Ärzte Zeitung online, 27.04.2012

Zyto-Markt: Betriebe kritisieren Unterstellung

HAMBURG (cw). Die Rezeptur-Herstellbetriebe wehren sich dagegen, in die Nähe illegaler Machenschaften im Markt der Zytostatika-Rezepturen gerückt zu werden.

In einem offenen Brief an den VZA (Verband der Zytostatika herstellenden Apothekerinnen und Apotheker) verwahrt sich der Bundesverband der Rezeptur-Herstellbetriebe (BRH) gegen den Vorwurf, "dass Herstellungsbetriebe besonders anfällig für juristisch fragwürdige Geschäftsmodelle sind".

VZA-Präsident Klaus Peterseim hatte dies in einer Reaktion auf einen Anfang April im Nachrichtenmagazin "Spiegel" erschienenen Artikel gesagt.

Der Bericht hatte aktuelle sowie vergangene staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Apotheker, Onkologen, Pharmahändler und -unternehmen wegen verbotener Einkaufs- und Marketing-Praktiken im Zytostatika-Markt thematisiert.

Der BRH wies die Aussage Peterseims jetzt als "unseriös", "populistisch" und in der Sache "nicht haltbar" zurück.

Peterseim verschweige, dass sich die laufenden Ermittlungen etwa in Sachsen, wo auch ein Herstellbetrieb genannt wurde, nicht gegen diesen Betrieb, sondern dessen ehemaligen Eigentümer in seiner Funktion als Zytostatika-liefernder Apotheker richten.

Strengere Bedingungen als in Apotheken

Unausgesprochener Anlass der Spannungen dürfte die Bedrohung sein, die einige Zytostatika herstellende Apotheker in den spezialisierten Produktionsbetrieben sehen.

So arbeiten diese Betriebe entsprechend Herstellungserlaubnis nach Arzneimittelgesetz unter weit strengeren Qualitätsbedingungen als die Apotheker.

Zudem wird aus diesen Herstellerkreisen - trotzdem die meisten Betriebe von Apothekern gegründet wurden - immer wieder auch mal die Forderung laut, Ärzte direkt, also ohne den Umweg über mitverdienende Apotheken beliefern zu wollen.

Sozialrechtlich zugelassene Vertragspartner in der Versorgung mit Zytostatika-Rezepturen sind bisher nur Krankenkassen und Apotheker. Die Herstellbetriebe fungieren lediglich als Dienstleister im Auftrag von Apotheken.

Für eine Stellungnahme zu dem offenen Brief des BRH war beim VZA heute niemand zu erreichen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »