Ärzte Zeitung, 25.02.2011

Finanzberater werden zum Sparringspartner

Die betriebswirtschaftliche Beratung von Ärzten und Apothekern rückt bei dem Anbieter MLP verstärkt in den Fokus. Dabei geht es häufig um Praxisabgabe oder die Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die eigene Apotheke.

Von Friederike Krieger

Finanzberater werden zum Sparringspartner

Auch Jungärzte suchen Rat bei Finanzprofis.

© Werner Heiber / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Das Jahr 2010 ist für den auf Ärzte, Apotheker und andere Akademiker spezialisierten Wieslocher Finanzvertrieb MLP durchwachsen verlaufen (wir berichteten kurz).

Trotz des Aufschwungs hielten sich die Kunden beim Kauf von Lebens- und Rentenversicherungen, dem Kerngeschäft von MLP, zurück. Viele scheuen es, sich langfristig zu binden. "Altersvorsorge erfordert Vertrauen in die Zukunft, und das ist anscheinend noch nicht gegeben", sagte Unternehmenschef Uwe Schroeder-Wildberg.

Die Provisionseinnahmen aus der Vermittlung von Lebensversicherungen sanken um 7 Prozent auf 288,3 Millionen Euro.

Finanzvertriebe wie MLP verkaufen für Versicherer, Banken und andere Anbieter Verträge gegen Provisionen. Während der Finanzkrise war das Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht.

MLP AG

Branche: MLP sieht sich als unabhängiger Finanz- und Vermögensberater in Deutschland mit der Hauptzielgruppe Akademiker und andere anspruchsvolle Kunden, darunter Ärzte und Apotheker. Verwaltetes Vermögen: über 19,8 Mrd. Euro.

Sitz: Seit 2001 Wiesloch bei Heidelberg. 1971 gründeten Eicke Marschollek und Manfred Lautenschläger MLP in Heidelberg als GbR. 1984 wird das Unternehmen zu einer AG.

Umsatz/Gewinn: Die Gesamterlöse lagen 2010 bei 49,7 Mio. Euro, der Konzernüberschuss bei 34,1 Mio. Euro.

Im Jahr 2010 stagnierten die Provisionserlöse bei 472,2 Millionen Euro. Nennenswertes Wachstum brachte 2010 nur die Vermittlung von privaten Krankenversicherungen und das Vermögensmanagement. Durch die Gesundheitsreform hätten sich viele Kunden für einen Wechsel in die private Krankenversicherung entschieden, so das Unternehmen.

Hier stiegen die Provisionserlöse um 32 Prozent auf 61,3 Millionen Euro. Der Umsatz im Vermögensmanagement legte um 10 Prozent auf 78,5 Millionen Euro zu.

Auch das Geschäft mit Ärzten und Apothekern verlief uneinheitlich. "Natürlich gibt es Gegenden, in denen sich Hausärzte schwer tun, ein auskömmliches Einkommen zu haben.

Aber es gibt auch Ärzte in entsprechenden Fachdisziplinen, die sich gut entwickeln", sagt Schroeder-Wildberg.

Hinzu komme der Trend zu größeren wirtschaftlichen Einheiten wie Ärztehäusern. "Das sind typische Themen, bei denen wir auch mit Beratungsleistung unterstützen können", sagt er.

2010 hätten Ärzte besonders stark betriebswirtschaftliche Beratung in Hinblick auf eine Praxisabgabe nachgefragt und Hilfe bei der Bewertung ihrer Praxis gesucht, sagte ein MLP-Sprecher. Auch Apotheker hätten vermehrtes Interesse an einer betriebswirtschaftlichen Beratung gehabt, vor allem in Hinblick auf die Änderung der Honorierung durch die Gesundheitsreform.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte. "Viele Anbieter haben hier die Preise erhöht. Der Beratungsbedarf war entsprechend groß", sagt der Sprecher.

MLP hat seinen Gewinn 2010 deutlich gesteigert. Der Konzernüberschuss stieg um 41 Prozent auf 34,1 Millionen Euro. Der Zuwachs ist aber vor allem einem Sparprogramm geschuldet. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 16,4 Millionen Euro an Fixkosten eingespart, bis Ende 2012 sollen die Kosten um weitere 20 Millionen Euro sinken.

Wachstumsbringer der nächsten zwei Jahre bleiben die Krankenversicherung und das Vermögensmanagement. Das Geschäft mit der Altersvorsorge wird sich nur langsam erholen. "Der Rückenwind, den wir in der Altersvorsorge bis zum Jahr 2005 kannten, wird so schnell nicht zurückkehren", sagte Schroeder-Wildberg.

Die Zahl der MLP-Vertreter ging 2010 von 2383 auf 2273 zurück. Die Zahl der Neukunden betrug 34.000, 500 weniger als im Vorjahr. Die Gesamtzahl der Kunden ging von 785 500 auf 774 500 zurück.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »