Ärzte Zeitung, 09.05.2011

Kommt bald ein Revival der Windkraftfonds?

Die Emissionshäuser erwarten nach der Atomkatastrophe von Japan eine starke Nachfrage bei Anlagen in alternative Energien. Dieses Mal wollen die Initiatoren aber auf eine gediegene Finanzierung achten.

Von Richard Haimann

Kommt bald ein Revival der Windkraftfonds?

Windkraft als Beteiligungsmodell für Anleger. Die Kinderkrankheiten der ersten Fonds sind jetzt überwunden.

© Rebel / fotolia.com

HAMBURG. Die Atomkatastrophe von Fukushima lässt Initiatoren von Beteiligungsmodellen auf ein Comeback der Windkraftfonds hoffen.

Mit Lloyd Fonds und Voigt  & Collegen bringen zwei Emissionshäuser in den nächsten Monaten neue Beteiligungen an den Markt, mit denen Anleger durch die Umwandlung von Windenergie in Strom Ausschüttungen von sieben Prozent und mehr pro Jahr erzielen sollen.

Finden die neuen Fonds genügend Zeichner, dürfte dies das Revival einer Anlageklasse einläuten, die zu Anfang des Jahrtausends bereits einmal für Furore gesorgt hatte.

Von 2001 bis 2005 hatten Emissionshäuser nach Berechnungen der Ratingagentur Feri Windkraftfonds mit einem Gesamtvolumen von rund vier Milliarden Euro aufgelegt. "Die meisten dieser Fonds endeten jedoch in grandiosen Pleiten", weiß Wolfgang Kubatzki, Leiter Geschlossene Beteiligungen bei Feri.

Die ersten Rotoren waren sehr reparaturanfällig

Meteorologische Gutachten hatten damals das Windaufkommen an den einzelnen Standorten zu optimistisch prognostiziert. Die Generatoren, die das Drehmoment der Rotoren in elektrischen Strom umwandelten, erwiesen sich häufig als reparaturanfällig. Obendrein hatten die Initiatoren bis zu 85 Prozent des Gesamtinvestments über Kredite finanziert, um die Fonds zu Steuersparmodellen zu machen.

Als die Stromerträge nicht ausreichten, um Zins und Tilgung zu tragen, mussten die Fonds in die Insolvenz gehen. Diese Gefahren bestünden heute nicht mehr, sagt Kubatzki. "Die Technik ist viel ausgereifter." Die Wetterwissenschaftler könnten das Windaufkommen an jedem einzelnen Ort inzwischen viel exakter prognostizieren.

Der Bedarf an alternativen Energieformen ist gestiegen

Zudem sei der Bedarf an alternativen Energieformen durch die Katastrophe im japanischen Kernreaktor von Fukushima und das Atomausstiegsprogramm der Bundesregierung drastisch gestiegen, meint Eric Romba, Geschäftsführer des Verbands Geschlossene Fonds (VGF): "Beteiligungsmodelle mit Investitionen in erneuerbare Energie stoßen auf großes Interesse der Anleger."

Die beiden Emissionshäuser, die sich nun wieder in das Marktsegment wagen, agieren diesmal sehr konservativ. Der Hamburger Initiator Lloyd Fonds will bei seinem Anfang Juni an den Markt kommenden Energie Europa nur 71,2 Millionen Euro der Gesamtinvestitionssumme von 144,7 Millionen Euro über Bankkredite finanzieren.

Das Kapital soll auf ein breites Portfolio aus bereits in Betrieb befindlichen Windkraftanlagen in Schottland, in Großbritannien und Frankreich sowie in Solarparks in Spanien verteilt werden.

"Durch die Diversifizierung in verschiedene Energiearten an unterschiedlichen Standorten erhöht sich die Stabilität der Ausschüttungen", sagt Christian Schulz, Leiter Energie bei Lloyd Fonds. Meteorologische Aufzeichnungen zeigten, dass Jahre mit starkem Windaufkommen in der Regel stärker verregnet seien.

Die dunklen Regenwolken mindern jedoch die Leistungen der Solaranlagen, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln. Die Mindestbeteiligung bei dem 17,5 Jahre laufenden Fonds beträgt 10.000 Euro zuzüglich fünf Prozent Agio. Die jährliche Auszahlung soll von anfänglich sieben auf 8,5 Prozent steigen.

Das Düsseldorfer Emissionshaus Voigt & Collegen will nach dem Sommer seinen Windkraftfonds auflegen. Zur Diversifizierung sollen ebenfalls Solarparks beigemischt werden.

"Die Windkraft hat ihre Kinderkrankheiten überwunden, die Erträge sind heute gut kalkulierbar", sagt Geschäftsführer Herman Klughardt. Klughardt ist sich sicher: Andere Emissionshäuser dürften in nächster Zeit ebenfalls auf den Zug aufspringen.

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