Ärzte Zeitung, 31.07.2009

Schutzverband warnt vor neuer Welle des Adressbuchschwindels

Die Zahl der dubiosen Branchendienstanbieter soll in den letzten sechs Monaten so stark gestiegen sein wie sonst in einem ganzen Jahr.

Ärzte und Unternehmer haben mit einer neuen Welle des Adressbuchschwindels zu kämpfen. "Wir haben seit einigen Wochen eine drastische Zunahme von Beschwerden zu verzeichnen", erklärt Dr. Reiner Münker, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Schutzverbands gegen Wirtschaftskriminalität (DSW). Dabei hat laut Münker auch die Zahl der dubiosen Anbieter deutlich zugenommen: "Während wir in den Vorjahren insgesamt jeweils rund 50 verschiedene Anbieter feststellen konnten, ist diese Anzahl jetzt schon nach einem halben Jahr erreicht."

Da die Adressbuchschwindler gerne öffentliche Verzeichnisse durchgehen, sind Ärzte, die sich gerade erst niedergelassen haben oder in eine andere Praxis umgezogen sind, häufiges Ziel fingierter Rechnungen. Aber auch Ärzte, die schon länger niedergelassen sind, erhalten immer wieder Post von Adressbuchschwindlern: Auch hier sind es Rechnungen für Einträge in Adress- und Branchenverzeichnissen, die nur im Kleingedruckten offenbaren, dass sie eigentlich nur ein Angebot sind.

Münker rät daher, jede Rechnung auf ihre Berechtigung hin zu prüfen. "In der Regel erhalten Sie nichts kostenlos, sondern verpflichten sich zur Zahlung hoher Beträge, die nur im Kleingedruckten zu finden sind." Er weist aber auch darauf hin, dass seriöse Adress- und Branchenbuchverlage eine transparentere Form der Kundenansprache betreiben würden. Hier würden die Eintragungskosten deutlich genannt. Trotzdem sollten alle Mitarbeiter in der Praxis sensibilisiert werden, ohne genaue Prüfung keine Unterschrift oder Zahlung zu leisten.

Wer dennoch auf den Adressschwindel hereingefallen sei, der sollte den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten, so Münker.

Aber nicht nur Arztpraxen, sondern generell alle Unternehmer, die in öffentlichen Verzeichnissen geführt werden, sind von derartigen Abzockmethoden betroffen. In der Wirtschaft entsteht nach DSW-Berechnungen dadurch jährlich ein Schaden im hohen dreistelligen Millionen-Bereich. (reh)

www.wettbewerbszentrale.de

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