Ärzte Zeitung, 18.06.2010

Mit einem Medizinstudium öffnen sich viele Türen

So mancher junge Arzt sucht nach Alternativen zum klassischen Arztberuf. Medizincontroller, Pharmamitarbeiter, Medizinjournalist - wer sich auf die Suche macht, findet einige attraktive Berufsmöglichkeiten abseits von Klinik und Arztpraxis.

Von Uschi Armstrong

Mit einem Medizinstudium öffnen sich viele Türen

Die Forschung - hier die Reproduktionsmedizin - ist auch für Ärzte ein interessantes Aufgabenfeld.

© Jochen Tack / imago.com

  • Medizinökonomie und -controlling:
  • Medizinökonomen sind dafür verantwortlich, dass die medizinischen Abteilungen eines Krankenhauses wirtschaftlich arbeiten, erklärte der Hämatologe und Onkologe Dr. Karl Huber, seit acht Jahren der Qualitätsmanagement-Beauftragte des Uniklinikums Regensburg unlängst auf dem Internistenkongress. Es geht um die Schnittstelle zwischen Ärzten und Verwaltung. 82 Prozent dieser Abteilungen werden von Ärzten geleitet. Interessenten sollten Fachärzte sein. Eine kaufmännische Zusatzqualifikation ist sinnvoll. Vorteile: Die Tätigkeit sei gut mit dem Familienleben zu vereinbaren, so Huber. Der Verdienst sei gut, das Mindestgehalt entspreche dem eines Oberarztes. Außerdem sei es relativ einfach, in den klassischen Arztberuf zurückzukehren.

  • Pharmaindustrie:
  • Die Pharmaindustrie sucht gute ärztliche Mitarbeiter. Für sie gebe es viele interessante Tätigkeitsfelder, so Dr. Roland Greinwald von Falk Pharma. Eine Domäne für Ärzte sei etwa die klinische Forschung. Wer sich für einen Job in der Pharmaindustrie interessiert, sollte sich wirklich klar machen, dass er damit den Kontakt zu Patienten aufgibt, dass er sich häufig auf enge Spezialgebiete einlasse und dass die Pharma-Forschung wirtschaftlichen Zielen unterliege. Auf der anderen Seite werden aber eine geregelte Arbeitszeit und ein gutes Gehalt geboten.

  • Humanitäre Hilfe:
  • "Bei uns ist es genau umgekehrt: Wir haben Patientenkontakte en masse, aber das Gehalt ist eher nicht so gut", sagte Dr. Tankred Stöbe vom Vorstand der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF). Voraussetzungen für eine Mitarbeit bei MSF sind mindestens zwei Jahre Berufserfahrung (bei Ärzten 18 Monate), Reiseerfahrung im Entwicklungsland, Bereitschaft, unter instabilen Bedingungen zu arbeiten, gute Englischkenntnisse und eine Verfügbarkeit von 6 bis 12 Monaten. Zu Anfang gibt es eine monatliche Zahlung von 850 Euro. Auf lange Sicht wird es etwas mehr - Stöbe nannte es "kostenneutral".

  • Medizinjournalismus:
  • Medizinthemen werden in den Medien wichtiger, die Medizin- und Gesundheitsberichterstattung liege im Trend, sagte Anna Julia Voormann vom Thieme Verlag in Stuttgart. Gerade wegen ihres Fachwissens seien Mediziner als Journalisten gefragt. Doch journalistisches Handwerkszeug müsse in der Praxis oder in einem Zusatzstudium erlernt werden.

  • Sanitätsdienst der Bundeswehr:
  • Die Bundeswehr bietet viele Betätigungsfelder für junge Ärzte, etwa in den fünf Bundeswehrkrankenhäusern, aber auch in den Feldlazaretten und Rettungszentren bei den Auslandseinsätzen, berichtete Oberstabsarzt Dr. Bernd Henkel vom Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz. Die meisten Ärzte, die bei der Bundeswehr arbeiten, sind Soldaten. Es gibt gute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

  • Rehabilitationsklinik:
  • Moderne Rehakliniken setzen zum einen auf moderne Diagnostik und Therapie, aber auch sehr stark auf Physio-, Ergo-, Psychotherapie und Gesundheitstraining, so Dr. Alex Höfter, Leitender Arzt der Klinik Wendelstein in Bad Aibling. Auch Forschung wird in Rehakliniken betrieben. Die Arbeit in diesen Kliniken ist also nicht allzu weit weg von der in Akutkrankenhäusern. Einen Unterschied gebe es aber, so Höfter: mehr Lebensqualität. "In der Reha ist alles viel planbarer."

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