Ärzte Zeitung, 15.07.2014

Arzneitherapie

Apotheker wollen Medikationsmanager werden

Die Apotheker wollen aktiver Part für die rationale Arzneiherapie werden. Bis Jahresende soll die Fortbildung für die künftigen Medikationsmanager stehen. Bloß bei der Kooperation mit den Ärzten gibt es noch ein großes Fragezeichen.

Von Christoph Winnat

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Beratung adé? Die Apotheker wollen künftig auch als Arzneimittelmanager Geld verdienen.

© goodluz / fotolia.com

BERLIN. Die obersten Repräsentanten der Apothekerschaft trommeln für eine neue Rolle ihres Berufsstandes: Nicht mehr nur Einzelhändler in Sachen Pille & Co. wollen die Pharmazeuten sein, sondern als Heilberufler "mehr Verantwortung für die Arzneimitteltherapie übernehmen", heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Im Zentrum des neuen Selbst- und Aufgabenverständnisses - festgehalten im Ende Juni von der ABDA-Mitgliederversammlung verabschiedeten Leitbild "Apotheke 2030" - stehen "Medikationsanalyse" und "Medikationsmanagement", die man künftig "als adäquat honorierte Dienstleistung" anbieten will.

Was aus Sicht der Apotheker darunter zu verstehen sei, erläuterte Ende voriger Woche der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Andreas Kiefer bei einem Pressetermin der Bundesapothekerkammer in Berlin. Mit der Begriffsbestimmung solle zugleich "ein deutliches Zeichen gegen die Trivialisierung und inflationäre Verwendung" dieser Begriffe gesetzt werden, so Kiefer.

"Medikationsanalyse" bedeutet demnach "eine strukturierte Analyse der aktuellen Gesamtmedikation eines Patienten. Sie hat die Erhöhung der Effektivität der Arzneimitteltherapie und die Minimierung von Arzneimittelrisiken zum Ziel."

Von "Medikationsmanagement" solle nur dann die Rede sein, "wenn sich an die Medikationsanalyse eine kontinuierliche Betreuung durch ein interdisziplinäres Team anschließt. Dadurch sollen eine fortlaufende und dauerhafte Verbesserung der Arzneimitteltherapie sowie eine Reduzierung von Arzneimittelrisiken erreicht werden."

Bis Ende dieses Jahres will die Bundesapothekerkammer eine "Leitlinie Medikationsanalyse" erstellen sowie eine zertifizierte Fortbildung entwickeln. Über Konzeptdetails informiert die ABDA in ihrem "Grundsatzpapier zur Medikationsanalyse und zum Medikationsmanagement".

Wie die Wirklichkeit der Offizinbetreiber als patientennaher Dienstleister künftig aussehen könnte, skizzierte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt kürzlich gegenüber der Tageszeitung "Die Welt".

So würden in der Apotheke etwa regelmäßige Patientengespräche nach Terminabsprache in separaten Beratungszimmern geführt, bei denen Anwendung und Wirkung verordneter und selbst medikamentierter Produkte auf den Prüfstand kämen. Denkbar sei auch, dass Apotheker künftig Folgerezepte für Chroniker selbst ausstellen. Honoriert werden sollen diese Patientengespräche nach einer eigens dazu formulierten Gebührentabelle.

Die für ein Medikationsmanagement unerlässliche Kooperation mit den Verordnern erweist sich unterdessen als neuralgischer Punkt des neuen Apotheker-Leitbildes. Zwar bemüht man sich, jeden Eindruck zu vermeiden, in ärztlichen Gefilden zu wildern. "Konsequentes Medikationsmanagement braucht die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker, schließlich liegt die Therapiehoheit beim Arzt", konzediert ABDA-Präsident Schmidt.

Dazu wünsche man sich, woran es heute noch fehle, vor allem "eine systematische, flächendeckende und durch die pharmazeutischen und ärztlichen Berufsverbände verbindlich vereinbarte Kooperation auf Basis klarer Regeln."

Nichtsdestotrotz lassen die obersten Pharmazeuten keine Gelegenheit aus, ihre potenziellen Partner zu düpieren. Man könne "einen Medikationsplan auch ohne Einbindung der Ärzteschaft anbieten", kündigte Kammerchef Kiefer kürzlich an.

Und Schmidt legte adressiert an skeptische Mediziner nach: "Wir warten mit unserer Neuausrichtung nicht auf die Erlaubnis der Ärzte". Die Zeit der Modellprojekte, so Schmidt in Anspielung auf den Anfang Juli gestarteten Kooperations-Versuch ARMIN, müsse "irgendwann zu Ende gehen".

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