Ärzte Zeitung, 25.04.2016

Mit Auto und Fahrrad

Der Apotheken-Bote von Steinbergkirche

Die Existenz von Apotheken auf dem Land wird immer schwieriger, sagt der Offizinbetreiber Dr. Kai Christiansen und sucht den Schulterschluss mit Ärzten.

Von Dirk Schnack

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Dr. Kai Christiansen sichert die Existenz seiner beiden Apotheken auf dem Land mit der Umlandversorgung durchBotentouren.

© Dirk Schnack

STEINBERGKIRCHE. Ärzte und Apotheker auf dem Land stehen in vielen Regionen vor den gleichen Problemen. Stärker als bei den Ärzten ist bei Apothekern der Trend zur Anstellung ausgeprägt - immer weniger sind noch bereit, das wirtschaftliche Risiko der Selbstständigkeit einzugehen.

2014 wagten bundesweit nur noch 90 Apotheker den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Zahl der selbstständigen Apotheker verringerte sich bundesweit auf 16.269 - der niedrigste Stand seit 1981.

Folge: Auch die Zahl der Standorte mit Apotheken sinkt, insbesondere auf dem Land. In Schleswig-Holstein etwa gibt es nur noch 548 selbstständige Apotheker.

Einer von ihnen ist Dr. Kai Christiansen, der eine Apotheke und eine Filiale auf dem Land zwischen Flensburg und Kappeln betreibt - beide in kleinen Orten, in denen auch die künftige hausärztliche Versorgung nicht geklärt ist.

Vier Fahrzeuge im Einsatz

Zu seinen Kernaufgaben zählt der 46-jährige Apotheker die Versorgung des Umlands mit Botentouren. Täglich hat er vier Fahrzeuge und einen Fahrradboten im Einsatz, um ältere und gehbehinderte Patienten versorgen zu können. Mit 900 Botentouren kommt er auf 20.000 Lieferungen im Jahr.

"Allein dieser Umlandversorgung verdanken meine beiden Apotheken ihre Existenzgrundlage", sagt Christiansen. Die beiden Orte Steinbergkirche und Gelting mit jeweils rund 2000 Einwohnern selbst sind zu klein, um das Überleben zu sichern.

Noch schwerer wird es für Apotheker wie Christiansen, wenn keine Landärzte mehr vor Ort sind. In Steinbergkirche gab es bis vor zwei Jahren noch zwei Arztpraxen, im Umkreis bis zehn Kilometer drei weitere. Eine der Praxen im Ort wird heute als Zweigpraxis geführt.

Christiansens Befürchtung: Wenn der zweite Praxisinhaber in Rente geht, könnte er unter Umständen ohne selbstständigen Arzt in Steinbergkirche sein. "Wir sind als Apotheke darauf angewiesen, dass Patienten weiterhin ihre Rezepte bei uns einlösen, auch wenn sie zu Fachärzten in die Stadt gehen", sagt Christiansen.

Die Apotheker im Norden drängen wegen der problematischen Situation auf dem Land zu gemeinsamen Lösungen von Ärzten und Apothekern. Dr. Peter Froese, Vorsitzender des schleswig-holsteinischen Apothekerverbands, plädiert für gemeinsame Versorgungseinheiten.

"Hyperbürokratie, mangelnde politische und wirtschaftliche Wertschätzung und Stabilität machen den Jungpharmazeuten genauso zu schaffen wie den Jungmedizinern", sagt Froese. Er sieht beide Berufsgruppen "symbiotisch verknüpft": "Auch die Arztpraxis braucht eine funktionierende Apothekenstruktur, am besten vor Ort.

Änderungen im niedergelassenen Bereich haben unmittelbare Auswirkungen auf umliegende Apotheken.

Eine Apotheke kann jedoch nicht so ohne Weiteres ihren Standort verlegen und eben mal so zehn oder mehr Kilometer weiterziehen", gibt Froese zu bedenken. Er sieht die Gefahr einer Ausdünnung ganzer Regionen, aber auch von Stadtteilen.

Schlüsselfaktor Vergütung?

Politik, Standespolitik und Akteure vor Ort sollten deshalb Praxen und Apotheken als Versorgungseinheit erkennen und gemeinsam agieren. Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sollten so gestaltet werden, dass für Ärzte und Pharmazeuten ein Erwerbsleben auf dem Lande lebenswert bleibt - was für beide eine "berechenbare Entwicklung der Vergütung" voraussetzt.

Froese hält etwa gezielte finanzielle Anreize als Strukturkomponente für die ärztliche und pharmazeutische Versorgung auf dem Land für nötig. "Ohne solche gezielten Fördermaßnahmen sehe ich für die in Zukunft anstehenden Praxis- und Apothekenübergaben schwarz", sagt er.

Offizin-Betreiber Christiansen wird seine Apotheken noch rund 20 Jahre führen. Er beschäftigt heute 26 Mitarbeiter, um die Nachfrage decken zu können. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hat er den 2002 vollzogenen Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut.

Sollten in seiner Umgebung künftig weniger Ärzte praktizieren, muss er darauf mit noch intensiverer Kundenbindung reagieren - was höhere Kosten nach sich zieht.

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