Ärzte Zeitung, 10.03.2015

Niedergelassene Chirurgen

Praxisabgabe gefährdet!

Chirurgen in Praxen sehen der Novellierung der Muster-Weiterbildungsordnung mit großer Skepsis entgegen.

NÜRNBERG. Der Bundesverband Niedergelassener Chirurgen (BNC) fürchtet um die Chancen seiner Mitglieder, in Zukunft geeignete junge Praxisnachfolger zu finden, wenn eine Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) wie derzeit vorgesehen in Kraft tritt.

Dahingehende Bedenken äußerte der BNC-Vorsitzende Dr. Christoph Schüürmann vor Kurzem in Nürnberg auf dem gemeinsam mit dem Bundesverband Ambulantes Operieren organisierten Bundeskongress Chirurgie.

"Die geplante Abschaffung des Facharztes für Allgemeine Chirurgie im Zuge der MWBO-Novellierung würde dazu führen, dass die nachfolgende Chirurgengeneration nicht die erforderlichen Qualifikationen mitbringt, um unsere Praxen zu übernehmen und die Patientenversorgung flächendeckend aufrecht zu erhalten", warnte Schüürmann.

Die neu zugeschnittenen, deutlich stärker spezialisierten Facharztbezeichnungen wären nach Ansicht des BNC inkompatibel mit der Niederlassung als chirurgischer Vertragsarzt, denn diese verlange eine breite Ausbildung mit Inhalten aus der allgemeinen und aus der Bauchchirurgie ebenso wie aus der Orthopädie und Unfallchirurgie.

"Von vielen Seiten wird behauptet, die Novellierung diene der Harmonisierung auf europäischer Ebene, doch tatsächlich gibt es in der EU keine Bestrebungen, den Facharzt für Allgemeine Chirurgie abzuschaffen", gab Schüürmann zu bedenken und versprach seinen Kollegen, gegenüber Politik und der ärztlichen Selbstverwaltung intensiv für eine Kurskorrektur in diesem Punkt einzutreten.

Der Kongressleiter Dr. Stephan Dittrich kritisierte unterdessen die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens, die es dem einzelnen Arzt erschwere, seinen originären Aufgaben gerecht zu werden und frei und unabhängig ärztlich zu handeln.

Auch BAO-Präsident Dr. Axel Neumann sorgt sich um die ärztliche Freiberuflichkeit und kündigte öffentlichkeitswirksame Proteste seines Verbandes für die kommenden Monate an.

Die jüngsten gesundheitspolitischen Entwicklungen - angefangen vom Versorgungsstärkungsgesetz über die inzwischen auf Eis gelegte Arbeitsstättenverordnung bis hin zu immer weiter ausufernden Hygiene- und Dokumentationsauflagen - "behindern die Arbeit der ambulanten OP-Zentren zum Nachteil der Patienten und bedrohen wichtige ambulante Versorgungseinrichtungen in ihrer Zukunftsplanung in den großen Städten", so Neumann.

Nach sechs Jahren als Kongressleiter wurde Dittrich aus seinem Amt verabschiedet und übergab an BNC-Vorstand Dr. Michael Bartsch. (maw)

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