Ärzte Zeitung, 02.07.2008

Familienunternehmen mit Tradition

Hennig Arzneimittel wird in diesem Jahr 110 Jahre alt / Die Zeichen stehen auf Expansion und Internationalisierung

FLÖRSHEIM AM MAIN (de). "Seit 1898 im Dienste der Gesundheit" - unter diesem Motto präsentierte sich das prosperierende Familienunternehmen Hennig Arzneimittel (Flörsheim am Main) bei seinem Jubiläum aus Anlass des 110-jährigen Bestehens.

Die Hennig-Führungscrew (v.l.): Holger Schleenhain, Dr. Kai Schleenhain, Wolfram Schleenhain.

Originelle Spiegel-Perspektive: Die Hennig-Firmenzentrale in Flörsheim bei Frankfurt am Main.

Fotos: Hennig Arzneimittel

Der Generalbevollmächtigte Gesellschafter Dr. Kai Schleenhain wies bei einer Pressekonferenz auf die Kernkompetenz des Unternehmens im Bereich Schwindel und Gleichgewichtsstörungen hin. Hauptumsatzträger ist hier das Originalpräparat Arlevert® (Wirkstoffe Cinnarizin und Dimenhydrinat), das erst im vergangenen Jahr die EU-weite Zulassung erhielt und für die nächsten zehn Jahre Markenschutz genießt.

Mit diesem Antivertiginosum sei es zu einer vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen Industrie und Klinikern gekommen, betonte Prof. Dr. Wolfgang Stoll, Direktor der HNO-Klinik Universitätsklinikum Münster, in seiner Festrede. So konnte die klinische Überprüfung der Wirksamkeit an verschiedenen Zentren randomisiert und doppelblind gemacht werden. In "beeindruckender Deutlichkeit" habe nachgewiesen werden können, dass das Kombinationspräparat Arlevert® im Vergleich zu Einzelwirkstoffen überlegen sei, so Stoll.

Lobend äußerte sich Stoll über den erstmals 2002 verliehenen Hennig-Vertigo-Preis, mit dem junge Wissenschaftler für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Vestibularisdiagnostik ausgezeichnet werden. Wissenschaftliche Anerkennung genössen auch die Hennig-Symposien, betonte Stoll. Das 7. derartige Symposium findet im November unter dem Titel "Hören und Gleichgewicht - Im Blick des gesellschaftlichen Wandels" in Heidelberg statt.

Zwar nennt das Unternehmen keine Umsatzzahlen, aber offensichtlich kann sich Hennig gut im Markt behaupten. So stieg die Zahl der Mitarbeiter seit dem Jahr 2000 von 189 auf heute 272, davon 88 im Arzt-Apotheken-Außendienst. Jährlich werden 800 Millionen Tabletten produziert, davon 300 Millionen eigene Produkte. Zusätzlich werden noch Granulate, Pulver und Pellets hergestellt.

Je ein Drittel der Umsätze entfallen auf Originalpräparate, auf Generika und auf die Lohnherstellung. Zusätzliche Bedeutung gewinnt das Unternehmen auch für die Apotheken. So wurden inzwischen in fast allen Bundesländern Rabattverträge mit der AOK geschlossen, weitere Abkommen bestehen mit IKKen und der Bahn-BKK.

In der Auftragsfertigung hat sich Hennig auf Darreichungen mit zeitlich verzögerter Wirkstofffreisetzung spezialisiert. "Alle großen Generika-Unternehmen lassen diese Darreichungen bei uns produzieren", stellte Schleenhain fest.

International will sich Hennig ein weiteres Standbein aufbauen. Arlevert® soll zukünftig in Süd- und Mittelamerika und in Osteuropa bis Russland zugelassen werden. Schleenhain erwartet, dass sich der Exportanteil von heute knapp fünf Prozent innerhalb von fünf bis zehn Jahren auf 25 Prozent des Umsatzes steigern lässt.

Das Unternehmen wurde 1898 von dem Chemiker Max E. Hennig gegründet. Als dieser im August 1945 starb, übernahm sein langjähriger Mitarbeiter Kurt Moschner die Nachfolge und baute den kurz vor Ende des 2. Weltkrieges zerstörten Betrieb in Ost-Berlin wieder auf. Als er enteignet werden sollte, gründete Moschner zusammen mit Mitarbeitern das Unternehmen in Flörsheim am Main neu. Moschner starb 1984. Heute führen seine Tochter Helga Schleenhain, ihr Ehemann Wolfram Schleenhain und die Söhne Holger und Kai das Familienunternehmen.

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