Ärzte Zeitung, 03.07.2013

Innovationen

Bayer beklagt mangelnde Wertschätzung

Bayer HealthCare bekennt sich zum Standort Deutschland und zur hiesigen Forschung. Kritik hagelt es aber an der Umsetzung des AMNOG in der Praxis.

Von Ilse Schlingensiepen

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Wünscht sich eine andere Innovationskultur: Bayer HealthCare-Chef Schöning.

© Bayer Healthcare AG

LEVERKUSEN. Das deutsche Gesundheitswesen braucht einen neuen Umgang mit dem Thema Innovationen, findet Frank Schöning, Leiter Bayer HealthCare Deutschland.

"Wir wünschen uns eine Innovationskultur, die vorrangig die Chancen sieht und nicht in erster Linie nur die Risiken und die Kosten betrachtet", sagte Schöning vor Journalisten in Leverkusen.

Nach wie vor würden neue Arzneimittel benötigt, da eine Vielzahl von Krankheiten nicht kausal behandelt werden könne. Dennoch erfahre die Pharmaindustrie eine mangelnde Wertschätzung vonseiten der Gesellschaft.

Bei der Diskussion über die Kosten innovativer Medikamente bleibt nach seiner Einschätzung zudem ein wichtiger Aspekt unbeachtet: "Der Nutzen einer Innovation bleibt für die Gesellschaft auch nach dem Patentablauf bestehen."

Bayer glaube nach wie vor an den Heimatstandort, betonte er. Mehr als ein Drittel aller Mitarbeiter seien hierzulande tätig. "Obwohl Bayer HealthCare nur sieben Prozent des Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet, geht jeder zweite Forschungs-Euro in den Standort Deutschland."

Umso bedauerlicher findet er es, dass sich die Pharmaindustrie massiver Eingriffe bislang unbekannten Ausmaßes des Gesetzgebers gegenübersieht. Bayer HealthCare stehe grundsätzlich zu dem Ziel des AMNOG, echte Neuerungen zu erkennen und zu bewerten.

"Von einigen Spielern im Prozess wird es aber nur als Kostensenkungsinstrument benutzt", kritisierte Schöning. Er sieht dringenden Korrekturbedarf. So dürfe der GKV-Spitzenverband nicht länger als Regelgeber, Schiedsrichter und Spieler in einem fungieren. Die Unternehmen bräuchten effektiven Rechtsschutz.

Die Einbeziehung von Bestandsmarktprodukten in die Nutzenbewertung müsse mit Augenmaß erfolgen, forderte er. "Es wird uns 700.000 Euro bis eine Million Euro kosten, ein Dossier anzufertigen."

Gut gefüllte Pipeline

Der orale Gerinnungshemmer Xarelto® (Rivaroxaban) zeige, wie groß der Bedarf an Innovationen ist. Das Arzneimittel ist 2008 auf den Markt gekommen und war 2012 schon das Produkt mit dem drittgrößten Umsatz bei Bayer HealthCare.

"Xarelto hat in unseren Augen das Potenzial, das bedeutendste jemals in Deutschland erforschte und hergestellte Pharma-Exportprodukt zu werden", sagte Dr. Robin Wegener, Leiter Medizin bei Bayer HealthCare Deutschland.

Zu Xarelto habe es elf erfolgreiche Phase III-Studien gegeben, jetzt mache das Unternehmen mit Phase IV-Studien weiter. "Wir kommen langsam auf 100.000 Patienten in Entwicklungsstudien", sagte er.

Mit insgesamt 35 Projekten - zehn in Phase I, acht in Phase II und 17 in Phase III - ist die Forschungspipeline des Konzerns zurzeit gut gefüllt, berichtete der Arzt. "In Phase III sind viele ziemlich weit fortgeschritten", sagte Wegener.

Aus 10.000 Prüfsubstanzen, die in der Bayer-Forschung in die engere Wahl kommen, schafften es im Durchschnitt fünf in die klinischen Prüfungen, ein Arzneimittel werde schließlich zugelassen. "In den letzten Jahren waren wir etwas erfolgreicher."

Professor Klaus-Dirk Henke unterstrich die volkswirtschaftliche Relevanz von Bayer HealthCare. Gemeinsam mit Kollegen hat er den "ökonomischen Fußabdruck" von sieben forschenden und produzierenden Unternehmen der Gesundheitswirtschaft untersucht.

Für Bayer kamen die Wissenschaftler auf eine Wertschöpfung von 5,3 Milliarden Euro in der deutschen Volkswirtschaft im Jahr 2010. 14.500 Mitarbeiter seien direkt bei dem Unternehmen beschäftigt, weitere 32.000 von der Geschäftstätigkeit von Bayer HealthCare abhängig. "Das ist volkswirtschaftlich nicht ohne Bedeutung", sagte Henke.

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