Ärzte Zeitung, 08.07.2011

Witten/Herdecke hofft auf Reakkreditierung

Eine schlechte Beurteilung durch den Wissenschaftsrat in 2005 brachte die Uni Witten/Herdecke ins Wanken. Immer wieder musste sie um die Finanzierung der Medizinerausbildung bangen. Die Reakkreditierung könnte jetzt Abhilfe schaffen.

Witten/Herdecke hofft auf Reakkreditierung

Sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen: die Universität Witten/Herdecke.

© TriAss / imago

KÖLN (iss). Wenn heute und morgen der Wissenschaftsrat in Berlin tagt, steht für die Private Universität Witten/Herdecke (UWH) viel auf dem Spiel. Das Gremium wird über die Reakkreditierung der Hochschule entscheiden. Die UWH geht davon aus, dass sie dafür die notwendigen Voraussetzungen geschaffen hat, möchte sich im Detail aber nicht dazu äußern.

Im Juli 2005 hatte der Wissenschaftsrat der Medizinerausbildung in Witten ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Sein Urteil nach einem Begutachtungsverfahren im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW): Forschung und Lehre kommen an der UWH erheblich zu kurz. Der Rat forderte die Uni auf, keine neuen Medizinstudenten mehr einzuschreiben.

Das traf die Hochschule im Mark, da die praxisnahe und problemorientierte Medizinerausbildung von Anfang an ihr Herzstück war und sie bundesweit bekannt gemacht hatte.

Ein Jahr später gab der Wissenschaftsrat allerdings grünes Licht: Die Uni durfte die Medizinerausbildung fortsetzen und neue Studenten immatrikulieren. Der Ratsmitglieder hatten das von der Hochschule vorgelegte Konzept für eine Neuausrichtung akzeptiert.

In seinem Mittelpunkt standen die Schaffung neuer Lehrstühle und verstärkte Forschungsaktivitäten mit einem Schwerpunkt in der Versorgungsforschung.

Seit 2007 hat die Uni Lehrstühle für Allgemeinmedizin und Familienmedizin sowie für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin.

Im Sommer 2008 traf die UWH ein neuer Schlag. Sie verlor ihren damaligen Hauptsponsor Droege International. Im Dezember 2008 zog sich auch das Land NRW aus der Finanzierung zurück und forderte auch für 2007 Fördergelder zurück. Anfang 2009 einigte sich die Universitätsleitung mit alten und neuen Gesellschaftern sowie dem NRW-Wissenschaftsministerium auf ein Zukunftskonzept.

Neuer Hauptsponsor wurde die Software AG. Das Land nahm die Förderung wieder auf.

2008 verdoppelte die Medizinische Fakultät die Studienplätze in der Medizin auf 500. Pro Jahr werden seitdem 84 neue Medizinstudierende aufgenommen, zuvor waren es 42. Als Teil ihres Sanierungskonzepts erhöhte die Universität zudem die Studiengebühren.

Im vergangenen Jahr entstand an der Universität Witten/Herdecke die erste Fakultät für Gesundheit in Deutschland. In ihr gingen die bisherigen Fakultäten für Medizin sowie für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde auf. Sie wurden ebenso wie die Pflegewissenschaften Departments der neuen Fakultät. Forschungsschwerpunkt ist die "integrative und personalisierte Gesundheitsversorgung".

Im November 2010 gab es gute Nachrichten für die Uni. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium genehmigte die Fortsetzung des Modellstudiengangs in der Humanmedizin bis 2018 .

Dieser Schritt hatte allerdings nichts zu tun mit der Reakkreditierung durch den Wissenschaftsrat. Dessen Entscheidung sieht die Uni jetzt gespannt entgegen. "Wir haben vieles von den Vorschlägen des Wissenschaftsrates umgesetzt", sagt Sprecher Dr. Eric Alexander Hoffmann.

Er verweist auf den Ausbau der Forschung, Kooperationsverträge mit Kliniken und die Aufstockung von Lehrstühlen in und außerhalb des Hauses. Im Jahr 2005 gab es an der UWH rechnerisch 6,5 Vollzeit-Professorenstellen. Inzwischen sind es 19,5. "Ende 2011 werden wir voraussichtlich 25 haben", sagt Hoffmann.

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