Ärzte Zeitung, 11.11.2011

Allianz-PKV setzt auf Zusatzpolicen

KÖLN (hf). Der Allianz-Konzern will in der privaten Krankenversicherung vor allem mit Zusatzpolicen wachsen und dafür auch neue Angebote auf den Markt bringen. Dazu gehören Spezialpolicen für besondere Behandlungen bei Krebs.

Das sagte Finanzchef Oliver Bäte am Freitag bei der Vorstellung der Quartalszahlen. "In der Allianz Private Krankenversicherung wachsen wir im Zusatzgeschäft sehr stark und sind rückläufig in der Vollversicherung, wie geplant und zu erwarten", sagte Bäte.

Die politischen Rahmenbedingungen für die Vollversicherung seien ungünstig, deshalb sei sie für viele Kunden unattraktiv. Außerdem sei das Segment durch harte Konkurrenz geprägt. "Viele Wettbewerber laufen wenigen Kunden hinterher", sagte Bäte.

Operatives Ergebnis unter dem des Vorjahres

"Dafür werden zum Teil sehr, sehr hohe Abschlusskosten bezahlt", erläuterte er mit Blick auf Provisionszahlungen von deutlich über zehn Monatsbeiträgen, die im Markt üblich sind. "Wir wollen uns an diesem Wettbewerb nicht beteiligen."

Attraktiv wachsen könne die Gruppe mit Zusatzversicherungen. "Dabei geht es auch um Spezialthemen wie Krebs", sagte Bäte. "Da sehen wir starkes Wachstum und hohen Bedarf."

Die Allianz Private Krankenversicherung erzielte in den ersten neun Monaten Beitragseinnahmen von unverändert 2,41 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag mit 105 Millionen Euro allerdings deutlich unter den 124 Millionen Euro des vergleichbaren Vorjahreszeitraums.

[12.11.2011, 20:32:34]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
PKV in der Krise?
Es sind doch nicht die "politischen Rahmenbedingungen für die Vollversicherung", die ungünstig sind. Die Finanz-Strategen der Allianz werden einfach zerrieben zwischen den dummdreisten Lockvogel-Angeboten der windigen Konkurrenz im Internet und der Realität in der PKV: Der Standardtarif gilt nur für die ambulante haus- und fachärztliche Behandlung, Zusatzpolice für stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich. Zusatzpolice Zahnbehandlung, dazu Zahnersatz absichern mit Extrabeitrag. Krankengeldzahlungen am Ende der Lohnfortzahlung absichern? Zusatzpolice! Kinder und evtl. nichtarbeitende Ehefrau? Das Ganze nochmal von vorne bis auf die Krankengeldabsicherung.

Und Kuren bzw. REHA durch die PKV sind dabei höchstens auf dem Kulanzweg drin. Vom Kuratorium Organtransplantation bestätigt, hat es die PKV seit 10 Jahren n i c h t geschafft, medizinische Komplikationen, die bei Lebendorganspendern (Donatoren) in der GKV grundsätzlich von der Krankenkasse des Organempfängers mit übernommen werden müssen, nach gleichen Grundsätzen zu regeln.

Fehlende Altersrückstellungen, "falsche" Sterbetafeln, demografische und medizinisch-technische Fortschritts- bzw. Innovationsfaktoren führen zu Fehlkalkulationen in der PKV. Satte Prämienanhebungen lässt man sich dann bei der BaFin-Behörde genehmigen, statt unternehmerische Risiken zu tragen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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