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Plädoyer für die Einlagerung von Nabelschnurblut

In einem aktuellen Konsensuspapier halten Stammzellexperten aus fünf europäischen Ländern ein Plädoyer für die Nutzung von Nabelschnurblut zur Gewinnung und Einlagerung von Stammzellen.

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Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur werden immer begehrter.

Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur werden immer begehrter.

© Foto: Thorsten Lorenz www.fotolia.de

MAASTRICHT (eb). Frisch gebackene Eltern haben schon seit einigen Jahren die Möglichkeit zur Kryokonservierung von Stammzellen ihrer Sprösslinge. Früher wurde das mit Vollblut aus der Nabelschnur gemacht. Heute lagern Zellbanken die Stammzellen der Nabelschnur direkt ein. Mehrere private Unternehmen bieten entsprechende Dienstleistungen. Und: Es gibt öffentlich finanzierte Nabelschnurblutbanken an Unikliniken sowie halböffentliche Stammzellbanken, die öffentliches und privates Engagement verknüpfen.

Bei einer Konsensus-Konferenz der International Tissue Engineering Research Association (ITERA) Ende 2008 in Maastricht kamen acht Stammzellexperten aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Großbritannien zusammen, um eine gemeinsame Stellungnahme zu Einlagerung und Nutzung von Nabelschnurblut zu Papier zu bringen. Von deutscher Seite beteiligt waren Dr. Christof Stamm vom Deutschen Herzzentrum Berlin und Dr. Karen Bieback vom Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie der Fakultät für Klinische Medizin der Uni Heidelberg in Mannheim.

Stammzelltherapie bei mehr als 80 Erkrankungen genutzt

Die Experten stellen fest, dass derzeit bei 85 Erkrankungen eine Therapie mit hämatopoetischen oder mesenchymalen Stammzellen möglich ist - Tendenz steigend. Die Isolation und Kryokonservierung von Nabelschnurblut als Quelle autolog oder allogen genutzter hämatopoetischer Stammzellen und der Nabelschnur selbst als einer guten Quelle mesenchymaler Stammzellen sei vor diesem Hintergrund sehr sinnvoll. "Die Nabelschnur und das Nabelschnurblut sind die am einfachsten zugängliche Quelle von Stammzellen. Sie gelten im Vergleich zu Stammzellen anderer Quellen als vitaler und haben sich in einigen Fällen als therapeutisch wirksamer erwiesen", betonte Professor Colin McGuckin vom North-East England Stem Cell Institute der Uni Newcastle. Er war als Präsident des internationalen Forschungskonsortiums Novus Sanguis im ITERA-Expertenpanel vertreten.

In Teilen der medizinischen Fachöffentlichkeit wird die Kryokonservierung von Nabelschnurblut derzeit noch diskutiert. Jedoch monieren Kritiker nicht so sehr die Konservierung per se: Nabelschnurblut wird auch an mehreren Unikliniken kryokonserviert und therapeutisch genutzt, oft im Zusammenhang mit allogenen Stammzell-Transplantationen in der Hämatologie, bei denen Spender und Empfänger verschieden sind. Kritisiert wird eher, dass die Einlagerung teilweise zu kommerziell geschieht. Das ITERA-Expertenpanel geht im Konsensuspapier auch darauf explizit ein und nimmt die kommerzielle Einlagerung von Nabelschnur und Nabelschnurblut in Schutz. So sei zu erwarten, dass die therapeutischen Einsatzbereiche autologer Stammzellen mit wachsendem Wissen über Stammzellen stark zunehmen dürften, sodass eine präventive Einlagerung von Stammzellen für Betreffende mittelfristig als sehr lohnende Investition erscheint.

Größter privater Anbieter von Nabelschnurblut-Stammzellbanken in Europa ist das Unternehmen Cryo-Save. Es hat Mitte März 2009 bei einem deutschen Kind aus Osterode im Harz die 100 000ste Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut vorgenommen. Aus diesem Anlass ging der Deutschen Kinderkrebsstiftung eine Spende in Höhe von 2500 Euro zu.

Konsensus-Papier: www.itera-ls.org

Cryo-Save

Cryo-Save ist die führende europäische Stammzellbank. Das Unternehmen kooperiert mit fünf europäischen Universitäten und mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert. Es ist in 38 Ländern auf drei Kontinenten vertreten. Es ist auch beteiligt am EU-geförderten CRYSTAL-Projekt, einem internationalen Forschungsprojekt zur Kryokonservierung von Stammzellen für therapeutische Zwecke. (eb)

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