Ärzte Zeitung, 07.06.2011

Daiichi Sankyo setzt auf Kampf gegen Krebs

Frankfurt/M (cw). Bis 2015 will Daiichi Sankyo eine Onkologie-Pipeline aufgebaut haben, die im weltweiten Branchenvergleich „zu den Besten gehört“. Derzeit arbeiten die Daiichi-Entwickler laut Europa-Chef Reinhard Bauer bereits an zehn Wirkstoff-Kandidaten gegen Krebs.

Daiichi Sankyo setzt auf Kampf gegen Krebs

In U3 Pharma, einer Tochterfirma von Daiichi Sankyo, wird der HER3-Antikörper U3-1287 gegen Lungenkrebs entwickelt

© Daiichi Sankyo

Neben dem Kompetenzschwerpunkt Herz-Kreislauf bereite sich Daiichi Sankyo auf den Markteintritt mit Krebsmedikamenten vor.

„Wir gehen davon aus, dass diese Präparate den Patienten deutliche Vorteile gegenüber bisherigen Therapien bieten werden“, so Bauer bei einem Pressetermin in Frankfurt am Main.

Zulassung für zwei Präparate beantragt

Die beiden fortgeschrittensten Onkologie-Präparate – für beide wurde die Zulassung beantragt – sind der Antikörper Denosumab und der BRAF-Hemmer Vemurafenib.

Für Denosumab hat Daiichi die japanischen Rechte von Amgen einlizensiert. Erstindikation ist postmenopausale Osteoporose sowie Knochenabbau in Verbindung mit einer Antihormontherapie bei Patienten mit Brust- oder Prostatakrebs.

Vemurafenib gegen metastasierendes Melanom bei Patienten mit BRAF-Mutation stammt vom US-Unternehmen Plexxikon, das Daiichi Sankyo im März dieses Jahres für 805 Millionen Dollar übernommen hat. Die Vertriebsrechte für das vielversprechende Mittel lägen „weitgehend bei Roche“, erklärt Bauer. Allerdings habe man die Option zum Mitvertrieb in den USA.

Tivantinib mit ArQule entwickelt

Erstes Krebsmittel mit vollen Vertriebsrechten für Daiichi dürfte demnach der orale Tyrosinkinase-Hemmer Tivantinib werden. Die Japaner entwickeln Tivantinib zusammen mit dem amerikanischen Biotechunternehmen ArQule. Bis Ende 2012 sollen die klinischen Tests gegen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs – die Phase III wurde vor vier Wochen begonnen – abgeschlossen und die Zulassungsunterlagen fertig zur Einreichung sein.

Als besonders großen Hoffnungsträger wertet Bauer den humanen HER3-Antikörper U3-1287, der momentan in Phase II ebenfalls gegen Lungenkrebs getestet wird. Der Wirkstoff stammt aus dem Portfolio der 2008 übernommenen Münchener U3 Pharma.

Das Unternehmen wurde von Professor Axel Ullrich gegründet, dessen Krebsforschung unter anderem zur Entdeckung der Onkologie-Blockbuster Herceptin® (Roche) und Sutent® (Pfizer) geführt hat.

Neben weiteren Antikörpern sowie diversen Phase-I-Projekten ist auch ein Glitazon (Efatutazone) noch aktuell. Daiichi Sankyo gehört zu den Entdeckern der Glitazone, hat den Ansatz gegen Diabetes aber nicht weiter verfolgt. Dagegen wird das zytostatische Potenzial dieser Wirkstoffklasse inzwischen in Phase II untersucht.

Bremsspuren der Wirtschaftskrise

Für Daiichi Sankyo war das Geschäftsjahr 2010 (zum 31.3.2011) in den europäischen Märkten geprägt von staatlicher Kostendämpfung. Im Umweg über die öffentlichen Haushalte habe die Wirtschaftskrise „Bremsspuren hinterlassen“.

Ohne die Verkäufe der indischen Generika-Tochter Ranbaxy nahm der Umsatz um lediglich 2,3 Prozent auf 587 Millionen Euro zu. „Wir wollten mehr erreichen“, konzediert Bauer. Weltweit setzten die Japaner in der gleichen Zeit mit 8,6 Milliarden Euro rund 18 Prozent mehr um.

Immerhin: Daiichis Hauptprodukt, der Blutdrucksenker Olmesartan, verzeichnete auch in Europa mit 408 Millionen Euro stolze 16 Prozent Zuwachs.

2011 peilt Daiichi Sankyo für sein Europageschäft 670 Millionen Euro an und damit ein Plus von 14 Prozent. Allerdings zeichnet sich ab, dass der neue Gerinnungshemmer Edoxaban frühestens im darauffolgenden Geschäftsjahr zum Umsatz der hiesigen Landesgesellschaften beitragen wird. Bislang ist der orale Faktor-Xa-Hemmer nur in Japan zugelassen und soll dort als Lixiana® diesen Sommer eingeführt werden.

Mit Edoxaban erst als Dritter im Markt

Für Europa dürfte die Datenerhebung laut Sektionschef Bauer im März kommenden Jahres abgeschlossen sein. Dann aber werde es bis zur Einreichung der Unterlagen bei der Zulassungsbehörde EMA nicht mehr lange dauern.

Edoxaban wird gegenwärtig in zwei großen Phase-III-Studien geprüft. Einmal zur Schlaganfallprophylaxe an über 21 000 Patienten mit Vorhofflimmern und zum zweiten gegen Venöse Thromboembolien an 7500 Patienten.

Obwohl Daiichi Sankyo die Faktor-Xa-Hemmer entdeckt hat, nach Bayer (Rivaroxaban) und Bristol-Myers (Apixaban) jedoch erst als dritter Anbieter den Markt erreicht, sieht Reinhard Bauer gute Chancen für Edoxaban. Angesichts des pharmakologischen Profils, des sorgfältigen Studiendesigns sowie zweier Dosisalternativen sei man „zuversichtlich „eine bessere Lösung gefunden zu haben“ als die Wettbewerber.

Neue Möglichkeiten ergäben sich zudem in der Thromboseprophylaxe bei Krebspatienten. Mit dem riskanten Warfarin sei das in der Vergangenheit nicht möglich gewesen.

Bauer: „Viele immobile Krebspatienten sterben an einer Embolie. Mit stabilen Gerinnungshemmern wie den Xa-Inhibitoren kann man das in den Griff kriegen“.

Daiichi Sankyo

Branche: Forschende Pharmaindustrie

Sitz: Tokio, Japan

Unternehmensleitung: Joji Nakayama (President & CEO)

Aktuelle Geschäftszahlen: Umsatz (2010/11, zum 31.3.11) 967,4 Mrd. Yen (umgerechnet ca. 8,5 Mrd. Euro), Nettogewinn 70,1 Mrd. Yen (ca. 620 Mio. Euro)

Mitarbeiter: 30.488 (zum 31.3.11)

Wichtige Produkte: Olmetec® (Olmesartan), Olmetec® plus (Olmesartan + HCT), Sevikar® (Olmesartan + Amlodipin), Sevikar® HCT (Olmesratan + Amlodipin + HCT), Efient® (Prasugrel)

Forschung & Entwicklung: Investitionen: 194,3 Mrd. Yen (über 1,7 Mrd. Euro), 20,1 % vom Umsatz. Weit fortgeschritten in der Pipeline ist der Blutgerinnungshemmer Edoxaban, der u. a. zur Schlaganfallprävention für Patienten mit Vorhofflimmern entwickelt wird.

Quelle: Unternehmensangaben, Geschäftsbericht. Recherche: PharmaWoche (Springer Medizin)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »