Ärzte Zeitung, 23.09.2016

Medikationsplan

Honorar wird auch ohne Leistung gezahlt

Der Medikationsplan soll ab 1. Oktober überwiegend über automatisch zugesetzte Zuschläge honoriert werden. Im Jahr kommen für Haus- und Fachärzte allerdings dabei nur vier Euro zusätzliches Honorar pro Fall zusammen.

Von Hauke Gerlof

Honorar wird auch ohne Leistung gezahlt

Mehr als drei Medikamente auf dem Rezept? Dann hat der Patient auf jeden Fall Anspruch auf einen Medikationsplan.

© Kzenon / fotolia.com

BERLIN. Die Honorierung für den ab Oktober geplanten Medikationsplan steht. Kurz vor Start des bundeseinheitlichen Medikationsplans am 1. Oktober haben Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband die Höhe der Vergütung geklärt.

„Das Ausstellen der neuen Medikationspläne kann damit pünktlich beginnen“, sagte die stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Regina Feldmann laut Mitteilung der KBV. Sie sei froh, dass quasi noch in letzter Minute eine Lösung gefunden wurde. Streitpunkt war bis zuletzt die Höhe des Honorars.

Laut Beschluss soll die Höhe der Vergütung für das Ausstellen eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung nun bei rund vier Euro im Jahr liegen, für Fachärzte in vielen Fällen darunter. Bereits am Mittwoch hatte Feldmann erklärt, die KBV wolle hier noch nachverhandeln. Die Leistungen, die ab Oktober gelten, im Einzelnen:

Gebührenordnungsposition (GOP) 01630: Laut Beschluss erhalten Hausärzte und Pädiater ab Oktober für die Erstellung eines Medikationsplans die GOP 01630 als Einzelleistungsvergütung für Patienten, die nicht chronisch krank sind. Sie wird als Zuschlag einmal im Jahr (im Krankheitsfall) zur Versichertenpauschale gezahlt. Für die Leistung erhalten die Hausärzte 39 Punkte (4,07 Euro, ab 2017 4,11 Euro), die extrabudgetär gezahlt werden.

Auch Fachärzte können die GOP 01630 für die Erstellung eines Medikationsplans abrechnen: bei onkologischen Patienten, Schmerzpatienten sowie bei Patienten nach Organtransplantation.

GOP 03222/04222: Bei chronisch kranken Patienten gibt es für Haus- und Kinderärzte die GOP 03222/04222 als Zuschlag zur Chronikerpauschale, unabhängig davon, ob für den Patienten ein Medikationsplan zu erstellen beziehungsweise zu aktualisieren ist.

Der Zuschlag ist mit 10 Punkten (derzeit 1,04 Euro) bewertet und wird einmal im Behandlungsfall automatisch von der KV zugesetzt, wenn die Chronikerpauschale abgerechnet wird. Für Hausärzte wird es damit noch wichtiger, dass sie ihre chronisch kranken Patienten regelmäßig sehen, damit die Chronikerpauschale abgerechnet werden kann.

Die Einzelleistung GOP 01630 schließt den Zuschlag aus. Ebenso die Berechnung des hausärztlich-geriatrischen Betreuungskomplexes (GOP 03362), da hier der Medikationsplan bereits Teil des obligaten Leistungsinhalts ist.

Zuschläge für Fachärzte: Mit Ausnahme der Krebs- und Schmerzpatienten sowie der Patienten nach Transplantation erhalten Fachärzte für die Erstellung eines Medikationsplans einen Zuschlag zur jeweiligen Grundpauschale.

Das ist je nach Fachgruppenkapitel meist die GOP xx227, also zum Beispiel 08227 bei Gynäkologen. Bei Schwerpunktinternisten und einigen anderen Fachgruppen ist die Systematik bei der GOP etwas anders.

Der Zuschlag wird leistungsunabhängig von der KV einmal im Behandlungsfall zugesetzt, die Bewertung liegt zwischen 2 und 9 Punkten, also maximal bei 94 Cent im Quartal. Die Höhe des Zuschlags ist nach der Verordnungsfrequenz der Fachgruppen und damit nach der Wahrscheinlichkeit, dass ein Arzt Arbeit mit einem Medikationsplan hat, gewählt worden.

Ein Kardiologe etwa, der 1500 Patienten im Quartal hat, bekommt durch den Zuschlag ein zusätzliches Honorar von knapp 300 Euro (zwei Punkte je Fall), die sozusagen pauschal für einen angenommenen Aufwand durch Medikationspläne vergütet werden.

Außerdem legten KBV und Kassen fest, in welchen Fällen Patienten einen Medikationsplan erhalten sollen. Demnach sind Hausärzte zum Ausstellen von Medikationsplänen verpflichtet, wenn die Patienten ihren Anspruch, den sie laut Gesetz haben, erheben.

KBV und Kassen haben die Voraussetzung für den Anspruch insofern präzisiert, als Patienten „drei verordnete systemisch wirkende Medikamente“ über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen anwenden.Fachärzte sind nur dann verpflichtet, den Medikationsplan zu erstellen, wenn der Versicherte keinen Hausarzt hat.

Der erstausstellende Arzt ist zur weiteren Aktualisierung verpflichtet. Aktualisierungen durch andere Ärzte sind ebenfalls möglich. Laut Gesetz können auch Apotheker den Plan auf Wunsch des Versicherten aktualisieren.

Die Reaktionen auf die Entscheidung zum Honorar fallen teils drastisch aus. „Lachhaft“ sei ein Honorar von maximal einem Euro im Quartal, äußerte sich Dr. Hans-Friedrich Spies, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“, ganz zu schweigen von den 20 Cent pro Behandlungsfall für Kardiologen.

„Das Honorar für den Medikationsplan müsste bei den Ärzten ankommen, die auch die Arbeit damit haben“, so Spies. Bei dieser Systematik sei das aber überhaupt nicht gegeben. Gerade Internisten bekämen häufig Überweisungsfälle zur Mitbehandlung, um die Medikation zu überprüfen. Das werde nicht abgebildet.

[26.09.2016, 12:07:32]
Karlheinz Bayer 
money for nothing?

Und wo bleiben die chicks for free? Wenn es doch gelungen ist, daß Herr Hartz (der Erfinder von Hartz IV und inzwischen vorbestraft unbd in politische Ungnade gefallen) den VW-Gewerkschaftlern Bordellbesuche zu zahlen, um sie gefügug zu machen, warum speist denn Herr Gröhe uns mit einen Nicht-einmal-Taschengeld ab für einen Flopp, den keiner will, aber alle machen sollen.
Mann, wo sind wor hingekommen! zum Beitrag »
[26.09.2016, 12:06:55]
vlad arghir 
…Eierkuchen
Im Supermarkt kosten Eier von ungestreßten Hühnern ca 1€ mehr. Medizinische Leistungen von ungestreßten Ärzten dürften auch etwas Wert sein. zum Beitrag »
[24.09.2016, 10:33:39]
Thomas Georg Schätzler 
"Haste mal 'nen Euro?"
Fragt der Arzt seine Kassenärztliche Vereinigung in Absurdistan. "Nö" sagt die, "aber 94 Cent hab' ich noch als Kleingeld übrig. Und das muss aber auch für ein Quartal, also 3 Monate reichen, Du Beutelschneider!"

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[24.09.2016, 10:07:03]
Dr. Henning Fischer 
@Bernhard Fries: " Solch eine Dreistigkeit gab es in 15 Jahren Kassenmedizin noch nicht"

doch gab es. Auch davor z.B. EBM 2000, 2000 plus ect. Alles nur Konstrukte, um uns zu betrügen.

Verantwortlich: KBV, insbesondere deren Vorsitzende Köhler und Gassen.

Hallo Nachwuchs, aufgepaßt: die Ausbeutung der (Haus-)Ärzteschaft hat einen neuen Höhepunkt erreicht: tut Euch das nicht an!
 zum Beitrag »
[23.09.2016, 21:34:10]
Bernhard Fries 
Veralbern können wir uns selbst
Es wäre fast zum Lachen, eine Satire, wüssten wir als Hausärzte nicht, dass dies ernst gemeint ist. Jedes Wort dazu ist zuviel, der Bundeseinheitliche Medikationsplan damit schon vor Inkrafttreten gescheitert.
Sich von seiner Standesvertretung auch noch veralbern und für dumm verkaufen lassen zu müssen ist unsäglich und schürt Frust, Resignation.

Danke für Nichts, freuen wir uns auf sicher fürstlich honorierte z.B. Online - Anwendungen, Stammdatenabgleich etc.  zum Beitrag »
[23.09.2016, 16:24:49]
Bernhard Fries 
Eine bodenlose Frechheit
Es ist eingetreten was zu befürchten war - quasi zum Nulltarif müssen Hausärzte neue erhebliche Pflichten erfüllen. Und was hieß es nicht im Vorfeld - den Mediplan gibt es nicht zum Nulltarif, er erfordert eine adäquate Vergütung ...
IST DAS ADÄQUAT ???? Auch mehrmals pro Quartal Medikamente erfassen, eingeben, ausdrucken, erklären, für einen !! Euro ???? Ein Unding.

Hinzu kam heute das Schreiben der Softwarefirma, das Modul Mediplan muß demnach nach 8 Wochen Probezeit käuflich erworben werden. Kosten ca. 400 Euro für 2 Ärzte.

Spätestens heute habe ich jeglichen Glauben an die KBV und deren Vertreter verloren. Für dieses Angebot von 1 ! Euro darf die Quartalsbelastung keine volle Minute betragen !!! Das ist einfach betriebswirtschaftlich nicht darstellbar und grenzt an Verdummung der gesamten Hausärzteschaft. Dazu die unsäglichen Worthülsen "adäquate Vergütung muss gewährleistet sein" - was soll denn das ?

Das weist wohl auch darauf hin, wieviel Entlohnung wir für das Handling der E-Card werden erwarten können ....


Ich bin sprachlos. Fassungslos. Ungläubig. Solch eine Dreistigkeit gab es in 15 Jahren Kassenmedizin noch nicht.


Glauben die KBV und die Kassen wirklich, dass wir Hausärzte zu diesen Konditionen das Projekt Mediplan aktiv betreiben werden? Na ja....

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