Ärzte Zeitung, 15.09.2008

Google - von der Garagenklitsche zum riesigen Datenmoloch

Eine reine Internet-Suchmachine ist Google längst nicht mehr. Das schürt trotz Service viele Ängste. Denn Google sammelt fleißig Daten. Die Frage ist, wofür?

Von Christoph Dernbach

Als Larry Page und Sergey Brin im September 1998 Google gründeten, planten sie nicht nur den Aufbau einer Internet-Suchmaschine. Schon damals entwickelten die beiden Studenten der kalifornischen Elite-Universität Stanford die Vision von einem Service, mit dem man alle verfügbaren Informationen auf der Welt organisieren und universell zur Verfügung stellen kann.

Millionen von Anwendern schätzen heute die Qualität und Nützlichkeit der Google-Dienste und können sich ein Online-Leben ohne Google kaum vorstellen. Unter Informatikern gilt Google als Top- Arbeitgeber, und das nicht nur, weil Getränke und Essen kostenlos serviert werden. Doch was unzählige Internet-Nutzer fasziniert, löst bei manchen auch abgrundtiefe Ängste aus. Kritiker warnen vor einem Wissensmonopol des Konzerns und dem Missbrauch der von Google gespeicherten Daten.

"Google beherrscht den Markt von Suchmaschinen, Geosoftware und sozialen Netzen immer stärker", sagt Max Mühlhäuser, Professor an der TU Darmstadt. "Nun kommt der Angriff auf die Browser, und der Angriff auf Betriebssysteme und Standardsoftware sowie Mobiltelefone ist schon quasi eingebaut."

Mühlhäuser stört sich vor allem an einer mangelnden Offenheit des US-Konzerns. "Google ist einerseits eine hochinnovative Firma, die die IT-Branche nach vorne peitscht. Andererseits ist mir als Informatiker in 25 Jahren kein Unternehmen begegnet, das eine so konsequente Abschottungspolitik betrieben hat", sagt der Wissenschaftler. Google beteilige sich bewusst nur minimalistisch am weltweiten Austausch von Forschungsergebnissen. Von Google angeworbene Mitarbeiter verschwänden förmlich in einem schwarzen Loch, was die fachliche Kommunikation angehe.

Die Kritik betrifft aber auch die Google-Dienste: So klagt die Organisation Privacy International, dass das Unternehmen massiv den Datenschutz unterlaufe. Besonders kritisch sei etwa, dass Google den Text von E-Mails in Googlemail auswertet, um kontextbezogene Werbung zu platzieren.

Kritiker wie der österreichische Journalist Gerald Reischl, Autor des Buches "Die Google-Falle", sehen allein in der Masse der Daten, die der Internetgigant auf seinen Servern speichert, ein Problem. "Google ist dabei, der weltweit größte Herausgeber, Händler und Archivar von Informationen zu werden", sagt Reischl. Doch nur die wenigsten Nutzer wüssten, wo genau die Suchmaschinenfirma überall ihre Finger im Spiel hätte. (dpa)

In zehn Jahren zum Weltkonzern

  • 1995-1998: Larry Page und Sergey Brin lernen sich an der Elite-Universität Stanford kennen und arbeiten gemeinsam an einer Suchmaschine.
  • 7. September 1998: Gründung der Google Inc. Das Unternehmen zieht in eine Garage in Menlo Park, Kalifornien. Die vorläufige Google-Version beantwortet täglich 10 000 Anfragen.
  • 21. September 1999: Die Suchmaschine erhält den endgültigen Status. Dank einer Kooperation mit AOL nutzen täglich drei Millionen Nutzer die Suche.
  • 2000: Start der Werbeplattform AdWords, deren Erlöse heute rund zwei Drittel des Umsatzes bilden.
  • September 2002: Der Suchdienst Google News für Nachrichten geht online.
  • April 2004: Der E-Mail-Dienst Googlemail geht an den Start.
  • 19. August 2004: Börsengang
  • Februar 2005: Ankündigung des Karten-Dienstes Google Maps.
  • Oktober 2006: Google kauft das führende Videoportal YouTube.
  • November 2007: Google kündigt den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft an. Gemeinsam mit Telekommunikations- und Technologieunternehmen - darunter die Deutsche Telekom - will man das Handy- Betriebssystem Android entwickeln.
  • September 2008: Der Internet-Browser Chrome geht in einer Beta-Version an den Start.

Lesen Sie dazu auch:
Google Health: Altruismus oder Datenhandel?

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