Ärzte Zeitung, 22.06.2016

Studie

Web-Coaching hält ältere Patienten fit

Eine niederländische Studie belegt: Multimorbide, inaktive Patienten über 60 Jahre profitieren schon nach wenigen Wochen von internet-basierten Bewegungsprogrammen.

NEU-ISENBURG. Fitnesstracker und Apps, über die die sportliche Aktivität gemessen wird, sind im Trend. Dass sich die neuen technischen Werkzeuge auch tatsächlich sinnvoll in der Therapie oder zur Förderung der Compliance nutzen lassen, belegt eine Studie der niederländischen Forscher Karen Broekhuizen und Simon P. Mooijaart vom Leiden University Medical Center.

In einem dreimonatigen Programm ließen die Forscher zwei Gruppen multimorbider und im Alltag eher inaktiver Patienten im Alter von 60 bis 70 Jahren gegeneinander antreten: Die Interventionsgruppe (119 Teilnehmer) nahm an einem internet-basierten Aktivitätsprogramm teil, die Kontrollgruppe (116 Teilnehmer) machte weiter wie bisher - also mit wenig Bewegung. Wobei Diabetespatienten nicht zur Studie zugelassen wurden (J Med Internet Res 2016; 18(4):e74).

Dabei wurden die Patienten in der Interventionsgruppe mit einem kommerziell erhältlichen Fitnessprogramm ausgestattet. Zu dem Programm gehörte eine personalisierte Website, über die der Patient einen auf ihn zugeschnittenen Aktivitätsplan erhielt. Außerdem wurde ihm vom Anbieter ein persönlicher Coach zugewiesen, mit dem er via E-Mail in Kontakt treten konnte. Andersherum konnte auch der Coach per E-Mail Empfehlungen zum Training geben.

Über einen sogenannten Aktivitätsmonitor, der am Handgelenk getragen wird, wurde zudem die tatsächliche Bewegungsaktivität des Nutzers gemessen. Um die Daten zusätzlich zu validieren, hatten die Forscher das Aktivitätspotenzial allerdings wöchentlich im Studienzentrum mit einem von der Website und dem Anbieter unabhängigen Bewegungsmesser kontrolliert.

Die Patienten der Interventionsgruppe erhielten dabei tägliche Bewegungsziele, die wöchentlich gesteigert wurden. Nach drei Monaten zeigte sich, dass sich die Lebensqualität und der Gesundheitszustand der Patienten im Online-Bewegungsprogramm signifikant gegenüber der Kontrollgruppe verbesserte. Das beinhaltete laut der Forscher nicht nur die tatsächliche körperliche Fitness, sondern auch die mentale Gesundheit und Zufriedenheit der Patienten. 42 Prozent der Patienten in der Interventionsgruppe erreichten auch tatsächlich ihre mit dem Web-Coach gesteckten Bewegungsziele. In dieser Gruppe war der Erfolg bei der Verbesserung der Lebensqualität noch einmal besser als bei den Patienten, die ihre Bewegungsziele nicht ganz erreichten.

Die Forscher räumen allerdings ein, dass die Daten nicht umstandslos auf alle älteren Patienten übertragbar sind. Denn Voraussetzung der Teilnahme war, dass die Patienten mit dem Internet umgehen können. Dies habe zumindest in der Studie dazu geführt, dass die Teilnehmer über ein relativ hohes Bildungsniveau verfügten. Allerdings wird das Internet zumindest für die nachfolgenden Generationen immer mehr zum Alltag - ganz unabhängig vom Bildungsstand. (reh)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »