Ärzte Zeitung, 14.01.2011

Berlin-Brandenburg und München sind Biotechnologie-Spitzenreiter

Mehr als 500 Unternehmen sind in Deutschland fast ausschließlich mit Biotechnologie befasst. In Berlin und München ist die Ansammlung von Biotech-Unternehmen besonders groß.

Von Antonia von Alten

Berlin-Brandenburg und München sind Biotechnologie-Spitzenreiter

Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten - fast jedes zweite deutsche Biotech-Unternehmen ist damit befasst.

© Manuel Schäfer / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Die Regionen München und Berlin-Brandenburg sind Spitzenreiter in der deutschen Biotechnologie.

80 Unternehmen im Großraum München sind schwerpunktmäßig mit der Erforschung und Produktion von biotechnologischen Verfahren befasst, in Berlin-Brandenburg sind es sogar 82 - so viele wie in keiner anderen Region in Deutschland.

Das geht aus einer aktuellen Studie der Deutsche Bank Research hervor. Weitere große Cluster befinden sich in Heidelberg, dem Rheinland und der Rhein-Main-Region. Diese fünf Cluster vereinigen der Studie zufolge große Teile der Branche auf sich und ziehen Neugründungen und Kapital an.

Diese regionale Konzentration ist bei Biotech-Unternehmen weltweit zu beobachten. Die Verfasser der Studie erklären diese Entwicklung mit Vorteilen für die Firmen: Sie haben Zugriff auf spezialisierte Zulieferer, kommen leicht an Fachkräfte aus den nahegelegenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit neuester Laborausstattung.

Biotechnologie

Die Biotechnologie ist eine vielgenutzte Querschnittstechnologie. Mit ihr lassen sich neue Medikamente entwickeln, neue Pflanzensorten züchten oder Alltagsprodukte wie Waschmittel und Kosmetika effizienter herstellen. Zur Unterscheidung dieser verschiedenen Anwendungsgebiete hat sich eine Farbenlehre herauskristallisiert. So wird zwischen der roten, grünen und weißen Biotechnologie unterschieden: Rot steht für die Medizin, grün für die Landwirtschaft und weiß für die Industrie.

In nächster Nähe siedeln sich zudem Investoren und Fachanwälte an. In Berlin und Umgebung beispielsweise sind allein sechs Hochschulen und 19 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen auf dem Feld der Biotechnologie tätig - allen voran die Max-Planck-Institute und die Charité.

Die deutsche Biotechnologiebranche ist in den vergangenen 15 Jahren stark gewachsen. 1996 haben die deutschen Biotech-Unternehmen noch umgerechnet 300 Millionen Euro an Umsätzen erzielt. 2009 waren es schon zwei Milliarden Euro.

Für gut 45 Prozent der 531 dezidierten, das heißt fast ausschließlich mit Biotechnologie befassten Firmen war 2009 das Erforschen neuer Medikamente der Tätigkeitsschwerpunkt.

Damit ist die rote ( medizinische) Biotechnologie das bedeutendste Segment und lässt die weiße (industrielle) mit zehn Prozent und die grüne (landwirtschaftliche) Biotechnologie mit fünf Prozent weit hinter sich.

Deutsche wie internationale Pharmafirmen setzen der Studie zufolge auf die rote Biotechnologie. Der Grund: So können sie ihre Produktpipelines auffüllen. In den vergangenen zehn Jahren waren schon fast ein Viertel aller in Deutschland neu zugelassenen Pharmazeutika biotechnisch hergestellt.

Das Wachstum der Gesamtbranche ist beachtlich: Um neun Prozent ist der Umsatz der Biotech-Branche von 2005 bis 2009 jährlich gewachsen. Zum Vergleich: Im Chemie- und Pharmasektor wuchs der Umsatz von 2005 bis 2008 nur um fünf Prozent pro Jahr.

Nach Angaben der Unternehmensberatung Ernst && YYoung liegt Deutschland gemessen am Umsatz damit aktuell an dritter Stelle - nur die USA und Großbritannien sind voraus.

Die Wachstumsaussichten der Branche sind jedoch getrübt, da Wagniskapitalgeber ihr Engagement zwischen 2005 und 2009 deutlich zurückfuhren und so die wichtigste Quelle für Finanzmittel wegbrach.

2010 nahmen die Investitionen zwar wieder leicht zu; eine branchenweite Erholung ist aber nicht absehbar. Hilfreich könnte nach Ansicht der Studienautoren eine höhere Konzentration und mehr Kooperation sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »