Ärzte Zeitung, 04.09.2008

Alt, aber gesund - diese Mitarbeiter brauchen die Unternehmen

In einigen Jahren wird der Großteil der Arbeitnehmer 50 Jahre und älter sein. Betriebliche Gesundheitsförderung ist deshalb wichtig. Was alles dazugehören kann, zeigt das Beispiel von Rewe.

Von Anja Krüger

Die Verkäuferin war empört. Energisch rannte sie dem Ladendieb hinterher - und holte ihn ein. Der Dieb erstach die Verkäuferin. Wegen eine Ware im Wert von 17,98 Euro hatte sie ihr Leben geopfert. "So etwas darf nicht passieren", sagte Horst Zöller, Bereichsleiter Sozialwesen der Rewe Group, bei einer Veranstaltung des gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CDU Nordrhein-Westfalen.

Doch in einem Laden der Rewe-Group ist genau das vor einigen Wochen geschehen. Dabei versuchen die Verantwortlichen des Einzelhandelskonzerns dem Personal immer wieder klar zu machen, dass Heldentum dieser Art nichts bringt. Diese Botschaft in der Belegschaft zu verankern, gehört zum betrieblichen Gesundheitsmanagement der Gruppe und wird immer wichtiger. "Weil die Banken immer bessere Sicherheitsvorkehrungen treffen, werden Läden immer häufiger Opfer von Überfällen", sagte Zöller.

Zur Rewe-Group gehören rund 210 000 Mitarbeiter. "Betriebliche Gesundheitsförderung ist keine Sozialromantik, sondern ein Wettbewerbsfaktor", sagte Zöller. Senkt der Konzern den bezahlten Krankenstand um 0,1 Prozent im Jahr, spart er 2,5 Millionen Euro. Außerdem: Gesunde Mitarbeiter sind auch bessere Mitarbeiter.

Die Gesundheitsförderung spart Betrieben richtig viel Geld.

Aus diesem Grund hat der Konzern einige Neuerungen eingeführt, um Arbeitsunfälle oder unnötige Belastungen der Beschäftigten zu vermeiden und ihre Gesundheit zu fördern. Dazu gehören Schulungen für das richtige Verhalten bei Überfällen und die psychologische Betreuung nach einem Raub.

Im April hat der Konzern eigens einen Betriebsarzt eingestellt, der die verschiedenen Initiativen zur Förderung der Gesundheit koordinieren soll. Das Thema wird für das Unternehmen auch vor dem Hintergrund des auf 67 Jahre heraufgesetzten gesetzlichen Renteneintrittsalters für Arbeitnehmer immer wichtiger. "Wir müssen heute etwas tun, damit auch die jetzt 30-Jährigen in 30 Jahren noch arbeiten können", sagte er.

Der Konzern will sich einen Überblick über den Gesundheitszustand seiner Mitarbeiter verschaffen. Gemeinsam mit zehn Krankenkassen, die zusammen mehr als 70 Prozent aller Beschäftigten versichern, erstellt das Unternehmen zurzeit einen Gesundheitsbericht. Neben einem Gesamtbericht für die Gruppe wird es Segmentberichte geben, damit vor Ort geeignete Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ergriffen werden können. Damit Beschäftigte nicht identifizierbar sind, sind an dem Projekt nur Kassen beteiligt, die mehr als 50 Rewe-Mitarbeiter versichern.

"Die meisten Fehltage gehen auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurück", berichtete Zöller. Rewe beteiligt sich deshalb am "Naprima-Projekt" (Nachhaltige Präventionskonzepte zur Reduzierung von Muskel-Skelett-Erkrankungen in dezentralen Strukturen) und anderen von der Bundesregierung unterstützten Präventionskampagnen etwa zum Hautschutz. Beispielsweise beeinträchtigt bei Verkäufern an Fleisch- und Käsetheken das permanente Tragen von Handschuhen die Haut. "Das Benutzen einer Gabel ist genauso hygienisch", sagte Zöller.

Der Konzern bietet dem Personal Bewegungs- und Entspannungsprogramme an. Auch Massagen können die Beschäftigten in Anspruch nehmen. Dabei hat das Unternehmen die Erfahrung gemacht, dass es sich nicht bewährt, wenn der Arbeitgeber die gesamten Kosten übernimmt und die Angestellten nichts bezahlen. Schließlich nützen die besten Maßnahmen nichts, wenn die Mitabeiter weiterhin in ihrer Freizeit an den ungesunden Gewohnheiten festhalten.

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