Ärzte Zeitung, 12.10.2015

Chroniker

Sport auf Rezept!

Sportärzte fordern, den Fokus nicht nur auf die präventiven Effekte von Bewegung zu legen, sondern Sport vermehrt auch als "Medikament" bei chronischen Erkrankungen einzusetzen.

FRANKFURT / MAIN. Wie wichtig Sport nicht nur für die Prävention, sondern auch für die Therapie bei chronischen Erkrankungen ist, betonten Experten der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) anlässlich des Deutschen Sportärztekongresses in Frankfurt.

So bezeichnete Professor Klaus-Michael Braumann von der Universität Hamburg Sport als "das preiswerteste Medikament mit den wenigsten Nebenwirkungen und einer Wirkung, die in Studien mit hoher Evidenz gesichert ist".

"Rezept für Bewegung"

Trotz einer beeindruckenden Datenlage über die positiven Effekte von Sport auf die Gesundheit finde die Therapie aber noch zu selten Einzug in den Praxisalltag. Meist beschränke sich die Empfehlung des Arztes auf "Machen Sie mal Sport!".

Mit dem "Rezept für Bewegung" versucht die Sportmedizin zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, die Bewegungstherapie stärker in die ärztliche Praxis einzubeziehen.

Das "Rezept" soll Empfehlungen zur Bewegung verbindlicher machen. Der Patient erfährt, was er konkret machen soll. Das erhöhe den moralischen Druck und die Motivation, ein Trainingsprogramm durchzuführen.

Braumann plädierte dafür, die Bewegungstherapie für Patienten mit bestimmten Erkrankungen von den gesetzlichen Krankenkassen als erstattungsfähige Leistung zu ermöglichen.

Bei einer Verstauchung des kleinen Fingers könne Physiotherapie in Anspruch genommen werden; für einen übergewichtigen Diabetiker, bei dem ein Bewegungsprogramm zur Senkung des Medikamentenverbrauchs und zur Lebensverlängerung führt, gebe es dafür keine Möglichkeit, ärgerte sich Braumann.

"Bei COPD ist Sport ein Muss"

Wie wichtig Sport bei der Therapie der COPD ist, stellte Professor Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule in Köln heraus: "Bei COPD ist Sport ein Muss", so Bloch.

Selbst Patienten, die in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind, könnten von Bewegungstherapie profitieren. Oft werde ein moderates Ausdauertraining empfohlen. Mittlerweile werden jedoch auch diese Empfehlungen geändert, es werde auch ein Krafttraining eingebunden.

COPD-Patienten seien schwer zu erreichen und zu motivieren. Nach guten Erfolgen in der Rehabilitation fallen viele Patienten relativ schnell in alte Verhaltensmuster zurück. Wichtig sei es Patienten, "nicht unbegleitet zu lassen". Hier biete sich beispielsweise die Telemedizin an. (grz)

[12.10.2015, 16:02:10]
Dr. Bernd Gimbel 
Wann verstehen es auch die Kostenträger?
Wieviele Studien müssen eigentlich noch veröffentlicht werden, bis die Kostenträger endlich verstehen, dass Bewegung (diesen Begriff würde ich gegenüber Sport den Vorzug geben)eine Kostenersparnis und keine Kostenbelastung darstellt. Allein ein Rezept bringt allerdings auch noch nicht die Lösund des Problems. Hat aber immerhin mehr Verbindlichkeit, als die ärztliche Aufforderung, sich etwas mehr zu bewegen. Das wissen mittlerweile fast alle. Die Frage ist nur, wie bei Menschen diese Erkenntnis vom Kopf in die Füße gelangt. Der "innere Schweinhund" ist bei Vielen halt zu groß, um sie aus ihrer Komfortzone Sofa zu locken. Deshalb liegt die Lösung des Problems bereits in der Schulzeit. Der Schulsport muss attraktiver werden und sein Stellenwert muss sich ändern (z.B. Gesundheit als Schulfach). Bereits in meiner Studienzeit vor ca. 40 Jahren wurde flächendeckend die 3. Sportstunde gefordert. An vielen Schulen ist sie heute noch nicht vorhanden. Es zeigt sich somit: Fachfremde Erwägungen dominieren die Politik. Es kann also noch lange dauern mit der Sportstunde auf Rezept. zum Beitrag »

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