prozent). Bayern, Nordrhein und Sachsen-Anhalt (60,2, 60 und 58,8 Prozent) bilden das Mittelfeld.

Generell zeigen die Analysen von IMS Health, dass Vertragsärzte differenziert von der Möglichkeit des Substitutionsverbots Gebrauch machen.

Bei rabattgeregelten Medikamenten aus dem Generikasegment (Generika, Altoriginale, nie geschützte Präparate) haben sie im vergangenen Jahr im Bundesdurchschnitt bei sechs Prozent der abgegebenen Packungen "Aut idem" angekreuzt.

Im Jahr 2011 betrug der Wert noch acht Prozent. Liegt hingegen kein Rabattvertrag vor, dann verbieten Ärzte fast bei einem Viertel der Verordnungen (23 Prozent), dass das verschriebene Präparat vom Apotheker ausgetauscht wird. Dieser Anteil ist im Vergleich zu 2012 konstant geblieben.

[27.02.2014, 04:56:17]
Barbara Tolle 
Woher wissen die Kassen,
dass die Ärzte und nicht die Patienten selbst oder gar der Apotheker das "aut idem" durchkreuzen???

So eine idiotische Regelung lädt doch geradezu zum Betrug ein: Ein Kreuz, das "aut idem" erlaubt, ist schwieriger zu entfernen als schnell mal eines hingemogelt, das es verbietet! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »