Ärzte Zeitung, 22.05.2012

Deutsches Know-how für Chinas Aufstieg

China ist auf dem Weg zur Wirtschaftssupermacht. Für deutsche Pharma- und Medizintechnikfirmen bieten sich viele Chancen zur Zusammenarbeit vor Ort. Kooperiert wird auch auf wissenschaftlicher Ebene - etwa bei der Notfallmedizin.

Von Matthias Wallenfels

Deutsches Know-how für Chinas Aufstieg

Die Wirtschaftsmetropole Shanghai ist zum Sinnbild des rasanten Wachstums im aufstrebenden China geworden.

© chungking/fotolia.com

FRANKFURT/WUHAN. Die Volksrepublik China ist dabei, sich von der verlängerten Werkbank der westlichen Welt zur wirtschaftlichen Supermacht Nummer eins zu mausern.

Wie lange diese Metamorphose dauern wird, ist unter Ökonomen und Wirtschaftsvertretern umstritten, dass das Reich der Mitte diesen Platz einnehmen wird hingegen nicht.

Die Transformation Chinas ist für die deutsche Wirtschaft Chance wie Risiko zugleich. Die Branchen Pharma, Medizin- sowie Biotechnologie stehen dabei vor besonders großen Herausforderungen.

Das wurde jüngst auf dem Greater China Day der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main sowie der Außenhandelskammer Greater China - der Begriff subsumiert die Volksrepublik China, Hongkong sowie Taiwan - deutlich.

Einer der attraktivsten Märkte für klinische Studien

China mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern verspreche bei einer entsprechenden Wohlstandsentwicklung nicht nur, der weltweit größte Absatzmarkt für Pharmaka und Medizintechnik zu werden.

Nach Ansicht von Unternehmensberater Dr. Martin Schloh, Partner von PricewaterhouseCoopers Pharma & Healthcare Consulting, ist der Rote Drachen schon heute eines der weltweit attraktivsten Länder für klinische Studien - zumindest von den Rahmenbedingungen her.

Wie eine aktuelle Studie seines Hauses aufzeigt, kommt China beim Attraktivitäts-Index für klinische Studien auf 6,1 Punkte - die USA verzeichnen 6,88, Indien 5,58 und Deutschland 4,96.

Dem Index zugrunde liegen laut Schloh, der auch Vizepräsident der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin ist, Bewertungen zu den Faktoren Patientenpool, Kosteneffizienz, regulatorische Anforderungen, Fachexpertise sowie Infrastruktur und Umwelt.

Dass gerade beim Schutz geistigen Eigentums noch Nachholbedarf besteht und dieser Umstand eine der größten Hürden für deutsche Unternehmen in China ist, war Konsens unter den Teilnehmern des Workshops Gesundheitswirtschaft.

Beziehungen zur politischen Ebene fördern das Geschäft

Hier komme es vor allem auf gute Beziehungen deutscher Unternehmensvertreter auf zentral- und lokalpolitischer Ebene an, wie Dr. Carsten Brunn von Bayer Healthcare Pharmaceuticals (Peking) hervorhob.

Dr. Björn Blüml von Siemens Project Ventures (Erlangen) ergänzte, dass die Beziehungspflege auch groß angelegte deutsch-chinesische Kooperationen wie zum Beispiel den gemeinsamen Aufbau von Kliniken beinhalte. Hierbei fließe vor allem deutsches Know-how in die Projekte ein. Auch die Medizintechnik-Ausstattung sei Sache des deutschen Partners.

Kooperationen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in China erfolgen unterdessen nicht nur auf Unternehmensebene.

 So baut beispielsweise die Deutsch-Chinesische Gesellschaft für Medizin (DCGM) mit ihrem chinesischen Pendant derzeit in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei, am Tongji Hospital das Deutsch-Chinesische Institut für Notfall- und Katastrophenmedizin auf.

Zu den beiden Präsidenten des Zentrums ernannt wurden Professor Bernd Domres, der auch Präsident des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin ist, und Professor Yongjian Xu, seines Zeichens Vizepräsident des Tongji-Krankenhauses der Tongji Medizinischen Fakultät der Huazhong Universität der Wissenschaft und Technologie.

Deutsche Expertise soll das Rettungswesen optimieren

Wie aus der Projektbeschreibung der DCGM, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt, hervorgeht, soll das Institut später als Koordinationszentrum des Katastrophenmanagements in Hubei dienen und gleichzeitig auch als Modelleinrichtung für andere chinesische Provinzen fungieren.

Weiterer Bestandteil der Kooperation ist der Aufbau eines Rettungsdienstsystems für Hubei nach deutschem Vorbild inklusive entsprechender Infrastruktur sowie der Erarbeitung eines Rettungsdienstgesetzes nach deutschem und internationalem Vorbild, wie aus der Aufgabenbeschreibung des Projektes ersichtlich ist.

Von deutscher Seite aus soll die Qualifizierung der chinesischen Fachkräfte vom Tongji Hospital in der Notfall- und Rettungsmedizin erfolgen.

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