Samstag, 1. November 2014
Ärzte Zeitung online, 28.03.2014

App auf Rezept

Barmer bezahlt internetbasierte Behandlung

Eine Therapie via Internet? Mit ärztlicher Begleitung durchaus!, sagt zumindest die Barmer GEK. Sie hat jetzt einen Vertrag mit einem Netz von Augenärzten geschlossen, um Kindern mit Amblyopie zu helfen.

Barmer bezahlt internetbasierte Behandlung

Kinder mit Amblyopie sollen spielerisch ihre Augen trainieren, damit das geschwächte Auge im Erwachsenenalter eine ausreichende Sehkraft hat.

© Barmer GEK

BERLIN. Das Internet spielt eine immer gewichtigere Rolle in der Medizin. Erstmals hat nun eine Krankenkasse angekündigt, die Kosten einer ärztlich verordneten Therapie über das Internet zu übernehmen.

Damit können Kinder mit Amblyopie am Bildschirm die Sehkraft ihres geschwächten Auges trainieren. Für Augenärzte ergeben sich zusätzliche Einnahmemöglichkeiten.

Vorreiter beim Einsatz des neuen Therapiebausteins ist die Barmer GEK. Etwa 12.000 ihrer jungen Versicherten zwischen vier und zwölf Jahren sind von Amblyopie betroffen. Mit etwa 500 bis 1000 Einsätzen wird im ersten Jahr gerechnet. Start ist am 1. April.

Bundesweit tritt Amblyopie bei rund fünf Prozent der Kinder auf. Sie kann zum Beispiel entstehen, wenn Kinder schielen, eine Brille benötigen oder das optische System getrübt ist.

Vier Termine binnen 90 Tagen

Die Kasse hat dazu einen Vertrag mit dem bundesweiten Netz von Augenärzten "Ocunet" geschlossen. Die Verordnung und insgesamt vier Termine binnen 90 Tagen vergüte die Barmer mit 145 Euro, berichtete Nicolaus Widerna, Geschäftsführer des Anbieters "Caterna", beim 9. Gesundheitsnetzwerkerkongress in Berlin.

Die an dem Vertrag beteiligten Augenärzte verordnen die "App auf Rezept" auf Basis der individuellen Patientendaten und begleiten die kleinen Patienten durch die dreimonatige Behandlungszeit.

Caterna ist ein Gesundheits-Start-up. Das Berliner Unternehmen hat die webbasierte Stimulationstherapie auf der Basis von Vorarbeiten der Technischen Universität Dresden entwickelt. An dem Therapiebaustein seien inzwischen noch mehr Kassen interessiert, sagte Widerna.

Okklusionstherapie bleibt Standard

Üblicherweise wird Kindern mit dieser funktionellen Sehschwäche zeitweise das gesunde Auge abgeklebt, um das geschwächte Auge zu trainieren.

Dies soll laut einer Mitteilung der Barmer GEK auch so bleiben. Erst wenn dieser Behandlungsschritt nicht zu spürbaren Erfolgen führe, solle die "App auf Rezept" zum Einsatz kommen.

Ärzte versprechen sich davon mehr Akzeptanz bei den kleinen Patienten, die gleichzeitig am Computer spielen und dabei das geschwächte Auge trainieren.

Während der Therapiesitzungen am Bildschirm wird das Auge durch Lichtreize stimuliert, die auf dem Monitor erscheinen. Um die Konzentration aufrecht zu erhalten, ist die Stimulation kombiniert mit speziellen Computerspielen. (af)

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